Volle Konzentration statt ruhiger Kugel

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Frank Schmidt ist fasziniert vom Billard: Er spielt nicht nur in der Mannschaft, sondern auch gerne zur Entspannung. (Foto: Müller)

Am Billardtisch ist volle Konzentration gefragt: Wenn Frank Schmidt mit der Mannschaft in einem Ligaduell antritt, dann »will man natürlich etwas erreichen, dann kommt die Nervosität dazu und man macht am besten keinen Fehler«, sagt der Vorsitzende des 1. Pool-Billard-Clubs (PBC) Traunstein.


Anders sieht es da im Training aus – oder wenn Frank Schmidt alleine für sich spielt: Das macht der Polizeiangestellte auch mal nach der Arbeit, um zu entspannen. »Aber es ist wesentlich interessanter, gegen Gegner zu spielen«, betont der 53-Jährige.

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Dafür treten die Mitglieder in Traunstein gleich in zwei Mannschaften oder bei Einzelmeisterschaften an. Je vier Spieler bilden ein Team. Bei einem Ligaspiel absolvieren sie zehn Partien: Im Einzel jeweils in einer der vier Spielarten (siehe Kasten) 8er-Ball, 9er-Ball, 10er-Ball und 14/1 endlos. Anschließend muss jeder Spieler in einer Rückrunde in einer anderen Disziplin stoßen. »Man muss die Spielart wechseln und darf nicht mehr gegen den gleichen Gegner antreten«, erklärt Frank Schmidt. Zudem gibt es pro Spieltag noch zwei Doppel.

Für Einzelspieler gibt es Meisterschaften in jeder der vier Spielarten. »Da hat jeder seine Lieblingsdisziplin«, sagt der Vereinsvorsitzende – auch wenn jeder alle beherrschen muss. Frank Schmidt spielt am liebsten 8er-Ball. »Dabei kann man sich ganz auf seine eigene Farbe konzentrieren«, erklärt er. »Beim Rotationsbillard muss man mehr überlegen.« Schließlich geht es beim 9-er oder 10er-Ball nicht nur darum, die eigenen Kugeln im Blick zu haben, sondern auch mögliche Stöße des Gegners, weil beide die gleiche Kugel anspielen müssen. »Wenn man sie selber nicht reinschießen kann, versucht man eben, sie dem Gegner so hinzulegen, dass er sie auch nicht reinschießen kann«, sagt der Vereinsvorsitzende. So »hat die weiße Kugel weite Wege und das liegt manchen Spielern mehr«, weiß Frank Schmidt.

Ein Unterschied ist zudem, ob die Spieler ansagen müssen, wo sie eine Kugel versenken. »Bei 14/1 endlos muss jede Kugel angesagt werden«, erklärt Frank Schmidt. »Dabei gibt es dann keine Glücksbälle.« Für jede versenkte Kugel gibt es einen Punkt. Das Spiel endet, wenn ein Spieler 70 Punkte erreicht hat – manche Profis erspielen diese Punktzahl auch am Stück. »Mein bestes Ergebnis war mal 53«, berichtet Schmidt, der bei Einzelmeisterschaften und mit der Mannschaft antritt.

Der Pool-Billard-Club Traunstein ist mit seinen zwei Mannschaften in der Bezirks- und in der Kreisliga vertreten, etwa zehn Mitglieder sind regelmäßig aktiv. Die Saison geht von Oktober bis April, dann stehen Auf- und Absteiger fest. »Wir sind gerade eine Fahrstuhlmannschaft«, sagt Frank Schmidt und lacht – die Traunsteiner steigen also immer wieder mal auf und wieder ab.

