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Starker Saisonabschluss nach schwierigem Start

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Lohn für eine gute Saison: Stützpunkt-Athletin Karolin Horchler mit der Trophäe für den Gesamtsieg im IBU-Cup.

Zum Saisonende mischte sie mitten in der Weltklasse mit: Biathletin Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld) vom Stützpunkt Ruhpolding. Sie holte sich beim Weltcupfinale in Tjumen (Russland) Rang 11 im Sprint, lief in der Verfolgung auf Rang 5 vor und wurde Achte des Massenstarts.


Qualifiziert für diesen Weltcup hatte sie sich als Gesamtsiegerin des IBU-Cups 2017/18 – der »Zweiten Liga« des Biathlonsports. Dass sie zum Ende einer kräftezehrenden Saison noch so auftrumpfen konnte, »liegt einfach daran, dass ich mir in den vergangenen Jahren eine gute Basis erarbeitet habe. Außerdem tue ich sehr viel für eine gute Regeneration.«

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»Tjumen ist ein gutes Pflaster für mich«

Der Wettkampfort in Sibirien hat für sie zudem eine besondere Bedeutung: »Ja, Tjumen ist ein gutes Pflaster für mich«, bestätigt die 28-Jährige. Denn 2016 hatte sie bei der Europameisterschaft am gleichen Wettkampfort Silber im Sprint und in der Verfolgung geholt – im Sprint übrigens hinter ihrer Schwester Nadine.

Einen guten Rückhalt hat Karolin Horchler durch ihren Arbeitgeber, die Bundeswehr. »Dort hat man auch gute Möglichkeiten, nach der Karriere etwas zu machen«, weiß sie. Allerdings gibt es während der Karriere nur Zeitverträge. Als Horchler einmal ganz aus dem DSV-Kader herausgefallen war, war sie auch ein Jahr ohne Bundeswehr-Anstellung. »Da haben mir meine Sponsoren geholfen. Aber das war alles nicht so einfach. Wege zum Arbeitsamt, Krankenversicherung etc. gehörten in diesem Jahr dazu«, erinnert sie sich.

Doch sie ließ sich von diesen Rückschlägen nicht beirren, kämpfte weiter. Diesen Kampfgeist brauchte sie auch in dieser Saison wieder. Zum einen, weil für sie – nach Rang 3 in der Gesamtwertung des IBU-Cups 2016/17 – zunächst »nur« im DSV-Förderkader Platz war. Das heißt, man ist nicht bei den zentralen Trainingslehrgängen der Topsportler dabei.

Noch schlimmer: Im Juni streifte sie beim Skirollern auf einer Straße in Ruhpolding ein Lastwagen. Das Schultergelenk war gebrochen. »Ich habe zwar die Schulter erst einmal geschont und viel Reha gemacht, aber ich konnte mich Schritt für Schritt zurückkämpfen«, so Horchler. Nach gut acht Wochen ging es richtig aufwärts. Dennoch wurde die Zeit knapp: Denn wer nicht schon für Weltcup oder IBU-Cup gesetzt ist, muss sich erst einmal bei den Deutschen Meisterschaften einen Platz dafür (und für die späteren Lehrgänge) erkämpfen.

Das gelang. Bis auf die Lehrgänge hatten Horchler und Nachwuchsathletin Marion Deigentesch (SV Oberteisendorf) am Stützpunkt bis zum Herbst gemeinsam mit den fünf Weltcup-Athletinnen – Denise Herrmann (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), Vanessa Hinz (SC Schliersee), Maren Hammerschmidt (SK Winterberg), Franziska Hildebrand (WSV Clausthal-Zellerfeld) und Franziska Preuß (SC Haag) – bei Stützpunkttrainer Tobias Reiter trainieren können. Haupt-Ansprechpartner danach war für Horchler der für das IBU-Cup-Team zuständige Trainer Remo Krug (Inzell), der für sie auch eine Art Heimtrainer ist.

Die sichere Schützin hatte zwar schon in den vergangenen Jahren Erfolge im IBU-Cup und einzelne Einsätze im Weltcup verbucht, doch hatte sie läuferisch noch zu großen Abstand zur absoluten Weltspitze. In Absprache mit Krug »haben wir mein Programm individuell angepasst.« Mit Erfolg: »Ich habe schon das ganze Jahr über gemerkt, dass es vorwärts geht. Und wenn man das spürt, bringt das Selbstbewusstsein und macht natürlich auch viel mehr Spaß.«

Beim Weltcup-Auftakt hatte sie mit Rang 19 beim Einzellauf in Östersund (Schweden) ein gutes Ergebnis erzielt. Dass es wegen der starken deutschen Konkurrenz – nur sechs Athletinnen dürfen im Weltcup antreten, neben den fünf »Ruhpoldingerinnen« war dies Doppel-Olympiasiegerin Laura Dahlmeier (SC Partenkirchen) – zunächst »nur« im IBU-Cup weiterging, bedauert die 28-Jährige. »Ich hätte mich schon gerne noch öfter gezeigt« – denn mit guten Ergebnissen wäre eventuell sogar ein Platz bei den Olympischen Spielen 2018 drin gewesen.

Olympia 2022 in Peking als neues großes Ziel

So ist das neue Ziel, sich für Olympia 2022 in Peking zu qualifizieren. Die Voraussetzungen scheinen gut. Sie hat am Stützpunkt Ruhpolding eine starke Trainingsgruppe und »die Basis passt. Es ist immer noch möglich, sich zu steigern, da kann man noch an kleinen Stellschrauben drehen«, hofft sie auf eine weitere läuferische Verbesserung für die Zukunft.

Im Schießen passt es ohnehin: Bei den drei Rennen in Tjumen verfehlte sie bei insgesamt 50 Schuss nur zweimal das Ziel – eine Trefferquote von 96 Prozent. Das ist absolut top – und Top-Ergebnisse möchte Karolin Horchler am liebsten auch 2022 in Peking verbuchen ... Walter Hohler