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Urlaub für die Fans und harte Arbeit für die Spieler

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Die Arbeit mit dem Ball steht für die Schalker Spieler in Grassau im Mittelpunkt, so wie hier für Donis Avdijaj (links) und Joel Matip. (Foto: Wirth)

»Joel, ranlaufen – und wenn es nicht geht, spielen«: Immer wieder hallten Jens Kellers Anweisungen über den Platz, und die Spieler waren konzentriert bei der Sache. Beim Training des Champions-League-Teilnehmers FC Schalke 04 im Grassauer Sportpark bekamen die Fans am Freitag das zu sehen, was Jens Kellner schon vor der Ankunft im Achental angekündigt hatte: man werde viel mit dem Ball arbeiten.


Noch bis zum kommenden Mittwoch können die Fans ihre Mannschaft in Grassau beobachten, am kommenden Dienstag steht zudem noch in Kufstein ein Testspiel gegen den englischen Premier-League-Verein Stoke City auf dem Programm.

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Keller ließ immer wieder Kombinationen einüben, Laufwege und taktische Dinge erarbeiten, korrigierte, unterbrach, sprach viel mit seinen Spielern. Und als einer von ihnen unbedrängt einen Fehlpass spielte, rief er: »Mach doch keine Hektik rein.«

Ball schnell weiterleiten

Immer wieder wurde geübt, den Ball möglichst schnell weiterzuleiten – und einen guten Abschluss zu bieten. Als Neuzugang Donis Avdijaj mal wieder eine Situation mit einem schönen Treffer abschloss, scherzte eine Zuschauerin: »He, Giefer, du könntest auch mal einen fangen«. Sofort widersprach ihr ein Bub: »Der Giefer ist ein Guter.«

Überhaupt sind die Schalker Fans derzeit mit ihren Torhütern sehr zufrieden. Lob haben sie für Fabian Giefer, den Neuzugang (kam von Fortuna Düsseldorf), übrig, »aber der Ralf Fährmann hat seine Aufgabe zuletzt sehr gut gemacht«, erinnern sie sich an dessen starke Leistungen in der vergangenen Bundesliga-Rückrunde.

Da zeigte sich die ganze Mannschaft als sehr stark, und so hat nicht nur das Team, sondern auch der Trainer das Vertrauen der Fans gewonnen. Im Grassauer Sportpark waren die meisten der gut 200 Zuschauer in Schalker Vereinstrikots gekleidet. Viele sind extra angereist, um ihrer Mannschaft zuzusehen. Natürlich verbinde man das gerne mit einem Urlaub, »da fährt man auch mal wohin, wo man sonst nicht hinfahren würde«, erklärt ein Fan. Der Verein hat sogar zwei Fanbeauftragte dabei, die immer als Ansprechpartner für die Anhänger da sind.

Und die durften sich dann auch noch über ein intensiveres Trainingsspiel auf verkleinertem Feld freuen, bei dem es richtig flott zur Sache ging.

Zu wenig für die Ausdauer?

Nur Udo aus Lörrach war das nicht intensiv genug: »Die machen viel zu wenig für die Ausdauer«, monierte er. Doch gerade solche Einheiten hatten die Schalker bereits in den ersten Tagen nach der Sommerpause noch im Revier absolviert. Und wer viel mit dem Ball arbeitet, muss auch viel laufen – daher bringen auch diese Einheiten in Grassau wieder einiges für die Kondition.

Ein wenig zurückhalten musste sich bei dieser letzten intensiven Einheit Max Meyer. »Ja, ich hatte heute hinten am Oberschenkel Probleme, das war eine Vorsichtsmaßnahme«, bestätigte das Schalker Eigengewächs im Hotel, dem Golf- und Sportresort Achental. »Ich denke aber, dass es morgen wieder besser geht.«

Auf die Frage, ob er lieber bei der U-19-EM in Ungarn wäre (er hatte mit der U 19 erfolgreich die Qualifikation bestritten) oder in Grassau, antwortete er zurückhaltend: »Klar spielt man gerne in der U-19-Nationalelf. Aber ich freue mich darüber, hier bei meinem Team zu sein. Und darüber, dass die Wertschätzung im Verein so groß ist, dass man mich hier dabei haben will.«

Denn so kann er die komplette Vorbereitung mitmachen und entsprechend besser vorbereitet in die Saison in der Fußball-Bundesliga gehen. Dass er ohnehin schon der U 19 entwachsen und A-Nationalspieler sei, will Meyer nicht so stehen lassen. »Ich habe da gerade mal ein Spiel gemacht, da kann ich mich noch längst nicht Nationalspieler nennen.«

Dass Jürgen Klopp – Trainer des Revierrivalen Borussia Dortmund – über Meyer gesagt hatte, dieser könnte »in wohl 90 Prozent aller Nationalmannschaften sogar Kapitän spielen«, freue ihn zwar als Kompliment, »noch dazu, wenn es so ein guter Trainer sagt.« Aber Ansprüche wolle er nicht stellen, zumal »ich zwar gerne auf dem Platz Verantwortung übernehme, aber nicht der Typ bin, der selbst viel mit den Teamkollegen redet.«

»Mehr Fachbegriffe als sonst«

Ein weiteres Eigengewächs ist der Gelsenkirchener Kaan Ayhan. Dass es am Vortag den Besuch eines Ernährungsberaters gegeben habe, sei zwar interessant gewesen, so der 19-Jährige. »Aber wir hatten schon in der Jugendzeit in jeder Vorbereitung immer wieder solche Vorträge. Jeder ist natürlich für sich selbst verantwortlich, aber wir wissen schon, was wir essen und trinken dürfen«, betonte er. So gab es für ihn nicht zu viele neue Erkenntnisse, aber »mehr Fachbegriffe als sonst«, scherzte er.

Nochmals wurde die gute Stimmung, die in der Mannschaft trotz der harten Arbeit herrscht, in Grassau deutlich. Auch die meisten Fans zeigten sich bester Laune. Stolz sind sie auch auf ihren Verein: »Die anderen gründen Aktiengesellschaften und haben dadurch vielleicht mehr Geld, aber wir sind immer noch ein 'e.V'. und haben unsere Tradition«, betonten sie. who