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Verbissene Kämpfe und ein souveräner neuer Weltmeister

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Harter Kurvenkampf mit Folgen: Hans Weber (links) stürzte, Günther Bauer (innen) wurde disqualifiziert.

Zu einer echten Nervenprobe für Fans und Fahrer wurde das Eisspeedway-WM-Finale in der Inzeller Max-Aicher-Arena. Vor insgesamt rund 10 000 Fans an den beiden Wettkampftagen gab es beim Doppelsieg des neuen Weltmeisters Dimitri Koltakow (Russland) beinharte Duelle um Siege und Positionen, was insbesondere am Samstag (Grand Prix IX) zu zahlreichen Stürzen führte. Hinter Koltakow gab es einen verbissenen Kampf von dreien seiner Landsleute um den zweiten Gesamtrang – den holte sich letztlich Titelverteidiger Daniil Iwanow (153 Punkte) vor Dimitri Khomisewitsch (151) und Igor Konjonow (150).


Alle anderen Piloten strebten entweder den Einzug ins Halbfinale an oder wollten zumindest einige WM-Punkte verbuchen.

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Im GP IX war das deutsche Fahrerquartett Günther Bauer (Schleching), Hans Weber (Schliersee), Stefan Pletschacher (Ruhpolding) und Max Niedermaier (Edling) stark von den Stürzen betroffen, im GP X am Sonntag aber erreichte Günther Bauer (Schleching) das Halbfinale. Für Stefan Pletschacher war sogar nach einem Sturz im GP IX schon Schluss: Er zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu. Das Halbfinale erreichte an beiden Tagen der bärenstarke Franz Zorn (Saalfelden). Je einmal im Halbfinale standen der schwedische Routinier Stefan Svensson sowie dessen Landsmann Daniel Henderson. Am ersten Tag hatte zudem Harald Simon das Semifinale erreicht.

Und genau gegen Harald Simon ging es für Günther Bauer am Sonntag im letzten Vorlauf des Tages um den Einzug unter die besten acht. Bauer hatte zwei Zähler Vorsprung und lag gleichauf mit Steven Svensson, zudem war noch Dimitri Koltakow als Favorit in diesem Lauf dabei. Es ging eng her, und als Bauer knapp vor Simon lag, riskierte der Österreicher in der Fahrerlagerkurve zu viel und stürzte – aus für Simon, Halbfinale für Bauer.

Der konnte sich daher freuen: Nach dem verkorksten Samstag konnte er trotz seiner Blessuren einen Platz unter den besten acht erreichen, auch wenn im Halbfinale Schluss war. Bester Nicht-Russe war Franz Zorn als Gesamtsechster vor Stefan Svensson und Harald Simon. Günther Bauer wurde als bester Deutscher Elfter.

Pletschacher als größter Pechvogel

Leidtragende der vielen Stürze im Grand Prix IX am Samstag waren zu einem großen Teil die heimischen Piloten. Größter Pechvogel des Tages war der Ruhpoldinger Stefan Pletschacher: In seinem dritten Lauf lag er nach gutem Start zunächst auf dem zweiten Platz vor Niedermaier. Der Edlinger zog vorbei, Pletschacher hatte kurz danach einen »Highsider«: Er schlitterte fast die ganze Gerade übers Eis und zog sich einen Schlüsselbeinbruch zu. So war für den Ruhpoldinger die WM vorzeitig beendet. Für ihn hatte die Saison ohnehin unter keinem guten Stern gestanden: Erst eine Lungenembolie in der Vorbereitung, dann ein weiterer Trainingsausfall hatten ihm die Sache erschwert. So gesehen sind der dritte Platz bei der Deutschen Meisterschaft und der 16. Rang in der WM-Gesamtwertung mit immerhin 21 Punkten hoch einzuschätzen. »Ich habe nichts zu verlieren und kann befreit auffahren«, hatte sich Pletschacher trotz Rückenschmerzen noch auf die Rennen in der Max-Aicher-Arena gefreut – und bei seinem zweiten Durchgang auch bewiesen, dass er mithalten kann und zwei Punkte geholt.

Umstrittenes Aus für Günther Bauer

Allerdings hatte dieser Lauf für einiges Aufsehen gesorgt: Nach starkem Start von Hans Weber ging zu Beginn der zweiten Runde Günther Bauer innen vorbei, Weber stürzte. Der Schlierseer flog heftig in die Strohballen ab und blieb eine Weile liegen, Bauer wurde als Sturzverursacher disqualifiziert. Doch auf der Tribüne wirkte die Situation so, wie sie Bauer auch selbst beschrieb: »Ich habe ihn nicht berührt«, beteuerte der Schlechinger. Doch die Schiedsrichter haben ein schweres Amt und trafen ihre Entscheidung gegen den Routinier. Dass Weber zum Wiederholungslauf schon wieder antrat, zeigt, dass er seinen Beinamen »Eis-Hans« durchaus auch in »Eisen-Hans« umändern könnte. Er fuhr vorsichtig und holte sich den einen sicheren Punkt ab. In seinen folgenden Auftritten gab Weber wieder mächtig Gas und war mit sechs Punkten am Samstag bester Deutscher.

Günther Bauer traf das Pech anschließend noch härter. Im nächsten Lauf lag er innen an zweiter Position, wurde aber von zwei Fahrerkollegen weiter nach innen gedrängt. Bauer und Harald Simon stürzten, und der Schlechinger wurde von einem Spike am Fuß getroffen. Beim Wiederholungslauf durften alle vier Piloten wieder antreten, weil der Unfall in der Startkurve geschehen war. Doch Bauer hatte Probleme. »Ich konnte den Fuß nicht mehr richtig heben«, so der 43-Jährige. Er trat zwar mit seinem Ersatzmotorrad an, aber »es lag nicht an der Maschine, sondern am Chauffeur, dass es nicht besser ging.« 0 Punkte waren die Folge. Bauer ließ dann seinen letzten Lauf aus.

Vom Sturzpech betroffen war auch Wildcard-Pilot Max Niedermaier, weil er einmal schon in der ersten Runde zu heftig attackierte. Danach fuhr er zweimal (bis auf die Disqualifikation folgenlos) in die Strohballen. In zwei weiteren Läufen fuhr er beherzt und holte sich drei WM-Punkte. Sensationell trumpfte der Schwede Daniel Henderson auf: Henderson, nach dem WM-Aus des Finnen Mats Järf ins Feld gerutscht, drang sogar ins Halbfinale ein.

Ganz vorne beherrschten aber wieder die russischen Fahrer das Geschehen. Im Finale erwischte Titelverteidiger Iwanow zunächst den besseren Start, doch aus dem engen Vierrerpack kamen in der Startkurve Dimitri Khomisewitsch und Igor Konjonow zu Sturz. Da sie beide fast nebeneinander in die Strohballen »einschlugen«, bangte das Publikum zunächst um sie. Letztlich konnten beide zum Wiederholungslauf antreten, in dem Koltakow knapp vor Iwanow gewann.

Er hatte damit noch einmal dokumentiert, dass er heuer der beste Pilot ist und jubelte entsprechend vor den begeisterten Fans. Denn Koltakow wusste: Er hatte sich damit vorzeitig den WM-Titel gesichert. Dass er am Sonntag wieder den Tagessieg holte, war eine tolle »Dreingabe« ... who