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Viel Training und harte Arbeit

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Mit drei Medaillen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Östersund war Denise Herrmann die erfolgreichste Starterin des Deutschen Skiverbands.

Mit drei Medaillen bei der Biathlon-Weltmeisterschaft in Östersund ist Denise Herrmann die erfolgreichste DSV-Starterin bei den Titelkämpfen gewesen. Die schwedische Biathlon-Hochburg ist für die 30-Jährige ein besonders gutes Pflaster: Vor zwei Jahren holte sie dort ihren ersten Weltcupsieg, damals im Sprint.


»Auf eine Medaille habe ich schon spekuliert, denn die Form hat gut gepasst«, sagt sie rückblickend auf ihre Erfolge bei der WM. Wenn ihr vorher jemand dreimal Edelmetall prophezeit hätte, hätte sie das aber für utopisch gehalten.

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Denise Herrmann zeigt beeindruckende Leistung

Eine beeindruckende Leistung bot die am Stützpunkt Ruhpolding trainierende Sportlerin in der Verfolgung: Nachdem die führende Schwedin Mona Brorsson beim letzten Schießen gleich vier Fehler schoss, nutzte Herrmann die Chance mit einem fehlerfreien Schießen und lief beinahe entspannt zum WM-Titel. Bereits zuvor hatte sie in der Mixed-Staffel Silber errungen und sozusagen als Zugabe noch Bronze im Massenstart geholt.

Ihre Erfolge hat sie vor allem ihren Qualitäten im Laufen zu verdanken. Als ehemalige Speziallangläuferin war sie vor drei Jahren zum Biathlon gewechselt. »Zum Glück kann ich manche Fahrkarte durch mein läuferisches Vermögen ausgleichen«, sagt sie und fügt hinzu: »Die Weltspitze ist so eng zusammengerückt, da muss alles passen. In allen Nationen rührt sich was, die schlafen alle nicht.«

Nach der WM in Östersund ging es für Denise Herrmann und ihre Kolleginnen direkt zum Weltcupfinale nach Oslo. »Da habe ich mich noch einmal richtig motivieren können«, freut sie sich über den 2. Platz in der Verfolgung sowie einen 4. Rang im Massenstart und den 5. Platz im Sprint.

Nach der Rückkehr aus Oslo Anfang der Woche wartete auf Denise Herrmann die nächste Überraschung, eingefädelt von ihrem Lebensgefährten, Langläufer Thomas Wick: »Auf der Fahrt vom Flughafen nach Ruhpolding sind mir plötzlich die Augen verbunden worden. Dann sind wir gefühlt zehnmal durch den Kreisverkehr gefahren und ich wusste nicht mehr, in welche Richtung es ging«, erzählt sie. Kurz vor der Leita Stu'm am Westernberg wurde sie von der Augenbinde befreit und von Freunden, Bekannten, Weggefährten und Familienangehörigen empfangen. »Das war so herzlich, da sind mir die Tränen gekommen«, berichtet Denise Herrmann. »Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke.«

Viel Zeit zum Feiern hat sich die für den WSC Erzgebirge Oberwiesenthal startende Sportlerin aber nicht genommen. Bereits Mitte der Woche ging es zum intensiven Schießtraining und an diesem Wochenende nimmt sie an den Deutschen Langlaufmeisterschaften in Reit im Winkl (siehe Bericht oben) teil. »Das war schon lange geplant, ich wollte unbedingt mit meiner Schwester Nadine im Teamsprint starten. Das hat nie geklappt, weil ich zu dieser Zeit immer noch im Biathlon unterwegs gewesen bin.«

Rückblickend bereut Denise Herrmann den Schritt vom Langlaufen zum Biathlon nicht, obwohl der Umstieg nicht einfach war: »Natürlich bist du als Langläuferin im Vorteil, aber es kommt halt das Schießen dazu. Durch viel Training und harte Arbeit kann man ein gewisses Niveau erreichen.« Nun will sie ihren Anschlag weiter stabilisieren. »Die Kunst ist es, im Wettkampf alles umzusetzen«, weiß die Sportlerin, die seit geraumer Zeit vom ehemaligen Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer gemanagt wird.

»Die Form beim Laufen hat auf Anhieb gestimmt«

In der vergangenen Saison verlief für die 30-Jährige der Einstieg in den Weltcup äußerst zäh. Immerhin konnte sie die Deutschen Meisterschaften ohne Qualifikationsdruck für den Weltcup bestreiten. Dort war ihr ein Startplatz sicher. »Die Form beim Laufen hat auf Anhieb gestimmt, Problem war das Schießen. Erst ab Januar hat es den Formanstieg gegeben«, erinnert sich Denise Herrmann. »Die Jahre zuvor war es immer anders, da haben mir hinten raus bei den Rennen die Körner gefehlt.«

Die Medaillen bei der WM sieht sie deshalb als Belohnung für alles, was sie bisher für ihren Traum investiert hat. Trotz der gestiegenen Aufmerksamkeit um ihre Person verspricht sie aber: »Ich werde mich auf keinen Fall verändern, sondern immer die Denise – wie man mich kennt – bleiben.«

Eine Kampfansage an die Konkurrenz gibt es aber trotzdem. »Eines aber ist sicher: Ich werde im Training noch härter arbeiten, weil mein Anspruch natürlich noch größer geworden ist.« Ihre Planungen gehen auf alle Fälle bis zu den Olympischen Spielen 2022 in Peking und möglicherweise bis zur WM ein Jahr später in Oberhof. »Ich werde genau auf meinen Körper schauen«, betont die 30-Jährige. »Freilich möchte ich später auch eine Familie gründen und Kinder haben«, sagt sie zu ihrer Zukunft.

Mit Kristian Mehringer und Florian Steirer hat Denise Herrmann in dieser Saison zwei neue Trainer bekommen. »Die sind sehr jung und haben sehr gute Arbeit geleistet«, lobt sie. In Ruhpolding fühlt sich die 30-Jährige ausgesprochen wohl. »Ich lebe jetzt schon viele Jahre hier und es gefällt mir sehr gut.« SHu