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Traunstein auf dem besten Weg zum BFV-NLZ

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DFB-Koordinator Peter Wimmer und FIFA-Schiedsrichter Felix Brych waren bei der Kunstrasen-Besichtigung gut gelaunt – das freute natürlich auch die Vertreter des SB Chiemgau Traunstein und der Kommunalpolitik.

Ein anerkanntes Fußball-Ausbildungszentrum in der Region ist der SB Chiemgau Traunstein bereits, doch der offizielle Titel fehlt in der Großen Kreisstadt noch: Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV). Die Chancen, dass der Club diesen attraktiven Titel bekommt – den in der Region nur der SV Wacker Burghausen besitzt – stehen durchaus sehr gut. Deshalb wurde jüngst ein Ortstermin mit Vertretern aus Politik, Verein und Verbänden (DFB und BFV) angesetzt, um den Jakob-Schaumaier-Sportpark etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.


»Traunstein hat eine überwältigende Infrastruktur, die Diskussionen, daraus ein NLZ zu machen, sind absolut berechtigt«, lobt DFB-Koordinator Peter Wimmer die herrliche, topmoderne Anlage, »mit diesem lukrativen Zertifikat wäre auch die Außendarstellung noch besser«. Der Bad Endorfer erklärte jedoch auch, dass man sich auf diesem Titel nicht ausruhen dürfe. »Die Nachwuchs-Leistungszentren werden jährlich evaluiert.«

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Für den TSV 1860 Rosenheim und den FC Dingolfing sei die Konsequenz daraus gewesen, »dass sie den NLZ-Status aberkannt bekamen – nicht von heute auf morgen, sondern nach einem Prozess, der drei Jahre gedauert hat«, so Wimmer. Die Vereine hätten schon die eine oder andere »Verwarnung« bekommen, fügte er hinzu, ehe die Entscheidung zu ihren Ungunsten fiel.

Schiedsrichter Felix Brych begeistert von der Anlage

Begeistert von der Anlage in Traunstein war auch FIFA-Schiedsrichter Felix Brych, kürzlich fast »routinemäßig« für die EM 2016 in Frankreich nominiert. Der 40-jährige Münchner ist beim BFV für Talentförderung und Schiedsrichter verantwortlich. Nicht nur dank seiner hochrangigen Einsätze und internationalen Erfahrung als Unparteiischer konnte er sich schnell ein Bild von der Infrastruktur und den Bedingungen in Traunstein machen. Unumwunden gab er zu, dass es ihm lieber wäre, die SBC-Nachwuchsteams würden in höheren Ligen spielen.

Doch Wimmer erklärte dazu: »Es gibt zwar schon noch Defizite im U-12- und U-13-Bereich, doch ich sehe auch positive Dinge wie etwa die U 19, die ja in der Bezirksoberliga vertreten ist.« Wichtig sei, so der Bad Endorfer, »dass die Sache hier langsam und organisch wächst«. Man wolle in den einzelnen Jahrgängen auf keinen Fall mit überfüllten Kadern agieren.

Außerdem wertete Wimmer die Tatsache als positiv, »dass Traunstein auch ein Torwart-spezifischer Standort ist – und das zusätzlich!« So kommen bereits jetzt mehr als 20 auserwählte Tormänner um bei Ludwig Trifellner (Ex-Bayern-Schlussmann) und dessen Team »eine ideale Ausbildung zu genießen«, sagt Wimmer, »und diese Torleute reisen sogar aus Passau oder München an«.

Auch Trainer und Spieler der umliegenden Vereine könnten von einer Erhebung zum BFV-NLZ profitieren – nicht nur dank der Info- und Übungsabende. »Sie können auch aktiv beim Fördertraining dabei sein.« Sehr wichtig sei, dass der Traunsteiner Nachwuchschef »Lu« Trifellner – übrigens von Wimmer selbst installiert – eine »neutrale Person« sei und nicht aus den SBC-Reihen stamme. »Er wird von mir, also vom DFB, und vom Verein gemeinsam bezahlt, seine Aufgaben sind ganz klar definiert«, meint Wimmer, der auf weitere Honorar-Trainer verweist, die nach demselben Prinzip beim SB Chiemgau engagiert sind.

»Wir legen wahnsinnig viel Wert darauf, dass der Identifikations-Faktor für den Fußball hoch ist. Hier ist auf alle Fälle Manpower da, und die Anlage ist sowieso gigantisch«, bestätigt Wimmer, der im Übrigen mit zahlreichen aktuellen Profis wie etwa Bastian Schweinsteiger in deren Ausbildungsphase eng zusammengearbeitet hat. »Und es hat sich auch nichts geändert, nachdem es einen Wechsel in der Abteilungsleitung (Manfred Wudy löste den zurückgetretenen Rainer Hörgl als Boss ab, Anm. d. Red.) gegeben hat. Das Drei-Säulen-System wird hier sicher sehr gut funktionieren, die Akzeptanz ist in Traunstein nicht auf einzelne Personen aufgebaut«, mutmaßt er. Mit dem Drei-Säulen-System gemeint sind die Politik (beim Ortstermin vertreten durch Landrat Siegi Walch und Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel/beide als sehr sportbegeistert bekannt), der Verein und nicht zuletzt die Verbände (DFB/BFV), die unter anderem in Person von BFV-Cheftrainer Reinhard Klante vor Ort waren. Letzterer hätte durchaus die eine oder andere Idee, wie man künftig die Marke »Chiemgau« noch besser inszenieren beziehungsweise ins Boot holen könnte.

DFB-Koordinator Wimmer lobt alle Beteiligten

Auch die Tatsache, dass Traunstein »ideal als Schulstandort« (Wimmer) sei, bedeute eine sehr gute Basis, um in der Großen Kreisstadt mit Nachhaltigkeit für Verein und Region tätig zu sein – und natürlich in erster Linie für die Stars von morgen, deren Bedingungen nahezu perfekt sein sollen. »Das konzeptionelle Umsetzen scheint in Traunstein ganz hervorragend zu klappen«, lobt Wimmer alle Beteiligten. Mit einer Entscheidung, ob die Große Kreisstadt den Zuschlag – und damit auch den offiziellen Titel »BFV-NLZ« erhält, sei im Frühjahr 2016 zu rechnen. cs

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