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Toninelli und Mayr die Favoriten

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Laufprofis und Hobbysportler werden auch heuer am Start des Hochfelln-Berglaufs sein, der am Sonntag um 10 Uhr beginnt. (Foto: Weitz)

Der Hochfelln-Berglauf am letzten Sonntag im September ist für viele Bergläufer der Höhepunkt der Saison – trotz Welt- und Europameisterschaft oder Grand Prix. Zum 39. Mal steht dieser am Sonntag auf dem Programm, und eigentlich ist es (fast) wie immer: Dem Organisator Georg Anfang ist es wiederum gelungen, Weltklasseleute zu verpflichten, zum Teil per Handschlag wie zuletzt bei der Europameisterschaft in Italien, wohin der Bergener OK-Chef extra gereist war, um seine »Schäflein« zu verpflichten.


So wie immer ist es auch bei den heimischen Läufern und Läuferinnen, die um den Titel des Inn/Chiemgau-Meisters kämpfen. Sie melden zwar oft sehr spät, am Ende ist doch immer eine stattliche Anzahl von den heimischen Athleten an der Talstation der Seilbahn am Start, wenn um 10 Uhr mit einem Böllerschuss der Start zu diesem ältesten deutschen Berglauf gegeben wird.

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Dass der Italiener Antonio Toninelli mit der Startnummer 1 auf die 8,9 km lange Strecke gehen darf, hat für Anfang einen plausiblen Grund und ist auch ein Brauch wie (fast) immer: Jene Dame oder Herr, die als Topfavoriten gelten, erhalten diese »Auszeichnung«, die man einerseits als Vorschusslorbeer ansehen kann, andererseits aber auch als Bürde, die schon manchem auf den 1074 Höhenmeter nicht gut bekommen ist. Davon kann auch der Neuseeländer Jonathan Wyatt ein Lied singen, obwohl dieser mit dem Streckenrekord von 40:34,9 Minuten und insgesamt acht Siegen (einschließlich der WM 2000) der erfolgreichste Hochfelln-Bergläufer ist. Da kann auch der Italiener Marco de Gasperi nicht mithalten, der in der am Hochfelln eher verpönten Bergauf/Bergab-Disziplin mehrmaliger Weltmeister wurde. Dass der Vorjahresdritte Toninelli (Jahrgang 1984) aus dem Valle Brembana in Anfangs Augen der Topfavorit bei den Herren ist, hat vielleicht seine Ursache im Versagen des Italieners bei der diesjährigen WM, als er weit abgeschlagen ins Ziel kam und Anfang versprochen hatte, diesen Lapsus am Hochfelln wieder gutzumachen. »Wyatt ist aber immer noch für einen Platz auf dem Siegertreppchen gut«, warnt Anfang vor dem inzwischen 40-jährigen Neuseeländer mit Wohnsitz in Italien, den er nicht zu Unrecht als den weltbesten Bergläufer bezeichnet und mit dem ihn seit dessen erstem Hochfelln-Start 1998 eine Freundschaft verbindet.

Neben Toninelli und Wyatt zählen Marco de Gasperi, Andrzej Dlugosz (Polen), Robert Krupicka (Tschechien), Vorjahressieger David Schneider (Schweiz) zu den bekanntesten Teilnehmern und auch zu den Anwärtern auf einen Platz unter den Top Ten.

Andrea Mayr Topfavoritin

Bei den Damen ist die Wienerin Andrea Mayr wieder einmal die Nummer 1 – nicht nur auf dem Trikot, sondern auch von der erwarteten Leistung her, denn sie hält den Streckenrekord mit 47:28,2 Minuten und bringt als Empfehlung vier WM-Titel mit, auch den von diesem Jahr. Ob ihr andere den Sieg schwermachen können, ist die Frage. Zweifellos zählt die Italienerin und Frau von Jonathan Wyatt, die Skilangläuferin Antonella Confortola, zu den Anwärterinnen aufs Treppchen. Gespannt sein darf man auf die 17-jährige Julia Lettl aus Spiegelau im Bayerischen Wald. »Vo nix kimmt nix«, steht auf dem Mannschaftskombi der Lettl-Familie, die sich professionell der Laufszene verschrieben hat. Die Eltern Josef und Ingrid, Sohn Matthias und Julia »sorgen für Aufsehen, wo immer sie am Start auftauchen«, weiß Georg Anfang. Er nennt auch die Erfolge von Julia: Silber und Junioren-Bronze mit der Mannschaft bei der WM in Italien, Platz 6 beim hochrangig besetzten Grand Prix in Mayerhofen mit überlegener Bestzeit bei den Juniorinnen. Das Treppchen am Hochfelln hat sie also im Blick.

Unter den Top Ten bei den Damen darf man auch die Traunsteinerin Waltraud Berger von der TG Salzachtal erwarten, die im Vorjahr Siebte wurde und heuer ebenso gemeldet hat wie Paula Mangold-Wolf vom PTSV Rosenheim, wohnhaft in Reit im Winkl. Waltraud Berger, die mit 59:26,1 Minuten den Damen-Kreisrekord hält, ist damit auch Titelverteidigerin und Favoritin für die Inn/Chiemgau-Meisterschaft. Bei den Herren war 2011 John Mooney vom PTSV Rosenheim mit 46:19,2 Minuten der schnellste einheimische Läufer und damit Kreismeister. Der bekommt es mit einer Reihe von starken Konkurrenten zu tun, die zum Teil Leistungssportler in anderen Disziplinen sind, wie dem Skisport. Die Mitglieder der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft machen sich rar wie immer, was spätestens im kommenden Jahr nicht der Fall sein wird, denn da ist der Hochfelln Schauplatz der Deutschen Meisterschaft, wie Georg Anfang erst vor wenigen Tagen offiziell mitgeteilt wurde. Für viele ist der Hochfelln-Berglauf aber in erster Linie ein Kampf gegen die Uhr, wobei eine Stunde für viele eine wichtige Marke ist. »Die meisten sehen diese Herausforderung unter dem olympischen Gedanken, sie orientieren sich mehr an ihren persönlichen Bestzeiten«, so Anfang.

Für ihn geht am Sonntag eine Ära zu Ende, denn der seit der Gründung 1965 an der Spitze des Skiclubs stehende Funktionär wird bei der Hauptversammlung im November nicht mehr kandidieren und den Platz an der Spitze des Clubs für Dr. Jürgen Schmid frei machen. Dass der SC Bergen aber auch künftig ein »SC Anfang« sein wird, dafür sind die Weichen auch schon gestellt, denn der »Bibi« soll als Geschäftsführer weiterarbeiten – und dann wird es zumindest beim Hochfelln-Berglauf trotzdem so sein wie (fast) immer… Hans Helmberger