Dabei hat der Verein, der 1988 gegründet wurde, Anfang der 90er Jahre nicht nur in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mitgespielt, sondern die Traunsteiner wurden auch Bayerische Pool-Billard-Meister. Zwar ist der Aufstieg auch weiterhin das Ziel der Mannschaften, ganz weit nach oben muss es aber gar nicht gehen – schließlich stünden dann auch weitere Fahrtstrecken an und das Training müsste intensiver sein. »Bei uns ist es ein bisschen wie beim Altherren-Fußball«, meint der Vereinsvorsitzende. »Wir spielen zur Gaudi, richtiges Training machen die wenigsten noch.« Das sei eine Zeitfrage, zudem gibt es im Verein keinen ausgebildeten Trainer. »Natürlich kann man den Stoß oder die Spielabläufe üben«, sagt Frank Schmidt. Auch an der Koordination lässt sich arbeiten, Mentaltraining könne zusätzlich helfen. »Ein Spiel ist auch Kopfsache: Wenn man ein bisschen ängstlich ist oder zittert, geht der Stoß schnell daneben.« Gerade am Anfang lohne es sich, einen Kurs zu besuchen oder sich einen Trainer zu nehmen. »In einem Kurs werden die Fehler abgestellt, die man macht.« So hat der 53-Jährige auch schon an seiner Technik gearbeitet, um besser zu werden. Manche Mitglieder haben zudem einen eigenen Billardtisch und können zuhause trainieren.

Die Vereinsmitglieder können aber auch die Billardtische im Traunsteiner Gasthaus Tommys Kriegenhofer kostenlos nutzen. Ohne Corona treffen sich die PBC-Mitglieder hier jeden Mittwoch, um zu spielen. »Uns geht es in erster Linie um den Spaß«, betont Frank Schmidt. Interessierte können – wenn der Trainingsbetrieb wieder erlaubt ist – »einfach vorbeikommen, sich Billard anschauen und Probe spielen«, rät der Vorsitzende. Dabei geben die Hobbyspieler auch Tipps und Erfahrungen an Neueinsteiger weiter.

»Als kompletter Neuling dauert es etwa ein Jahr, bis man in der Liga mithalten kann«, sagt Frank Schmidt. Vorwissen brauche es dabei nicht – im Verein gebe es immer wieder neue Mitglieder, die dann auch in der Mannschaft mitspielen.

Die Ausrüstung für den Start ist überschaubar: Billard-Queues gibt es im Gasthaus. Wer regelmäßig spielt und sich einen eigenen Queue anschaffen will, muss laut Frank Schmidt mit etwa 500 bis 600 Euro rechnen. »Nach oben sind da natürlich keine Grenzen gesetzt«, meint der PBC-Vorsitzende. Schließlich lässt sich vor allem das Aussehen – das Gewicht eines Billard-Queues liegt bei etwa 19 Unzen – individuell anpassen.

Während einige Mitglieder Billard erst später für sich entdeckt haben, gibt es auch manche, die »in jungen Jahren« schon mal gespielt haben und dann wieder einsteigen – Frank Schmidt hat bereits mit 18 Jahren angefangen und ist seitdem von dem Sport begeistert. »Es macht Spaß, ein Spiel so zu gestalten, wie man es haben will«, erklärt er seine Faszination. »Es ist spannend, welche Physik dahintersteckt, was man mit Effet erreichen kann.«

Weil Billard sich aber »als Sport nicht hervorgetan« habe – und im Gegensatz zu Snooker auch nur selten im Fernsehen zu sehen ist –, sei es nicht so einfach, Nachwuchs zu finden, weiß Frank Schmidt. Die PBC-Mitglieder sind zwischen 30 und 55 Jahre alt, aber auch zwei, drei Jugendliche unter 18 Jahren gebe es.

Zwar schaut sich der Vereinsvorsitzende im Fernsehen auch mal Snooker an oder Übertragungen von Billard-Profis im Internet, viel abschauen könne man sich dabei aber nicht. »Das ist eher eine Motivation, wieder selber zu spielen«, erklärt er. Denn Frank Schmidt ist überzeugt: »Selber zu spielen ist einfach interessanter.«

jom

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