Trainer Mehringer hofft auf einen »Ruck« in Ruhpolding

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Er will seine Schützlinge in Ruhpolding zu guten Leistungen »antreiben«: Trainer Kristian Mehringer, hier hinter Janina Hettich. Foto: dpa

Der Auftakt ins neue Wettkampfjahr verlief für die deutschen Biathletinnen nicht nach Wunsch. Nach den schwächeren Ergebnissen beim Weltcup in Oberhof hofft nun ihr Trainer Kristian Mehringer beim Heim-Weltcup in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena auf einen »Ruck«.


Für diesen setzt der Ruhpoldinger darauf, dass Denise Herrmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) aus dem heimischen Stützpunkt wieder zu ihrer Bestform findet. »Konditionell passt es bei ihr, sie ist läuferisch gut dabei. Aber es sind Kleinigkeiten beim Schießen, die bei ihr fehlen. Nun soll sie versuchen, bei ihrer Heimtrainingsstätte wieder an die alte Form anzuknüpfen. Wichtig ist es, dass sie im Kopf klar ist«, weiß er und hofft auf eine Steigerung von einer seiner zwei Leistungsträgerinnen.

Auf die zweite musste er in Oberhof verzichten – und nun auch in Ruhpolding: Franziska Preuß (SC Haag) wird in der Chiemgau-Arena nicht antreten können. Nach ihrer Fußverletzung »läuft zwar alles nach Plan, aber man kann jetzt noch nicht an Rennen denken. Sie hat noch Schmerzen und muss noch Reha am Fußgelenk machen.«

Für die verzögerte Rückkehr ins Wettkampfgeschehen gibt es aber noch einen weiteren Grund: Vor dreizehn Tagen wurde bei der Biathletin eine Corona-Infektion diagnostiziert, von der sich Preuß inzwischen aber soweit erholt hat, dass im Laufe der kommenden Woche erste Belastungstests geplant sind.

»Die ersten Tage war ich ehrlich gesagt schon sehr niedergeschlagen«, erklärte sie. »Aber inzwischen bin ich wieder optimistischer und versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Mein Wunsch wäre es natürlich, dass ich vor Olympia noch Wettkämpfe machen kann. Aber das werden wir im Lauf der Woche entscheiden, was mit Blick auf die Olympischen Spiele sinnvoll ist.«

Auch Mehringer betonte: Ob eine Woche später in Antholz (Italien) ein Einsatz möglich sei, sei noch abzuwarten: »Natürlich sind Wettkämpfe immer gut – aber die oberste Prämisse ist, dass der Fuß in Ordnung sein muss. Zur Not können wir auch beim anschließenden Trainingslehrgang oder in Peking für sie ein Testrennen machen, in dem sie sich das Wettkampfgefühl erarbeiten kann.«

Dadurch, dass es bei seinen zwei Top-Athletinnen nicht nach Wunsch läuft, »wird auf die anderen mehr geschaut. Das ist natürlich schwierig für das Team. Aber wir hoffen, dass wir die Talsohle durchschritten haben und versuchen, positiv nach vorne zu schauen.« Schließlich wolle man sich in Ruhpolding und Antholz gut präsentieren, »um dann mit einem guten Gefühl nach Peking zu fahren.«

Ein »gutes Gefühl« hat Mehringer jedoch auch grundsätzlich für das Heimspiel in der Chiemgau-Arena. 2021 konnte dieses ja nicht stattfinden, »das war sehr schade. Dafür kommen wir jetzt mit Vorfreude nach Ruhpolding. Die Strecken sind sicher top präpariert, und auch das Wetter soll ja mitspielen.«

Das tat das Wetter zuletzt in Oberhof nicht. »Es war nicht immer einfach, besonders mit den Bedingungen am Schießstand – aber das kann uns bei den Olympischen Winterspielen in Peking auch passieren«, will der 40-Jährige die Ergebnisse in Thüringen nicht schönreden. Wobei »Vanessa Voigt sich gut verkauft hat«, lobt er die 24-Jährige, die zweimal Zwölfte geworden war.

Voigt (SV Rotterode) hat wie die drei Stützpunkt-Athletinnen Vanessa Hinz (SC Schliersee), Preuß und Herrmann bereits die komplette Olympia-Norm erfüllt. Sie wird – wie Hinz und Herrmann – auch in Ruhpolding wieder mit von der Partie sein.

Doch die jüngsten Ergebnisse führen auch zu Veränderungen im Kader: Anna Weidel (WSV Kiefersfelden), die sich in Oberhof verletzt hatte, aber auch »zuletzt nicht die gewünschte Form hatte«, soll erst einmal eine Trainingsphase einlegen. Für die in Thüringen ebenfalls nicht überzeugende Janina Hettich (SC Schönwald) ist dagegen in dieser Woche ein Einsatz im IBU-Cup in Osrblie (Slowakei) vorgesehen. »Sie soll sich dort ihr Selbstvertrauen – vor allem im Schießen – wieder holen«, berichtet Kristian Mehringer.

Daher gibt es zwei Nachrückerinnen aus dem bisherigen IBU-Cup-Team: Marion Deigentesch (SV Oberteisendorf) und Hanna Kebinger (SC Partenkirchen) machten zuletzt mit guten Ergebnissen auf sich aufmerksam und bekommen nun die Chance, sich auf höchster Leistungsebene zu präsentieren. »Man darf von ihnen natürlich nicht zu viel erwarten. Aber sie sollen ihre Chance bekommen. Außerdem wollten wir durch die Wechsel einmal etwas Bewegung in das System bekommen«, erläutert der Leitende Disziplintrainer der deutschen Damen.

Schon zuvor aufgerückt war ja Franziska Hildebrand (WSV Clausthal-Zellerfeld/Stützpunkt). Sie hatte im Verfolgungsrennen von Oberhof (von Rang 46 auf 30) die 14. Nettozeit, in Hochfilzen (von 37 auf 21), die 13. Nettozeit erzielt. Auch wenn dies beim DOSB nicht als offizielle Erfüllung der Olympia-Norm zählt, haben die Trainer sie durchaus im Blick, wenn es um die endgültige Olympia-Nominierung geht. »Wir warten aber noch die nächsten zwei Wochen ab«, verweist Mehringer auf die anstehenden Weltcups.

Wobei in Antholz »auch nicht alle, die für Olympia geplant sind, noch einmal laufen werden«, erwägt das Trainerteam auch in der kommenden Woche Veränderungen am Kader.

Klar ist: Nach dem Weltcup in Südtirol geht es für diejenigen, die Olympia-Chancen haben, in Antholz mit einem Trainingslager in die unmittelbare Vorbereitung auf Peking. Diese werden voraussichtlich »sechs bis sieben Athletinnen mitmachen.« Damit will man für kurzfristige Ausfälle gerüstet sein, ehe dann (nach derzeitigem Stand) fünf Sportlerinnen am 31. Januar die Reise nach China antreten dürfen.

Dort steht am 5. Februar als Auftakt die Mixed-Staffel auf dem Programm, am 7. Februar der Einzellauf der Damen. Darauf will sich das deutsche Team möglichst perfekt vorbereiten. Hilfreich wäre es dabei, sich schon in Ruhpolding mit guten Ergebnissen Selbstvertrauen zu erarbeiten. Dann könnten alle Beteiligten tatsächlich mit »einem guten Gefühl« nach Peking fliegen ...

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