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TVT kritisiert die geplante städtische Kostenverteilung

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Er wurde für seine langjährigen Dienste um den Verein geehrt: Rudolf Belser (rechts) ist jetzt Ehrenvorsitzender des TVT. Die Urkunde überreichte ihm sein Nachfolger Otto Baur. (Foto: Wittenzellner)

»Wir sind nach wie vor ein schlagkräftiger Sportverein, ein altehrwürdiger Verein. Das sind wir aber nur deshalb, weil wir uns immer wieder verjüngen.« Das betonte der seit einem Jahr im Ehrenamt befindliche Vorsitzende Otto Baur im Rahmen der Jahreshauptversammlung des TVT, der auf eine stolze und bewegte Geschichte von 155 Jahren zurückblicken kann.


Die TVT-eigenen Hallen mussten ja bekanntlich der Abrissbirne weichen. Die neue sportliche Heimat, die im Bau befindliche Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium ist noch nicht fertig, weshalb man die von rund 50 Mitgliedern besuchte 155. Jahresversammlung im Saal des Vereinshauses durchführte.

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1158 Mitglieder hatte der TVT zum Stichtag 31. Dezember 2018, 1077 davon sind aktive Mitglieder. Weiter sind 72 Fördermitglieder und neun Ehrenmitglieder beim Turnverein, der damit weiterhin der größte Sportverein in der Stadt ist. 476 Jugendliche betreiben in den zehn Abteilungen Badminton, Basketball, Judo, Leichtathletik, Ringen, RSG, Schwimmen, Triathlon, Turnen und Volleyball aktiv Sport – bis hin zu nationalen und internationalen Erfolgen. Er nannte exemplarisch Basketball, Ringen, die Rhythmische Sportgymnastik (RSG) und Volleyball sowie den überregional beachteten Halbmarathon.

»Seit zwei Jahren im Provisorium unterwegs«

Vorsitzender Baur betonte, man sei im zweiten Jahr in einem Provisorium unterwegs. Man habe die beiden Hallen vorzeitig aufgeben müssen, damit der Salinenpark rechtzeitig fertig gestellt werde. »Wir haben das mit der Hilfe der Stadt Traunstein gut hinbekommen. Es hat hervorragend geklappt«, betonte er. Er lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Landratsamt in der Detaileinrichtung der neuen Halle, was auch für die Zusammenarbeit mit der Stadt Traunstein gelte. Er erwarte sich in der neuen Halle »einen richtigen Schub an neuen Mitgliedern«. Er peile als Ziel 1600 Mitglieder an. Baur würdigte die sich verstärkende Bande unter den Abteilungen. »Wir müssen uns noch mehr vernetzen.«

Schatzmeister Dr. Georg Thurmayr ging auf den Jahresabschluss des vergangenen Jahres ein und konnte ein kleines positives Ergebnis in dem Jahr des Umbruchs vermelden, wobei das Zahlenmaterial aufgrund der gänzlich veränderten Hallen- beziehungsweise Gesamtsituation kaum mit den Vorjahreszahlen vergleichbar war. Das Jahresergebnis lag bei 1872 Euro. Er konnte stabile Beitragseinnahmen vermelden, wobei sich der Trend zu zusätzlichen Abteilungsbeiträgen zeigte, mit denen die Abteilungen reduzierte Abteilungsetats aufzufangen versuchen.

Die jährlichen Zuschüsse über 30 000 Euro der Stadt sind durch den Abbruch der früher vereinseigenen Turnhallen weggefallen, der TVT verzeichnet gleichzeitig ein steigendes Spendenaufkommen. Für den Zweckbetrieb Sport wurden rund 25 Prozent weniger ausgegeben. Der vorübergehende Umzug des Vereins in die vor allem von der Ringerabteilung renovierten Gruberhalle schlug mit 35 000 Euro zu Buche, die Stadt hat hiervon rund 26 000 Euro getragen. 28 000 Euro betrugen die Zahlungen für die Übungsleiter, 58 000 Euro wurden für den Sportbetrieb verwandt. »Die aktiven Abteilungen kosten Geld und bringen noch viel mehr« war das Fazit des Schatzmeisters. Daneben stellte er die sozial-gesellschaftliche Komponente des Sports heraus. Von den Rechnungsprüfern gab's ein positives Votum.

