weather-image
20°

Vom Bademeister zum Eisschnelllauf-Erfolgstrainer

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Inzells leitender Stützpunkttrainer Markus Eicher verabschiedet sich in den Ruhestand. (Foto: Huber)

»So ganz werde ich mich vom Eisschnelllaufen nicht verabschieden. Wenn man mich braucht, dann helfe ich gerne«, verspricht Inzells leitender Stützpunkttrainer Markus Eicher, der zum Ende des Jahres in Rente gehen wird. Für den 65-Jährigen kommt der Ruhestand nicht überraschend. »Ich habe lange genug vorher gewusst, dass ich zum Jahresende gehe. Darauf konnte ich mich gut vorbereiten«, sagt Eicher. Wer sein Nachfolger als Stützpunkttrainer wird, wird offiziell erst im März bekannt gegeben. »Ich denke, wir haben da eine gute Lösung gefunden«, verrät er.


Markus Eicher war in jungen Jahren ein talentierter Eisschnelllauf-Mehrkämpfer. Er hatte seine beste Zeit 1976/77. Da wurde er mehrmals Deutscher Meister. Als er 1980 knapp die Teilnahme an den Olympischen Spielen verpasste, beendete er seine sportliche Laufbahn. In dieser Zeit hat er bereits als Bademeister im Inzeller Freibad gearbeitet. Diese Stelle bekam er von der Gemeinde, damit er gute Bedingungen zum Trainieren hatte.

Anzeige

»Ich habe mich dann ziemlich vom Eisschnelllaufen zurückgezogen, geheiratet und Haus gebaut«, erinnert er sich. 1985 wurde im Inzeller Eisstadion die Stelle als Stützpunkttrainer frei. »Der damalige Bürgermeister und Eislaufpionier, Ludwig Schwabl, hat mich neben meinem Job als Bademeister zum Trainer befohlen«, erzählt Eicher schmunzelnd. Nachdem er die B-Lizenz erworben hatte, entschloss er sich, nach der Wende auch noch das Trainerdiplom in Köln zu machen. »Damals drängten viele Trainer aus der ehemaligen DDR auf den Markt und ich wollte unbedingt in Inzell bleiben«, schildert er die damalige Situation. 1994 wurde er Bundestrainer der B-Junioren.

Anni Friesinger als Glücksfall

Ein Glücksfall für ihn war zu jener Zeit der Aufstieg des Jahrhundert-Talents Anni Friesinger, mit der er bereits im Nachwuchsbereich zu tun hatte. »Die Anni hat relativ schnell den Durchmarsch zur Weltspitze geschafft.« 1996 wurde sie Junioren-Weltmeisterin in Calgary, zwei Jahre später gewann sie bei den Olympischen Spielen in Nagano Bronze über 3000 Meter.

Danach eroberte sie drei Goldmedaillen bei Olympia und krönte sich 16 Mal zur Weltmeisterin. »Wir haben im Training immer versucht, neue Sachen zu machen. Zu uns sind internationale Trainingspartner ins Team gekommen«, schwärmt Eicher von dieser Zeit.

Namen wie Barbara de Loor aus den Niederlanden oder der Italiener Dino Gillarduzzi schlugen in Inzell ihre Zelte auf. Dazu kamen Einheimische wie Agnes und Jan Friesinger, Marion Wohlrab, Gabi Hirschbichler und aus Erfurt gesellte sich Danny Leger dazu. »Wir hatten die perfekte Mischung aus Frauen und Männern. Das Training hat Spaß gemacht und war sehr anspruchsvoll.«

Anni Friesinger war das Zugpferd der Gruppe und ein Vorbild an Trainingsfleiß und Erfolgen. Als Eicher 2006 Cheftrainer der gesamten DESG-Damenmannschaft wurde, trennten sich die Wege mit Friesinger. »Sie ist dann ihren eigenen Weg gegangen«, sagt Eicher. Unvergessen sind für ihn die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver. Im Halbfinale des Damenteams stürzte Anni Friesinger und ruderte auf dem Eis liegend über die Ziellinie. Deutschland kam ins Olympische Finale, das ging allerdings ohne die Inzellerin über die Bühne. »Der Endlauf fand unmittelbar danach statt. Ich habe die Anni aus dem Team genommen. Das war für mich eine meiner schwersten Entscheidungen als Trainer, das ist nicht einfach gewesen«, hebt Eicher im Rückblick hervor. Das Team gewann am Ende die Goldmedaille.

Nach den Spielen wurde Markus Eicher zum Bundestrainer der Damen und Herren befördert. 2013 gab's einen Schicksalsschlag: Er bekam die Diagnose Krebs. So trat er nach den Olympischen Spielen von Sotschi 2104 als Bundestrainer zurück, er arbeitete aber als Stützpunkttrainer in Inzell weiter.

Dort begann er wieder mit viel Elan. Eine seiner ersten Taten waren die Wiedereinführung der Kindergartenkurse und des Schulsports. »Die Jungen sind die Basis für die Eishalle in Inzell. Vielleicht finden wir wieder eine Anni Friesinger«, sagt er. Eicher hofft auch, dass es mit solchen Maßnahmen im deutschen Eisschnelllauf wieder aufwärts geht. Dass vor allem die deutschen Damen in den 90er bis in die frühen 2000er Jahre so stark waren, lag auch an den Sportlern aus der ehemaligen DDR und an den guten heimischen Athleten. Die deutschen Damen sind in dieser Zeit die klare Nummer 1 der Welt gewesen. »Solche Glücksfälle gibt es selten«, sagt er.

»Wir haben eine Phase, in der uns die Talente gefehlt haben. Darum müssen wir im Nachwuchs verstärkt arbeiten. Da wird seit einiger Zeit sehr gut gearbeitet – auch hier in Inzell. Ich bin guter Dinge, dass wir in den kommenden Jahren wieder gute Leute haben werden. Die brauchen alle noch ein paar gute Winter«, gibt er sich zuversichtlich.

»Bleibe dem Eislauf verbunden«

Für diese Sportler werden dann allerdings andere Trainer zuständig sein. »Wegen meiner Krankheit brauche ich Freiräume. Natürlich bleibe ich dem Eislauf verbunden. Schließlich bin ich ja auch Abteilungsleiter Eisschnelllauf beim DEC Inzell. Außerdem gibt es ein Angebot der DESG, quasi im Minijob in der Max-Aicher-Arena weiter tätig zu sein.«

Als Ausgleich wird man Markus Eicher jetzt aber wohl auch öfters auf dem Golfplatz antreffen oder er wird mit dem E-Bike unterwegs sein. Und wenn ihm richtig langweilig wird, dann wäre für ihn auch seine Arbeit als Bademeister wieder eine Option. SHu

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein