Standortbestimmung an den Drei Zinnen

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Extrem-Bergläufer Hannes Namberger freut sich auf den Saisonauftakt in Italien. Ein konkretes Ziel hat er sich aber nicht gesteckt. (Foto: Philipp Reiter)

Auf seinen ersten Wettkampf in diesem Jahr musste Hannes Namberger zwar länger als gewöhnlich warten, nun geht die Saison aber auch für den Ruhpoldinger Extrem-Bergläufer los – in der langen Vorbereitungszeit sieht der 32-Jährige dabei sogar einen Vorteil: »Das ist mal ganz gut, sonst bin ich immer von der alten Saison in die neue 'reingefallen'. Deshalb bin ich nicht traurig, dass es erst Ende Juni losgeht.«


Drei Monate später als sonst – am 25. Juni – startet er bei seinem ersten Langstreckenrennen in diesem Jahr, dem Lavaredo-Ultra-Trail in Italien. Auf der Strecke mit 120 Kilometern und 5800 Höhenmetern kämpft der Ruhpoldinger rund um die Drei Zinnen um eine gute Platzierung.

»Ich will besser sein als letztes Jahr«

Der Wettkampf in Italien wird auch eine Standortbestimmung für die Teilnehmer, die während der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen trainieren und auf Wettkämpfe verzichten mussten. »Ich weiß nicht genau, wer alles kommt und wie die anderen in Form sind«, sagt Hannes Namberger. »Ich denke, dass jeder gut trainiert hat. Es geht sicher niemand mit einer schlechten Vorbereitung an den Start.« Der Ruhpoldinger hat sich für den Auftakt und die Saison dennoch keine konkreten Ziele gesteckt. »Ich will besser sein als letztes Jahr«, sagt er. »Mein Ziel ist es, am Tag des Wettkampfs die optimale Leistung abzurufen und das Beste aus Kopf und Körper herauszuholen.«

Besonders auf den Kopf kam es auch schon in der langen Vorbereitungszeit an. »Jedes Training ist auf ein Ziel ausgerichtet, aber ich hatte über Monate kein Ziel«, erzählt der Bundespolizist. »Man muss trotzdem jeden Tag trainieren, auch wenn die Motivation im Keller ist – aber das geht ja vielen so.« Schließlich sollen die fehlenden Wettkämpfe nicht als Ausrede gelten. »Man muss beim ersten Rennen perfekt in Schuss sein.«

Die Zeit ohne Wettkämpfe hat der Ruhpoldinger genutzt, um die Bereiche zu trainieren, »die man sonst ein bisschen vernachlässigt« – deshalb standen bei ihm besonders Krafttraining und Fahrradfahren auf dem Programm. »Im Winter eben ganz viel auf der Rolle«, sagt der Bergläufer, der in seiner Freizeit zudem viel auf Skiern unterwegs war. Durch die Wettkampfpause habe er auch mehr Ruhe gehabt – »es gab keine Verpflichtungen und keine Medientermine«, sagt Hannes Namberger. So habe er sich fokussiert vorbereiten können. Dass er seit Oktober auf eine Vorbereitung im Ausland verzichten musste, hat ihn dabei nicht gestört. »Ich kann auch zu Hause gut trainieren – in die Berge, langlaufen und Skitouren gehen. Da kann ich mich nicht beschweren.«

Dennoch wurde der Bundespolizist ausgebremst: Im April stoppte eine Blockade im Rücken die Vorbereitung. »Ich musste zur Physiotherapie, mich dehnen, Yoga und Stabilisationsübungen machen«, berichtet der 32-Jährige. »Aber so eine Verletzung gehört zu meinem Sport fast dazu und jetzt habe ich sie für diese Saison schon abgehakt«, sagt er und lacht.

Die Vorfreude auf das erste Rennen ist deshalb umso größer: »Der erste Wettkampf wird auf jeden Fall spannend.« Das gilt nicht nur für die sportlichen Ergebnisse, sondern auch für die Rahmenbedingungen mit Tests und Isolation im Hotel. »Aber das nimmt man gerne in Kauf«, sagt Hannes Namberger. Schließlich ist das letzte Kräftemessen mit den anderen Bergläufern schon eine ganze Weile her.

Deshalb ist der Ruhpoldinger froh, dass die Planung für die Saison nun steht. »Die Aussicht auf ein Ziel gibt einen Kick, ich zähle die Tage und bin jeden Tag motiviert.« Hannes Namberger freut sich aber nicht nur, weil Trailrunning im Ausland zum Teil einen deutlich höheren Stellenwert als in Deutschland genießt und Sportveranstaltungen dort deshalb »ganz gut durchgezogen« werden – insgesamt sieht der Ruhpoldinger ein steigendes Interesse am Laufsport. »Für unsere Sportart ist das positiv«, meint er. »Viele Leute haben jetzt mit dem Laufen angefangen. Das ist ein Sport, den man immer machen kann. Man ist dazu nicht auf einen Pool oder ein Stadion angewiesen und man verbindet Sport und Bewegung an der frischen Luft.« Auch in den Bergen seien immer mehr Leute unterwegs.

Weltmeisterschaft ist »eine Option«

Bei den Extrem-Bergläufen macht sich das aber noch nicht bemerkbar. Schließlich sind die Ultra-Trails nichts für Anfänger: Hannes Namberger geht Ende Juli beim Großglockner-Ultra-Trail über 110 Kilometer und 6500 Höhenmeter an den Start, bevor Ende August sein Saisonhöhepunkt ansteht: der Ultra-Trail Mont Blanc. Dabei startet der Ruhpoldinger auf der Strecke mit 170 Kilometern und 10 000 Höhenmetern. Zudem ist die Weltmeisterschaft Mitte November »eine Option« für ihn. Allerdings muss er dafür erst die Qualifikation schaffen, denn die Vorjahresleistungen zählen nun nicht mehr.

Der 32-Jährige gibt sich dabei aber wie bei seinen Saisonzielen zurückhaltend – er will jetzt erst mal schauen, wie die nächsten Monate laufen: »Ich will noch nicht zu weit in die Zukunft blicken«, betont er. »Mein Fokus liegt jetzt auf den nächsten sechs Wochen, die will ich genießen.«

jom

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