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Starke zweite Hälfte lässt für WM 2021 hoffen

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Sie kann mit ihrer vergangenen Saison zufrieden sein: Skilangläuferin Nadine Herrmann vom Stützpunkt in Ruhpolding. (Foto: D. Berchtold)

Einige Punkte im Weltcup, sogar die Rolle als »Covergirl« des Sprint-Weltcups in Dresden und insgesamt positive Auswirkungen einer Operation – Skilangläuferin Nadine Herrmann (Bockauer SV) vom Stützpunkt in Ruhpolding kann insgesamt auf eine erfreuliche Saison zurückblicken. Zugleich bleibt für sie die Heim-Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf als Motivation im Blick.


»Es hat sich alles sehr positiv herausgestellt«, bilanziert sie ihre erste Saison nach einer Operation wegen des chronischen Compartment-Syndroms. »Ich habe mich zwar erst an die ganze Sache gewöhnen müssen, aber ich habe gleich gemerkt, dass es besser lief«, freut sich die 24-Jährige darüber, dass sie praktisch beschwerdefrei trainieren und Wettkämpfe absolvieren konnte. Zunächst sei sie erst bei 95 Prozent gewesen – möglicherweise auch noch etwas verunsichert – ehe sich auch im Kopf etwas verändert habe. »Ich bin in der zweiten Saisonhälfte beschwerdefrei durchgekommen, und ab Januar kam fast ein Erfolgserlebnis nach dem anderen.«

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Der einzige echte Rückschlag war der Weltcup am vorletzten Januar-Wochenende in Oberstdorf, als sie im Sprint-Prolog als 52. die Finalläufe der besten 30 relativ klar verpasst hatte. »Da hatte ich ein bis zwei schwere Wochen, weil ich kurz davor einen kleinen Infekt unterdrückt hatte, weil ich meine Weltcup-Chance unbedingt wahrnehmen wollte. Auch materialtechnisch war an diesem Tag nicht alles optimal, und wenn zwei bis drei Kleinigkeiten nicht stimmen, dann wird es halt auch nichts.« Schon eine Woche danach lief es an gleicher Stätte mit dem DM-Titel im Sprint (Skating) und DM-Bronze über 5 km in klassischer Technik wieder deutlich besser.

Bereits zuvor hatte der erste große Saisonhöhepunkt ein Erfolgserlebnis gebracht. Nach guten Leistungen beim Alpencup in Campra (Schweiz) hatte Herrmann beim Sprint-Weltcup in Dresden mitmischen dürfen. Unweit ihrer Heimat im Erzgebirge war sie auch als »Gesicht« des Weltcups auf den Werbeplakaten zu sehen gewesen. So war es ihr Ziel, »den Langlauf nach außen positiv darzustellen und das Finale zu erreichen.« Beides klappte.

Ihre Rolle als »Titelmodell« habe ihr »schon viel Aufmerksamkeit eingebracht, aber der 'mediale Stress' war nicht sehr groß. Ich habe das eher als Motivation gesehen.« Die Stimmung unter den Zuschauern »war heuer wohl mit am besten, seit es den Sprint-Weltcup in Dresden gibt«, zeigt sie sich begeistert.

Weltcup-Punkte holte sie mit Rang 24 (Aus im Viertelfinale) ebenfalls, »auch wenn ich prinzipiell gerne unter die Top 20 gelaufen wäre. Aber das Teilnehmerfeld wird auch jedes Jahr stärker.« Besonders schön war die Nähe zu den Fans, zumal ja »auch Familie und Freunde da sind. Da konnte ich die Stimmung schon mehr genießen« – und ihre Eltern auch in den Pausen ständig sehen.

Im Teamsprint erreichte sie mit ihrer Stützpunkt- und Trainingskollegin Alexandra Danner (SC Lenggries) Rang 19. »Ich war mit meiner Leistung zufrieden. Für Alex war es ihr erster Weltcup überhaupt, dafür hat sie es gut gemacht«, lobt sie.

Hier sei die Stimmung sogar noch beeindruckender als beim Einzel gewesen. »Da ist die Strecke länger, und man läuft öfter an den Fans vorbei. Man ist ja sehr nah an den Zuschauern.« Und: Beim Teamsprint seien auch die Pausen länger, und es sei »cool, wie die Leute zwischen Prolog und Finals unterhalten werden.« Nach Oberstdorf hatte die 24-Jährige zunächst nicht mehr auf weitere Weltcup-Einsätze hoffen können. Doch dank guter Folgeleistungen ging's doch noch auf höchster Wettkampfebene weiter.

Als 31. in Lahti (Finnland/10 km KT) verfehlte sie nur hauchdünn die Weltcuppunkte, wenige Tage später lief's in Drammen (Norwegen) noch besser: Mit Rang 22 (Sprint FT/19. Prolog) verbuchte sie wieder ein starkes Ergebnis. Beim Weltcup-Finale in Oslo (Norwegen) »durften schon keine Zuschauer mehr da sein, und wir haben uns gefragt, ob das noch sinnvoll ist.« Danach war vorzeitig Schluss, doch es wären ohnehin nur noch Wettkämpfe in Deutschland (Continentalcup und DM lange Strecken) auf dem Programm gestanden.

Daher traf sie das verfrühte Saisonaus nicht zu sehr. Denn nach dem Winter wird zunächst ohnehin reduziert trainiert, und »es gibt jetzt halt viele Videokonferenzen unter anderem mit den Wissenschaftlern, dem Bundestrainer und den Heimtrainern. Da geht es auch schon um die Planungen für die kommende Saison.«

Trainieren könne man ohnehin relativ gut: »Laufen kann man immer noch, und man kann viel machen, wenn man kreativ ist.« So könne man auch die Wohnung (»und bei gutem Wetter auch den Balkon«) in Ruhpolding zum Kraftraum umfunktionieren. »Man kann auch mal ein paar Milchpackungen oder Wasserflaschen in den Rucksack packen«, lacht sie – oder andere Dinge aus dem Haushalt nutzen.

Vorbereitung geht bald schon wieder los

So sieht sie die verkürzte Saison sogar eher als Chance für das nächste Jahr. Nun könne sie schon ab etwa 20. April wieder richtig loslegen mit den Vorbereitungen. Selbst wenn die geplanten Lehrgänge in Norwegen (Juni) oder Schweiz (August) wegfielen, könne man daraus Vorteile ziehen: »Erstens haben wir ja in Oberhof die Skihalle und viele Laufbänder und könnten auch dort einen guten Lehrgang machen. Zweitens ist es für uns Sportler auch vielleicht gar nicht so schlecht, längere Zeit konstant daheim an unserem Stützpunkt zu trainieren. Da hat man eine gute Kontrolle darüber, was man gemacht hat und wo man steht.«

Ihre Weltcup-Starts in dieser Saison sind ein Ansporn für die Zukunft. »Ich hätte gerne noch mehr solche Erlebnisse gehabt«, bekennt sie. Auch, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln, »denn es ist nicht leicht, wenn man selten bei Weltcups am Start ist.« Mit ihren Leistungen in diesem Winter hat sich Nadine Herrmann schon für mehr Weltcup-Einsätze empfohlen – und das wiederum könnte auf dem Weg zur Heim-WM helfen. who

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