weather-image
20°

»Um diese Rennstrecke beneiden uns sogar die Amerikaner«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Mit diesem Auto wollen Christopher Haase und seine Teamkollegen am Nürburgring um den Sieg kämpfen. (Foto: Audi)

Autorennfahrer Christopher Haase hat in dieser Saison schon einige hochkarätige Rennen bestritten, doch nun steht für ihn der Saisonhöhepunkt an: Der Kirchanschöringer tritt mit einem Audi von Phoenix Racing beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an.


Dabei kämpfen am Samstag ab 16 Uhr auf der legendären Nordschleife sowie der Formel-1-Strecke rund 200 Teams um den Gesamtsieg sowie die Erfolge in den einzelnen Klassen. Haase hatte sich 2012 mit Phoenix Racing den Gesamtsieg geholt, und aus der damals erfolgreichen Mannschaft hat er auch heuer wieder Markus Winkelhock mit dabei. Hinzu kommen beim Quartett mit dem Audi R8 LMS ultra (Klasse: SP 9 GT3) die ebenfalls sehr erfahrenen Christian Mamerow und Rene Rast.

Anzeige

Gegner aus eigenem Lager

Neben starken Gegnern aus anderen Mannschaften hat man auch Konkurrenz aus dem eigenen Lager, denn Phoenix Racing schickt einen weiteren Audi mit Marc Basseng, Marcel Fässler, Frank Stippler und Laurens Vanthoor auf die Strecke. Basseng und Stippler waren die weiteren zwei Piloten, die 2012 als Teamkollegen von Haase den Triumph beim Langstrecken-Klassiker gefeiert hatten.

Nicht nur wegen seines Erfolges vor zwei Jahren sieht sich Haase gut gerüstet für das Großereignis in der Eifel. Er feierte zuletzt auch bei zwei Rennen in den USA Podestplätze. »Ich bin heuer der einzige Audi-Werksfahrer, der die ganze Serie in den USA bestreitet«, erklärt er. Der 26-Jährige fährt in der Tudor United Sports Car Challenge für das Team Paul Miller Racing, sein Teamkollege ist Bryce Miller, der Sohn des Chefs. Zuletzt gab es beim »Sprintrennen« (»nur« 2:15 Stunden) in Detroit Rang 3.

Spannend ist es für Haase, dass er – mit Ausnahme der Strecke in Daytona – nun in den USA auf lauter für ihn neue Strecken kommt. Da diese erst zum offiziellen Freien Training mit Fahrzeugen befahren werden dürfen, gibt es für Haase nur eine Möglichkeit, die neuen Kurse kennenzulernen: Er muss die Runden zu Fuß abgehen.

»Kaum Auslaufzonen«

Zum anderen freut er sich bei seinen Auftritten in den USA, »dass das fast alles Naturrennstrecken sind. Da gibt es praktisch keine Auslaufzonen, entsprechend muss man konzentrierter sein, um nicht von der Strecke abzukommen«, erläutert er. Und: »Ich kann hier viel Neues lernen. Das ist für mich ein weiterer Schritt nach vorn, auch wenn das Auto 'langsamer« ist.« Das »langsamer« sein hat auch Vorteile: Das GTD-Auto in den USA und das GT3-Fahrzeug in Europa sind nämlich im Prinzip gleich, doch das Auto in der US-Serie hat weniger Abtrieb, kein ABS und keine Traktionskontrolle. »Da ist der Fahrer noch stärker gefordert, das gefällt mir«, freut sich der Kirchanschöringer.

Die körperlichen Anforderungen sind hoch. »Zuletzt in Detroit hatten wir 55 Grad Temperatur im Auto«, berichtet Haase. Umso wichtiger ist die körperliche Fitness.

Diese erarbeitet er sich vorwiegend im Traunsteiner Sportzentrum in Haslach mit seinem Trainer Holger Becker, mit dem er seit fünf Jahren zusammenarbeitet. Da Haase zuletzt meist sechs Tage in den USA weilte und dann etwa zwei Wochen nach Kirchanschöring zurückkehrte, musste man – auch angesichts der Zeitverschiebung (Laguna Seca neun Stunden) – »nach seiner Rückkehr erst einmal länger auf Regenerationstraining setzen«, so Holger Becker.

Radeln am Waginger See

»Nur, wenn er absolut fit ist, kann er sich voll aufs Fahren konzentrieren«, erläutert der Trainer. Zwar versucht er, schon zum Jahresbeginn einen ungefähren Trainingsplan zu erstellen, aber dieser muss häufig im Frühjahr noch angepasst werden, »weil meistens erst dann die Termine und Rennserien feststehen.«

Heuer absolvierte Haase mehr Radeinheiten rund um den Waginger See. Dabei muss er als »Einzelgänger« leben: »Er muss nach einem exakt vorgegebenen Puls fahren. In einer Gruppe ist das fast nicht einzuhalten«, weiß Becker. »Mir macht es trotzdem Spaß, allein zu üben«, so Haase. Mit Becker muss er zunächst den Grundstock mit Krafttraining legen. Hinzu kommen vor allem für die stark beanspruchte Halswirbelsäule spezielle Übungen.

In der unmittelbaren Vorbereitung für den Nürburgring setzte das Duo auf eine Mischung aus Kraft- und Ausdauerübungen, »und natürlich sollte er auch seinen Kopf für das Rennen freikriegen«, so Becker. Bei dem langen Einsatz in der Eifel, bei dem Haase mit seinen Teamkollegen das Auto insgesamt über gut 4300 Kilometer bewegt, soll der Kirchanschöringer perfekt vorbereitet auf die Strecke gehen.

Freude über Landkreis-Ehrung

In den USA, wo die Rennen seiner Serie sehr häufig im Fernsehen zu sehens sind (»das ist dort die GT-Serie überhaupt«), hat er seinen Bekanntheitsgerad mittlerweile schon gesteigert. Ebenso in seiner Heimat, denn »dass ich heuer von der Sportlerehrung des Landkreises eine Urkunde erhalten habe, hat mich riesig gefreut. Teilnehmen konnte ich an der Ehrung nicht, weil ich bei einem Rennen unterwegs war«, so Haase.

Seinen deutschlandweiten Bekanntheitsgrad könnte er mit einer starken Vorstellung am Nürburgring weiter vergrößern. Und so sehr er die Strecken in den USA schätzt, so sehr freut er sich nun auf die Herausforderung in der Eifel: »Um diese Rennstrecke beneiden uns sogar die Amerikaner.« who