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Staffel-Silber als Krönung einer Saison mit Höhen und Tiefen

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Große Freude über Silber in der Staffel herrschte bei (von links) Denise Herrmann, Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler. (Foto: dpa) Foto: dpa
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Das Ziel fest im Blick: Karolin Horchler, hier beim Weltcup in Ruhpolding. (Foto: Hohler)

»Ich will bei den letzten Weltcups noch einmal angreifen«: Das hatte sich Biathletin Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld) aus dem Stützpunkt Ruhpolding nach der Weltmeisterschaft in Antholz (Italien) vorgenommen – und das klappte. Zwar folgten auf die Titelkämpfe wegen des Coronavirus nur noch zwei statt drei Veranstaltungen, aber dort hielt sich die 30-Jährige gut: Mit der Staffel gab es in Nove Mesto (Tschechien) den dritten Platz, und im Sprint von Kontiolahti (Finnland) wurde Horchler sogar Zwölfte.


Das war in diesem Winter ihre beste Weltcup-Saisonplatzierung in einem Einzelrennen. Bei der WM hatte sie Rang 13 im Massenstart und Rang 15 im Verfolgungslauf (23. Sprint) erkämpft. »Das war schon super, dass ich meine bis dahin besten Saisonleistungen bei der WM gezeigt habe«, freut sie sich.

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Noch besser: Als Krönung kam für sie Silber in der Staffel mit ihren Stützpunkt-Kolleginnen Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Denise Herrmann hinzu. In der Staffel allerdings »war ich als Startläuferin schon etwas nervöser als sonst. Beim Stehendschießen haben die Beine schon etwas gezittert«, erinnert sich die 30-Jährige. Die Folge: Nach einem Nachlader im Liegendschießen gab's deren drei im Stehendanschlag. Doch alle drei Nachlader brachte sie ins Ziel, und so vermied Horchler eine Strafrunde.

Als sie an Hinz übergab, »sah das von der Platzierung her nicht so toll aus. Aber viele andere Nationen hatten ihre Topleute auf die Startposition gestellt, und der Abstand nach vorn war nicht so groß«, weiß sie. 1:10,0 Minuten – und damit nur gut 30 Sekunden auf die später siegreichen Norwegerinnen – betrug der Rückstand auf Italiens Lisa Vittozzi, deren Kollegin Dorothea Wierer das Team ebenfalls vorn hielt – und letztlich mit Rang 10 leer ausging. Anders die Deutschen, die immer weiter nach vorn rückten und schließlich Silber holten.

Dabei hatte es zunächst in Richtung WM-Teilnahme nicht gut ausgesehen. Horchler hatte sich zwar direkt für das Weltcup-Team qualifiziert, doch als es bei den ersten Rennen nicht nach Wunsch lief, ging es in den IBU-Cup. Davon beeindrucken ließ sie sich nicht. Denn zum einen »ist ja der IBU-Cup keine Schande, zum anderen wusste ich, dass die Tür nicht zu ist, wenn die Leistung wieder da ist.« Und Rückschläge gut zu verkraften, »das prägt mich schon seit Jahren.« Überhaupt war das Team im Dezember wegen schwächerer Ergebnisse in die Kritik geraten – insbesondere die Damen. »Aber ich achte nicht darauf, was da geschrieben wird. Wir hatten ja auch alle versucht, die Schießzeiten zu optimieren, und hatten deshalb eine gewisse Anlaufzeit nötig. Das war ein Risiko, aber zum Saisonhöhepunkt hat es gut geklappt.« Horchler hatte auch im läuferischen Bereich eine gewisse Trainingsumstellung – auch diese »hat sich letztlich bewährt.«

Mit guten Vorstellungen in der »Zweiten Liga« des Biathlons sicherte sich die Stützpunkt-Athletin die Rückkehr in den Weltcup. Diese erfolgte passenderweise vor heimischer Kulisse in Ruhpolding. Dort beeindruckte die 1,71 Meter große Athletin wieder mit ihrem Kampfgeist: Kurz nach dem Staffel-Start geriet sie mit einer Kontrahentin ins Straucheln, doch sie lief unbeeindruckt weiter und schoss auch gut. Als sie dann im Verfolgungslauf von Rang 38 auf 17 vorgestürmt war, ahnte sie schon, dass es mit der WM-Teilnahme klappen könnte. Schließlich waren nur drei Sportlerinnen direkt qualifiziert, »und ich wusste, dass ich von den Nicht-Qualifizierten insgesamt die besten Ergebnisse hatte.«

So kam sie zu ihrer zweiten WM-Teilnahme – und zugleich zu ihren ersten WM-Starts. Denn im Vorjahr in Östersund (Schweden) hatte sie dem deutschen Team angehört, aber tatenlos zusehen müssen. Eine hilfreiche Erfahrung, wie sie bestätigt. »Ja, das hat mir auf jeden Fall geholfen. Ich habe viel gelernt und mir viel angeschaut und wusste jetzt schon, wie es bei einer WM abläuft.« Außerdem sei Antholz »ein richtig geiles Stadion«, entsprechend groß war die Vorfreude. Zumal bis auf das jüngste Team-Mitglied Janina Hettich (SC Schönwald) ja alle Teamkolleginnen aus dem Stützpunkt stammten. »Wir sind alle das ganze Jahr gemeinsam unterwegs«, sagt sie – und bezieht damit auch die Herren mit ein.

»Wir sind alle ein Team« – was auch dadurch dokumentiert wurde, dass bei allen WM-Siegerehrungen immer alle – ob Aktive oder Betreuer – aus dem deutschen Team gemeinsam dabei waren. Dass es bei den Herren in Italien nicht so gut lief wie bei den zuvor »schwächer« eingeschätzten Damen, habe wenig Bedeutung. »Sie haben alle ihr Bestes gegeben, es haben (trotz mehrerer Top-Ten-Platzierungen, d. Red.) nur die Einzelmedaillen gefehlt.«

Aus ihrer vorjährigen WM-Ersatzrolle konnte Horchler auch Hettich – diese bestritt ein WM-Rennen – Mut zusprechen: »Ich habe ihr gesagt, das ist doch ein großer Erfolg, dass du dabei bist. Und sie hat ja auch noch viele Jahre vor sich«, weiß Horchler über die 23-Jährige. Horchler selbst hat im Normalfall mindestens noch zwei Jahre ihrer Sportkarriere vor sich. »Ich denke zwar von Jahr zu Jahr, aber natürlich sind die Olympischen Spiele 2022 ein Ziel.« Und eines, das angesichts ihrer Leistungssteigerung im Saisonverlauf durchaus realistisch erscheint. who

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