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Toni Doppler und sein Team zaubern das »Inzeller Sahneeis«

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Eisschnelllauf-WM in Inzell
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Der Chef der Inzeller Eismeister: Toni Doppler hat mit seinem Team rund um die Einzelstrecken-Weltmeisterschaften im Eisschnelllaufen in der Max-Aicher-Arena jede Menge zu tun. (Foto: Max-Aicher-Arena)

Er ist der entscheidende Mann, wenn es um den glatten Untergrund in der Inzeller Max-Aicher-Arena geht. Toni Doppler ist der Teamleiter der Eismeister und dafür zuständig, dass die Sportler aus aller Welt ein perfektes Eis unter ihren Kufen haben. 16 Jahre macht Doppler den Job jetzt schon. Insgesamt sind fünf Eismeister für den reibungslosen Betrieb auf der 400-Meterbahn und auf dem Eishockeyfeld zuständig. Ab Donnerstag stehen sie besonders im Mittelpunkt, denn dann beginnt in Inzell die Einzelstrecken-WM im Eisschnelllaufen.


»Das A und O ist unser gutes Team«, hebt der 54-Jährige hervor. »Wir unterstützen uns gegenseitig und es läuft alles harmonisch.« Für ein gutes Eis ist aber noch einiges mehr notwendig. »Eine richtige Formel gibt es nicht. Es braucht einfach ein gutes Gespür dafür. Wir wollen den Sportlern im Training und im Wettkampf immer das optimale Eis bieten. Das ist unser Anspruch«, sagt Doppler.

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Inzell ist für sein gutes Eis seit über 50 Jahren in der ganzen Welt bekannt. »Unsere Messlatte ist sehr hoch, das hat auch was mit unserer Mentalität zu tun. Dazu sind wir sehr flexibel. Wenn die Bahn manchmal sehr beansprucht wird, fahren wir auch mit zwei Eismaschinen, um optimale Bedingungen zu schaffen«, erklärt Eismeister Doppler.

Für die Eisbereitung wird mineralisiertes Wasser verwendet, das ist weltweit Standard. Das sogenannte Osmosewasser wird von sämtlichen anderen Stoffen befreit. Das System unter der Eisbahn ist vergleichbar mit einer Fußbodenheizung. Nur, dass in den Rohren kein warmes Wasser ist, dort verdampft Ammoniak, das durchläuft, die Wärme entzieht und die Bahn dadurch vereist. Bis zu dreieinhalb Zentimeter beträgt die Eisdicke. »Bei Wettkämpfen haben wir eine Mischung aus Kälte auf der Bahn und Wärme in der Halle. Da ist jeder von uns quasi sein eigener Koch bei der Eisbereitung. Langjährige Erfahrung und Feingefühl sind gefragt«, sagt Doppler.

In der Regel herrschen in der Halle maximal zehn Grad, während der WM ist es aber etwas wärmer. So bringen etwa allein schon die rund 5000 Besucher einiges an Wärme in die Halle und geben diese auch ab. Das alles hat Einfluss auf die Beschaffenheit des Eises – und wird auch eine der Herausforderungen für das Team der Eismeister während der Titelkämpfe werden. Schmunzeln muss Doppler über den Begriff »Inzeller Sahneeis«, der oft in den Medien verwendet wird. »Darüber freuen wir uns natürlich, aber erst in den Nachberichten. Vorher wollen wir uns damit nicht unter Druck setzen lassen.«

Am meisten freuen sich die Inzeller Eismeister aber über das Lob der Sportler. Ob Hollands Superstar Sven Kramer oder Claudia Pechstein – sie bedanken sich immer bei den Männern um Toni Doppler. »Die kommen alle zu uns und gehen davon aus, dass wir ihnen immer bestes Eis bieten.«

Dass es die Inzeller in Sachen Eismachen draufhaben, weiß seit vielen Jahren die ganze Welt. 1992 waren die Eismeister bei den Olympischen Spielen in Albertville vor Ort. Eine Europameisterschaft in Budapest retteten sie vor dem »Absaufen« bei plötzlich eintretenden hohen Temperaturen. Auf Empfehlung von Eisspeedway-Pilot Günther Bauer hat Doppler sogar einmal nach Almaty/Kasachstan fliegen müssen, damit die dortigen Rennen ohne Probleme stattfinden konnten.

In guter Erinnerung hat der Inzeller Eismeister auch noch die Freiluftbahn im damaligen Ludwig-Schwabl-Stadion. »Da hatten wir im Herbst Laub auf der Bahn. Auch Regen, Schnee und Sonneneinstrahlung waren immer ein Thema. Täglich mussten wir den Wetterbericht verfolgen. Die Kälteanlagen sind meistens volle Pulle gelaufen. Das gibt es in der Halle nicht mehr.«

Nach der Weltmeisterschaft gibt es für Toni Doppler und seine Mitstreiter aber kaum Zeit zum Entspannen. Dann heißt es, sich vorbereiten auf die Eisspeedway-WM im März. Da werden rund 45 000 Liter Wasser benötigt, um eine Eisdicke von bis zu 17 Zentimeter herzustellen. »Das ist dann ganz ein anderes Eis. Es darf nicht zu hart sein. Ich will es mal so beschreiben: Das ist so, als wenn man über ein schönes Tanzparkett mit genagelten Schuhen herumtrampelt. Aber Eisspeedway gehört wie Eisschnelllaufen zu Inzell und ist eine Traditionsveranstaltung«, so Doppler.

Nach dem Eisspeedway heißt es dann rasch abtauen. Denn in der Max-Aicher-Arena gehen im April dann die Taekwondo-Weltmeisterschaften über die Bühne. Diese Sportler hätten mit einem kalten und rutschigen Untergrund wohl wenig Freude. SHu

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