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»Special Olympics«: Medaillenregen für Lokalmatadore

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SOD-Präsidentin Christiane Krajewski übergab bei der Abschlussfeier die Fahne an Thomas Hermann, Bürgermeister von Hannover. Dort finden im Juni die Sommerspiele der »Special Olympics« statt. Inzells Bürgermeister Hans Egger schaute zu. (Fotos: Mergenthal)

Grund zum Jubeln hatten die heimischen Athleten bei den »Special Olympics« in Inzell, regnete es doch unzählige Medaillen auf die Lebenshilfe Traunstein, die St.-Valentinschule Ruhpolding und die Wilhelm-Löhe-Schule in Traunreut herab. Aber auch wer sein Bestes gegeben und nicht gewonnen hatte, durfte sich freuen. Gestartet und gewertet wird bei diesen Spielen für Menschen mit geistiger Behinderung in homogenen kleinen Gruppen, sodass jeder die Chance zu siegen hat. Bei den bewegenden Siegerehrungen in Inzell wurde immer jeder Athlet auf die Bühne gerufen. Dem einen wurden Siegerschleifchen und dem anderen eben Medaillen überreicht.


Auch die Einzelerfolge waren beachtlich

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Die größte Delegation bildete die Lebenshilfe Traunstein mit 26 Athleten, darunter 20 Langläufer und sechs Alpin-Skifahrer. 30 Medaillen, davon 13 Mal Gold, zehnmal Silber und siebenmal Bronze, waren die stolze Bilanz. Besonders spannend wurde es bei den 4 x 1000-Meter-Mixed-Staffeln. Mit Stefan Ziegler, Josef Oberhuber, Max Kurz und Mike Helminger holte eine der drei Lebenshilfe-Staffeln Gold.

Trotz Handicaps – Josef Oberhuber kann zum Beispiel nicht sprechen, kann sich aber geschickt mit Gebärden und Gesten ausdrücken und trainiert wöchentlich in der Sport-Spiel-Gymnastik-Gruppe – zeigten die Ausdauer-Sportler erstaunliche Leistungen und ein begeistertes sportliches Engagement, das auch die Zuschauer mitriss. Eine zweite Staffel holte Silber und eine dritte machte den vierten Platz.

Auch die Einzelerfolge waren beachtlich. Mit Gold gekrönt wurden beim Langlauf Claudia Hailer (100 Meter), Tobi Straßhofer (50 und 100 Meter), Steven Schörnig (500 und 1000 Meter) und Mike Helminger (500 Meter). Bei den Alpin-Skifahrern standen der Traunsteiner Werner Lamminger und der Trostberger Florian Arnold beim Riesenslalom ganz oben auf dem Siegertreppchen. Der Inzeller Lokalmatador Stefan Birnbacher, eines der drei »Gesichter der Spiele«, schaffte sein bestes Ergebnis, Bronze, im Slalom.

Fast gleich viele Starter, nämlich 25, stellte die insgesamt 34-köpfige Gruppe der St.-Valentinschule. Die zwölf Langläufer, neun Alpinfahrer und vier Schneeschuhläufer brachten ganze 37 Medaillen heim, 13 Mal Gold, 15 Mal Silber und neunmal Bronze. Beim Schneeschuhlauf ersprinteten sich Thanee Tewes (800 Meter) und Markus Umlauf (200 Meter) Gold. Das Alpin-Team war stark bei den kleinen Bögerln mit gleich vier Slalom-Goldmedaillen: Nico Hinze, Johannes Krutzenbichler, Juliana Hofmann und Alica Zipfer. Beim Ski-Cross war Lukas Hieke Schnellster seiner Gruppe. Markus Steinhauer aus Inzell wurde im Riesenslalom beim Heimrennen Zweiter. Sechs Goldmedaillen machten die Langläufer. Ein einsames Rennen, kräftig angefeuert von Betreuern und Freunden, bestritt mit viel Ausdauer auf der 5000-Meter-Strecke der ehemalige Schüler Mathias Gasteiger aus Schleching, der seit eineinhalb Jahren mit viel Freude in einer Reit im Winkler Zimmerei arbeitet. Gleich zweimal Gold holte Stefan Nothegger (1000 und 3000 Meter) und je eine Goldmedaille Sophia Abröll (500 Meter), Milica Schungel und Sebastian Philipp (beide 1000 Meter). Die beiden Staffeln mussten sich mit Platz fünf begnügen.

Die acht Athleten der Wilhelm-Löhe-Schule Traunreut jubelten neben dem Staffel-Silber für Uli Haindl, Denny Macuacua, Tobias Osl und Dominik Weiß über zwei Goldmedaillen (Kevin Remsperger und Randy Baumgärtner), eine Silber- und eine Bronzemedaille im Einzel-Langlauf. Auch viele (ehemalige) Spitzensportler nahmen Anteil an den Spielen. So eröffnete Evi Mittermaier aus Reit im Winkl, ehemalige Deutsche Meisterin, mit einer Skiabfahrt die Alpin-Rennen.

Zur Abschlussfeier tanzten Teilnehmer der St. Valentinschule bayerische Volkstänze. Spätestens als Athlet James Richardson aus Wals zur Gitarre eine selbst geschriebene Version von »We are the Champions« sang und allen zurief »Wir sind alle Gewinner, es gibt keine Verlierer!«, gab es kein Halten mehr. James ist auch ein ehemaliger Schüler der St. Valentinschule und stolz auf seine Arbeitsstelle am Walser Bauhof seit 2013. Zu den »Special Olympics«-Sommerspielen in München 2012 fuhr er übrigens mit dem Radl.

2000 Besucher nutzten das wettbewerbsfreie Angebot

Nachdem ein letztes Mal die Hymne gesungen wurde, übergab Bürgermeister Hans Egger die Fahne an Christiane Krajewski, Präsidentin von »Special Olympics« Deutschland (SOD). Diese reichte sie weiter an Thomas Hermann, Bürgermeister der Stadt Hannover, wo im Juni die Sommerspiele stattfinden. Beim Ausklang mit der Athletendisco rockten alle zu Hits wie »Skifoan« von Wolfgang Ambros. Auch mit dem Echo der Bevölkerung – allein 600 Schüler besuchten die Spiele am letzten Tag und 2000 Menschen nahmen am wettbewerbsfreien Angebot teil – sind die Organisatoren mehr als zufrieden.

Das Bayerische Fernsehen überträgt heute um 17 Uhr eine Zusammenfassung der »Special Olympics« aus Inzell. vm