Im Haushaltsplan 2019 wurde ein zu erwartender Verlust von knapp 30 000 Euro vorgestellt, der als Einmaleffekt auch mit den Umzugskosten in die AKG-Halle zusammenhängt. Übungsleiterzahlungen sollen auf sieben Euro je Einheit (45 Minuten) auf dann erwartet rund 31 000 Euro erhöht werden, die Abteilungsetats liegen bei 30 600 Euro. Die Mitglieder beschlossen einstimmig die Umsetzung.

Kritik gab es in der Auslegung vertraglicher Vereinbarungen mit der Stadt Traunstein im Zusammenhang mit der Frage nach dem »unentgeltlichen Nutzungsrecht« der Halle. Schatzmeister Thurmayr blickte zurück: Der Verein habe in den Jahren 2013/ 2014 mit der Stadt Traunstein vereinbart, dass der Verkaufserlös des Hallenareals als Beitrag zum städtischen Anteil an der neuen AKG-Turnhalle eingesetzt werde und im Gegenzug ein unentgeltliches Nutzungsrecht über 30 Jahre erhalte.

Die Stadt Traunstein verzichte auf die Weiterbelastung der Kosten für die Wochenendnutzung. 590 603 Euro seien damals geflossen. »Kein Geschenk der Stadt, sondern ein Austauschverhältnis«, so die Position des Vereins. Der TVT habe sich auch in der Folge bereit erklärt, freiwillig vorzeitig aus den Hallen auszuziehen, damit der Salinenpark rechtzeitig zum Salzjubiläum fertig werde.

Vor dem Hintergrund der Gleichstellung aller Vereine in der Stadt, stehe die Stadt Traunstein auf dem Standpunkt, dass der Verein an Wochenenden für die Nutzung aufkommen müsse, für den Anbau, in dem die Ringer- und Judoabteilung trainiere, gelte dies für die gesamte Zeit. Der Verein argumentiert anders: Es könne nicht sein, dass man beim Eigenbeitrag keinen Vergleich mit anderen Vereinen anstelle, bei der Weiterbelastung der Kosten dann aber eine Gleichbehandlung anstrebe. Die Stadt müsse sich an das erinnern, was damals zugesagt worden sei.

Stadtrat Dr. Christian Hümmer gratulierte dem TVT in einer Wortmeldung zu seinen sportlichen Erfolgen. Sportreferent Uwe Steinmetz überbrachte die Grüße der Stadt Traunstein und von Oberbürgermeister Christian Kegel. »Der TVT ist ein Verein mit Charakter«, lobte er den Turnverein. Er sprach sich für eine verstärkte Förderung der Sportvereine aus. Den Vereinen solle geholfen werden, die Mittel sollten erhöht werden, brach er eine Lanze für den Sport in der Großen Kreisstadt.

Turnhalle wird wohl wie geplant fertig

Zum zeitlichen und technischen Sachstand des Hallenbaues betonte Vorstand Baur nach der letztwöchigen Ortsbesichtigung, dass man sich auf die Zusammenarbeit mit dem AKG freue. Zeitlich gehe man weiter von einer Fertigstellung zum neuen Schuljahr im September aus.

Anschließend nahm er die Ehrung langjähriger Mitglieder vor. Einzelne Mitglieder wurden für ihre mehr als fünf Jahrzehnte lange Treue zum Turnverein geehrt. Herausragend war die Ehrung des langjährigen Vorsitzenden Rudolf Belser, der die Vereinsgeschicke in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten leitend mitprägte und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. »Wir können uns freuen, wir sind wirklich Glückspilze«, sagte er mit Blick auf den Hallenneubau.

Für über 60 Jahre wurde Karl Limmer geehrt. 50 Jahre sind Gottlieb Gotzmann, Karl Kellner, Helmut Otillinger und Erika Vitzthum dabei. 25 Jahre gehören Katrin Schützinger und Reinhard Walschwing dem Verein an. awi

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