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Vom »Weltcup-Covergirl« zur Medaillengewinnerin?

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Sie fühlt sich in Ruhpolding sehr wohl – und will in dieser Saison international möglichst erfolgreich sein: Skilangläuferin Nadine Herrmann. (Foto: Hohler)

Die Form steigt an – und mit zwei Podestplätzen im Continentalcup in Seefeld hat Skilangläuferin Nadine Herrmann (Bockauer SV) aus dem Stützpunkt Ruhpolding kräftig Selbstvertrauen getankt. Bei den Wettkämpfen, die von Oberwiesenthal nach Österreich verlegt worden waren, wurde sie Zweite des Sprints (klassische Technik) und Dritte des 5-km-Laufs in klassischer Technik. Und mit weiteren Spitzenplätzen im COC will sie sich auch für den Weltcup empfehlen.


Schon fix ist für die 23-Jährige ein Start beim Weltcup in Dresden (11. und 12. Januar 2020, Sprint und Teamsprint). Die aus dem Erzgebirge stammende Sportlerin ist sogar das »Gesicht« dieses Weltcups – sprich die Veranstaltung wird mit ihr als »Covergirl« beworben. »Da freue ich mich schon sehr darauf. Schließlich ist das nur gut eineinviertel Stunden Fahrt von meiner Heimat bis dorthin.«

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Sie betont aber auch: »Der Weltcup-Einsatz soll schon auch erarbeitet sein.« Das heißt, die Formkurve soll weiter nach oben gehen, »denn wenn ich nicht bei hundert Prozent bin, hat es ja keinen Sinn, sich mit der Weltspitze zu messen.« Insgesamt gelte, »dass wir in dieser Saison ein stark verjüngtes Team sind. Da muss man sich die Saison ohnehin gut einteilen. Das macht das Trainerteam sehr gut.« Haupttrainer für sie sind bei den Lehrgängen der Leitende Disziplintrainer Erik Schneider sowie Falk Göpfert als neuer leitender Stützpunkttrainer in Ruhpolding. Ein wichtiger Ansprechpartner ist weiterhin Frank Nitsch, der am Stützpunkt gemeinsam mit Manuel Schnurrer vorwiegend die Anschlusskader betreut.

Dass Herrmann heuer eine starke Saison hinlegen könnte, war gar nicht so sicher: Jahrelang nämlich hatte sie schon unter starken Schienbeinschmerzen gelitten. »Normal Langlaufen ging gut, aber vor allem wenn es beim Skating auf die Maximalbelastung ankam, hatte ich oft keine richtige Kontrolle mehr über den Fuß.« So kann man weder intensiv trainieren noch erfolgreichen Wettkämpfe bestreiten. Die Situation »war auch vom Kopf her sehr belastend. Aber meine Familie hat mich immer sehr unterstützt, auch die Trainer und Betreuer konnten das gut einschätzen und versprachen mir Unterstützung.«

Herrmann ging am Uniklinikum Dresden zu zwei Spezialisten. Diese stellten ein chronisches Compartmentsyndrom fest. Sie mahnten allerdings vor der OP auch: »Das ist nicht so einfach. Sie haben mich auch über die Risiken aufgeklärt, denn so arg viele Erfahrungen mit solchen Operationen gibt es noch nicht«, erinnert sich die 23-Jährige. Nach gut einem Monat fiel die Entscheidung zur OP, »denn ich wollte einfach wissen, wie das Langlaufen ohne dieses Problem geht.«

Nach einer Pause und einer Reha im Medicalpark Prien – bei weiterer Betreuung ihrer Ärzte – lief es schon relativ gut. Inzwischen ist sie sich sicher: »Ich bin sehr froh über die Entscheidung zur Operation. Ich weiß jetzt: Mehr kann ich nicht tun.«

Möglicherweise habe die Zwangspause nach der OP ihrem Körper sogar gutgetan. Bald konnte sie Paddeln, »dann habe ich oft am Chiemsee Einheiten Rad-Paddel-Rad gemacht«, lacht sie. Beim ersten Leistungstest Ende Juli in Oberhof »hatte ich beim Doppelstock sogar Bestwerte.« Selbst beim Skating, für das sie bis dahin wenig tun konnte, »lief es trotzdem gut.« Zwar musste sie wegen einer starken Erkältung auf den letzten Vorbereitungslehrgang in Finnland verzichten und kam erst einmal schwer in die Saison, doch nun geht es aufwärts.

Die 23-Jährige hat sich mittlerweile zu einer echten Allrounderin entwickelt. »Eigentlich mag ich den Klassik-Einzellauf am liebsten, aber auf den kurzen Strecken habe ich eher die guten Ergebnisse«, weiß sie.

Die in Ruhpolding wohnende Sportlerin will sich in dieser Saison weiterentwickeln, weitere Ziele sind die Heim-WM 2021 in Oberstdorf und die Olympischen Spiele 2022. »Und auch, wenn es noch einige Schritte weg ist: Ich würde gerne mal Teil einer Team-Medaille sein.«

Nadine Herrmann ist seit gut viereinhalb Jahren am Stützpunkt in Ruhpolding und hat sich hier gut eingelebt, »es gefällt mir hier sehr gut.« Zuvor hatte sie in sieben Jahren am Sportinternat in Oberwiesenthal eine schöne Zeit, »aber ich fand dann einen Tapetenwechsel nötig.« Zumal ihre Schwester Denise Herrmann – inzwischen ja Biathlon-Weltmeisterin – da schon in Ruhpolding lebte. »Ich war da schon mal im Sommer zu Besuch, und das gefiel mir.« Nach gut drei Jahren in einer gemeinsamen Wohnung mit ihrer Schwester zog Nadine Herrmann in eine eigene Wohnung. Das ändert nichts am guten Verständnis des Duos: Zwar habe sie sich allmählich »mental aus dem Schatten« ihrer Schwester lösen müssen, »und mich als Person verselbstständigen«, doch »es ist einfach schön, dass wir uns austauschen können.«

Nadine Herrmann plant ihre Langlauf-Karriere zunächst einmal nur bis zu den Olympischen Spielen 2022. »Da möchte ich sehen, wie weit ich mit meiner maximalen Leistung kommen kann.« Geht es nach ihrem Geschmack nicht weit genug vorwärts, hat sie schon einen konkreten Plan: Sie will Medizin studieren. Bei einem Abiturschnitt von 1,3 stehen ihre Chancen gut, einen Studienplatz zu bekommen. Auch im Studium will sie dann mit großem Ehrgeiz bei der Sache sein. Aber zunächst einmal steht der Skilanglauf im Vordergrund. Wenn sie dann als angehende Ärztin schon eine WM- oder Olympia-Medaille haben sollte, wäre ihr das natürlich umso lieber ... who

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