weather-image
12°

»Sprung über die Klippe« nach starkem Saisonstart

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Am Schießstand zeigte sie sich auch bei der WM in Pokljuka gut in Form: Maren Hammerschmidt vom Stützpunkt Ruhpolding. Foto: dpa

Biathletin Maren Hammerschmidt trotz erstklassigen Trainings mit der Saison nicht zufrieden – Olympische Spiele als großes Ziel.


»Das habe ich mir deutlich anders vorgestellt«: Biathletin Maren Hammerschmidt (SK Winterberg) vom Stützpunkt Ruhpolding ist mit ihrer vergangenen Saison nicht zufrieden – und das, »obwohl wir wirklich auf Weltklasseniveau trainiert haben.«

Anzeige

Dabei hatte sie in dieser Saison einen »Super-Einstand nach schweren Jahren« erwischt: Beim Weltcup in Kontiolahti (Finnland) überzeugte die 31-Jährige als Zwölfte des Einzellaufs und als Neunte des Sprints. Damit hatte sie auf Anhieb die WM-Qualifikation geknackt. »Da dachte ich, dass ich wieder da bin, wo ich hin will – zumal ich heuer super durch die Vorbereitung gekommen bin.«

»Ab dem Januarlief es sehr zäh«

Aber bereits »ab dem Januar lief es sehr zäh. Doch es ist schwer, da mitten in der Saison etwas zu ändern: Da bräuchte man eine längere Trainingsphase dafür« – und die gibt's eben zwischen den Wettkämpfen nicht mehr. Auch die direkte WM-Vorbereitung sei in dieser Hinsicht zu kurz. Man könne in diesen gut zwei Wochen »zwar noch an Feinheiten arbeiten und etwas fürs Selbstvertrauen tun«, grundlegende Probleme seien jedoch in dieser Zeit eben nicht zu lösen. So kam die Angehörige des Zoll-Skiteams bei den Titelkämpfen in Pokljuka (Slowenien) nur im Einzellauf zum Einsatz, bei zwei Strafminuten belegte sie letztlich mit 4:20,7 Minuten Rückstand den 34. Platz.

Auch hier hatte sich Hammerschmidt im Schießen gut präsentiert, doch läuferisch hakte es. Unter anderem dank der Zusammenarbeit mit dem neuen Schießtrainer Engelbert Sklorz (Ruhpolding) »habe ich mich im Schießen sehr verbessert – und damit zum Teil meine Rennen gerettet«, bilanziert sie. So hatte die Hessin unter anderem noch beim zweiten Sprint in Oberhof (Rang 17) sowie im Sprint von Nove Mesto (Tschechien/20. Platz) jeweils mit fehlerfreiem Schießen gepunktet. Ihre Trefferquote in Einzelrennen betrug in dieser Weltcup-Saison fast 87 Prozent. Die Dauerbelastung der langen Saison sei für sie kein Problem, das hatte die Staffel-Weltmeisterin von 2017 schließlich schon in zahlreichen Wintern so durchgemacht.

»Ich habe in der Vorbereitung viel auf Intensität gesetzt – auch viel in der Höhe – und viel probiert. Anscheinend war das manchmal einen Tick zuviel«, vermutet die 31-Jährige. »Das können auch nur zwei bis drei Einheiten sein, die dazu führen, dass im Laufe der Saison der 'Sprung über die Klippe' kommt. Dabei war das Training Weltklasse«, betont sie. Schließlich »muss man ja auch hart trainieren, wenn man etwas erreichen will.« Zumal gerade in den vergangenen drei bis vier Jahren das läuferische Niveau im Weltcup-Feld enorm gestiegen sei, ebenso wie die Leistungsdichte.

»Ich habe viel gelernt und denke, dass ich daraus mit dem Trainerteam die richtigen Schlüsse ziehen kann«, zeigt sich Hammerschmidt optimistisch. »Ich bin sehr dankbar, dass ich mit Kristian Mehringer und Florian Steirer so ein tolles Trainerteam habe, das mich immer unterstützt hat. Und wir konnten über alles ganz offen diskutieren.« Sie glaube nun, »dass wir einen guten Weg für die Zukunft gefunden haben. Es ist aber schon etwas schade, dass ich mit 31 Jahren noch so ein Lehrjahr brauche«, schmunzelt sie.

Erleichterung, dass es Wettkämpfe gab

Überhaupt zeigt sich Hammerschmidt erleichtert darüber, dass die Wettkämpfe wie geplant stattfinden konnten. »Wir sind mega-happy, dass wir die ganze Saison laufen konnten. Die IBU hatte ein Super-Hygienekonzept. Zwar war es etwas mehr Stress, und die Fans haben uns extrem gefehlt, ebenso, wie beim Heim-Weltcup (diesmal nur in Oberhof) die Unterstützung durch die Familie – aber besser so als gar nicht.« Die Erleichterung sei groß, »schließlich haben wir beim Saisonauftakt in Kontiolahti einen 'Streifschuss' abbekommen«, erinnert sie da-ran, dass in Finnland einige Teams ganz oder teilweise wegen positiver Tests auf einen Start verzichten mussten.

Viele der Hygieneregeln seien den Biathleten ohnehin schon seit jeher vertraut: »Das Händedesinfizieren war bei uns immer so, auch, dass wir besonders ab dem Herbst Menschenansammlungen meiden und Abstand halten.«

Zunächst steht nun für die 31-Jährige eine ruhigere Zeit an. Nach ein paar Tagen »Schneeverlängerung« in ihrer zweiten Heimat Ruhpolding »werde ich auch eine Woche Heimaturlaub machen. Schließlich habe ich meine Familie seit Weihnachten nicht mehr gesehen.« Gar nicht besuchen konnte sie sogar im vorigen April das rumänische Tierheim, dessen Tierschutzprojekt sie schon seit vier Jahren unterstützt. Nun hofft sie, dass das in diesem Jahr wieder klappt.

Ab Mai geht es darum, sich für den kommenden Winter intensiv vorzubereiten. Trotz aller Enttäuschung über die sportlichen Rückschläge im vergangenen Winter: Hammerschmidt weiß auch, dass dieser trotzdem schon ein wichtiger Schritt nach vorn war. Schließlich hatte sie nach der Weltcup-Saison 2017/18 (421 Punkte/16. Gesamtplatz) die folgende Saison wegen einer OP am Innen- und Außenband des linken Sprunggelenks komplett verpasst. Im Winter 2019/2020 musste sie sich bei ihrem »Neustart« im Wettkampfgeschehen erst wieder an sämtliche Abläufe gewöhnen, wurde Gesamtzehnte des IBU-Cups und durfte dank guter Leistungen dort auch bei vier Weltcup-Stationen mitmachen.

Heuer ging es bereits konstant im Weltcup zur Sache (164 Punkte/43. Platz), in der nächsten Saison soll ein weiterer Schritt nach vorn folgen. Das Ziel ist klar: Maren Hammerschmidt möchte bei den Olympischen Winterspielen 2022 dabei sein – und das »natürlich auch mit Einsätzen.« Besonders wünscht sie sich dabei einen Start in der Staffel – schließlich bietet diese auch die höchste Wahrscheinlichkeit, Edelmetall zu erringen. who

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein
Einstellungen