Stützpunkte mit mehr Leben füllen

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Reinhard Hogger aus Anger wird künftig als »Vizepräsident Sport« die leistungssportliche Entwicklung im Bayerischen Ringer-Verband vorantreiben.

Als aktiver Sportler begeisterte Reinhard Hogger aus Anger die heimische Ringerszene: In der Saison 2003/04 avancierte der heute 40-Jährige zum statistisch besten Ringer des SC Anger. Seine Serie von zwölf Siegen in 14 Kämpfen sowie seine spektakulären Erfolge gegen den späteren WM-Dritten und Europameister Jarkko Ala-Huiku und den dreimaligen Deutschen Meister Ismail Baygus sorgten für großes Aufsehen. Vor 14 Jahren hängte der Ringer dann verletzungsbedingt seine Karriere an den Nagel, übernahm die Stelle des Sportlichen Leiters und leitete anschließend die Ringer-Abteilung des SC.


Nun widmet er sich Neuem und wurde in den Vorstand des Bayerischen Ringer-Verbands (BRV) gewählt. Dort möchte er nun als Vizepräsident Sport die leistungssportliche Entwicklung im BRV vorantreiben. Vor welchen Herausforderungen er in seinem neuen Ehrenamt nun steht, erzählt er in einem Gespräch mit unserer Redaktion.

Herr Hogger, wie kommt man zu einem solchen Amt im Bayerischen Ringer-Verband?

Über den neuen BRV-Präsidenten Florian Geiger aus Deggendorf, dessen Bruder Christopher zu Bundesliga-Zeiten als aktiver Ringer in Anger unter Vertrag stand. Er war in den letzten beiden Amtsperioden Vizepräsident Sport und fragte mich schon vor ein paar Jahren, ob ich mir vorstellen könnte, seine Nachfolge anzutreten, würde er irgendwann einmal zum Vorstand aufsteigen. BRV-Präsident Manfred Werner gab sein Amt nach 16 Jahren nun ab und Florian Geiger wurde neu gewählt.

 

Sie sind seit vier Jahren Abteilungsleiter der Ringer-Sparte im SC Anger…

Hier muss ich aber gleich einhaken und ein wenig ausholen: Den Vorstandsposten beim SC Anger gebe ich bei der Jahreshauptversammlung am Freitag auf. Dass ich für das Amt beim BRV kandidieren werde, wurde bereits vor zwei Jahren konkret. Mit dem Verein habe ich das von Anfang an offen kommuniziert: Sollte ich tatsächlich gewählt werden, gebe ich die Abteilungsleitung ab. Weil es immer um einen Gewissenskonflikt geht: Einerseits schauen, was für den eigenen Verein das Beste ist, andererseits den sehr viel weiteren Blick, welche Vorgaben der Verband zu erfüllen hat, nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Wie viel Zeit müssen Sie denn für das neue BRV-Amt investieren?

Es ist nicht der Riesen-Aufwand, im Schnitt zwei bis drei Stunden pro Woche – das wird mal weniger, mal deutlich mehr sein, wenn beispielsweise eine Sichtung in Nordbayern auf dem Programm steht.

 

Hatten sie schon als Ringer im Kopf, nach der Karriere möglicherweise eine Funktionärslaufbahn einzuschlagen?

Schwierig zu sagen, ob so etwas planbar ist. Ich sah mich, wenn überhaupt, eher als Trainer. Doch das meiste im Leben ergibt sich halt dann doch eher zufällig. Ich war jedenfalls nie darauf aus, irgendwelche Ämter zu übernehmen, ich wurde immer gefragt und habe es dann auch gemacht – und es machte mir immer großen Spaß. Eine Zeit lang habe ich auch als Trainer gearbeitet, im Schülerbereich, und teilweise bei den Erwachsenen ausgeholfen. Mein »Problem« dabei war, das alles zeitlich mit Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

 

Zurück zum BRV: Eine so junge, frische Führung wird sicher einiges vorhaben?

Wir sind zunächst mal ein Leistungssportverband. Die Ligen sind dabei eher Nebenschauplätze. Weil wir grundsätzlich dazu da sind, »richtige« Kader-Athleten zu generieren. Um diese über den Landes- und den Bundeskader in die Nationalmannschaft zu bringen. Dabei passt die Ligastruktur, wie sie in Deutschland praktiziert wird, nie richtig in deren Wettkampf-Vorbereitung. Unsere Aufgabe wird zunächst sein, die leistungssportliche Entwicklung im BRV voranzutreiben. In dieser Frage sind wir an die Förderstrukturen des DOSB gebunden.

 

Sie haben zweimal den Begriff »Struktur« benutzt: Wie ist der Ringsport in Bayern aufgestellt und organisiert?

Bayern ist ein Flächenstaat, darum ist es für Randsportarten hier schwieriger. Normalerweise hat jeder Sportfachverband seinen Bundesstützpunkt, an dem die jeweiligen Leistungssportler trainieren. Jener des BRV befindet sich in Nürnberg. Geografisch ist das für uns in Anger und viele andere Vereine natürlich zu weit entfernt. Man kann nicht eben mal an einem Abend über 300 Kilometer einfach zu einer Trainingssichtung fahren. Deshalb wurde schon vor zwei Jahren eine Stützpunkt-Struktur geschaffen. Das heißt: Mit Ausnahme von Franken, weil dort ja der Bundesstützpunkt ist, bekam jeder der weiteren fünf bayerischen Bezirke einen Landesstützpunkt zugeordnet. In unserem Bezirk Inn-Chiem wurde das zum Glück Anger – weil wir, schauen wir uns den Zuständigkeitsbereich von Burghausen bis Berchtesgaden an, relativ zentral liegen.

 

Woran haperte es Ihrer Meinung nach in der jüngsten Vergangenheit, was wollen Sie explizit verbessern?

Die Landesstützpunkte laufen aktuell unterschiedlich gut. Teilweise fehlt es an der nötigen Kommunikation. Die hauptamtlichen BRV-Trainer geben teils zu wenig Rückmeldungen, was sie sich vorstellen. Teils erhalten sie aber auch selbst viel zu wenig Feedback, die Probleme der Bezirke und deren Vereine betreffend. Darauf wird nun erst mal mein Hauptaugenmerk liegen.

 

Wie wollen Sie das angehen?

Wir wollen unsere Landesstützpunkte mit Leben füllen. Die regelmäßige Teilnahme am Stützpunkttraining ist beispielsweise Voraussetzung für die Nominierung zu einer Deutschen Meisterschaft. Ich denke an die Möglichkeit, das Stützpunkt-Training innerhalb eines Bezirks »wandern« zu lassen, damit sich die Fahrstrecken für die einzelnen Trainer und Athleten ein wenig ausgleichen. Und wir wollen die Hauptamtlichen mehr fordern.

 

Was muss noch verbessert werden?

Wir müssen uns besser vernetzen, mittels einer einfachen Kommunikationsstruktur von »oben« nach »unten« und umgekehrt. Denn es ist klar, dass alle Bezirksvorstände verstärkt mit ins Boot geholt werden wollen. Wenn es also Probleme in einem Verein gibt, soll sich dieser nicht, wie früher, sofort an den BRV wenden, sondern erstmal den Zwischenschritt über seinen Bezirksvorstand gehen. Denn somit können sich die Bezirke vorab verständigen, ob es irgendwo ähnliche Probleme gibt, und diese schließlich gebündelt an den BRV weitergeben. Im Umkehrschluss soll das natürlich auch seitens des Verbands so laufen.

Hans-Joachim Bittner

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