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»Sicherheit ist das A und O«

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Thomas Christofori (links) und Hermann Feil sind in der Chiemgau-Arena für die Organisation und die Sicherheit am Schießstand zuständig.

Wenn in diesen Tagen die weltbesten Biathleten in der Chiemgau-Arena um Siege, Weltcup-Punkte und Olympia-Startplätze kämpfen, wollen sie optimale Bedingungen vorfinden. In sportlicher Sicht ist dabei neben einer gut präparierten Loipe in erster Linie ein reibungsloser Ablauf am Schießstand zentral. Für diesen sorgen Thomas Christofori (Chef Schießstand) und Hermann Feil (Schießleiter) gemeinsam mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfern.


Pro Rennen über 70 Helfer am Schießstand im Einsatz

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»Während des Rennens haben wir am Schießstand rund 60 Mann in Bewegung«, berichtet Feil. Hinzu kommen sechs bis zehn Helfer an der Strafrunde, die ebenfalls zum Schießstandbereich gehört, einige Kehrer, die die Matten vor den Schießbahnen von Schnee befreien, und Boten für den Strafrundenabgleich. Das Gros des Schießstandpersonals ist während des Wettkampfs mit der Überwachung und Protokollierung der Schießeinlagen der Biathleten an den 30 Schießbahnen beschäftigt.

Für jeweils drei Schießbahnen gibt es einen »Drücker«. Dieser sitzt rund sechs Meter hinter dem Schützen und ist mit einem elektronischen Gerät ausgestattet, mit dem er am Scheibenkasten die Scheibengröße (Stehend- oder Liegendschießen) einstellen und Daten zur jeweiligen Schießeinlage erfassen kann. Kommt ein Biathlet zum Schießen an eine der drei betreffenden Schießbahnen, hält der zuständige »Drücker« mittels seines Gerätes fest, um welche Art Schießen es sich handelt, welcher Athlet (Startnummer) schießt sowie wann die Schießeinlage begonnen und beendet wurde. Die aus letzterem ersichtliche Schießzeit ist insbesondere für die Trainer und die Fernsehübertragung von Bedeutung.

Schießt ein Biathlet versehentlich auf die Scheiben der Nachbarschießbahn (»Crossfire«), ist es Aufgabe des »Drückers«, ihn darauf aufmerksam zu machen. Ist der Nachbarschießstand zur gleichen Zeit belegt, soll der »Drücker« zudem per Stoppuhr die Zeit festhalten, die der Biathlet verliert, auf dessen Scheiben fälschlicherweise geschossen wurde. Er erhält nach dem Rennen eine Zeitgutschrift.

Prinzip der dreifachen Sicherheit im Weltcup

Neben den zehn »Drückern« gibt es 30 Schießstandschreiber, die jeweils für eine Schießbahn zuständig sind und die Schießreihenfolge sowie die Treffer bzw. Nichttreffer protokollieren. Um mögliche Fehler sofort zu bemerken, behalten zudem zehn Gesamtschreiber jeweils drei Schießbahnen im Auge und protokollieren das Geschehen dort. »Im Weltcup gilt das Prinzip der dreifachen Sicherheit«, erklärt Feil. »Bei Olympia sogar das der vierfachen«.

Der hohe Personalbedarf und die Koordinierung der Helfer ist für Christofori eine Herausforderung. Bereits Anfang Oktober fängt er mit den Planungen und der Einteilung der Helfer für den Weltcup an. »Bei so vielen Leuten bekommt man schon manchmal etwas Bauchweh. Schließlich ist immer jemand erkältet oder fällt aus anderen Gründen aus«, berichtet der Schießstandchef. Jüngere Helfer seien auch vor den Verlockungen des Rahmenprogramms nicht immer sicher, erklärt Christofori schmunzelnd. Wichtig sei ihm darum, erfahrene Leute als Ersatzkräfte zu haben, die im Notfall einspringen und jüngere Helfer unterstützen können. Neben dem Weltcup brauche man auch immer Helfer für die Wettbewerbe im IBU-Cup oder Deutschlandpokal.

Während in einigen skandinavischen Ländern noch mechanische Schießanlagen verwendet werden, gibt es in Ruhpolding bereits seit 1996 einen elektronischen Schießstand. Vor der WM 2012 wurde dieser auf den neusten Stand gebracht. In der Elektronik des Scheibenkastens wird mit mikroprozessorgesteuerter Technik jeder einzelne Schuss bewertet, als Treffer oder Fehlschuss erkannt, per weißer Klappe angezeigt und zu dem angeschlossenen Computer weitergeleitet. Die hierbei erfassten Daten sind insbesondere für die Einblendungen bei Fernsehübertragungen relevant.

Schießstand in Ruhpolding gut berechenbar

Für die Biathleten sei der Schießstand in der Chiemgau-Arena gut berechenbar, meint Feil. Denn im Gegensatz zu einigen anderen Weltcup-Orten sei er nicht windfällig. Früher habe es ein »leichtes Problem« dadurch gegeben, dass eine lange Abfahrt direkt in den Schießstand mündete. Dadurch hatten manche Biathleten Probleme, den Puls für das Schießen hoch genug zu halten. Ist der Puls beim Schießen zu niedrig, fällt es dem Sportler schwer, das Gewehr ruhig zu halten (»Nähmaschine«). Aber vor der WM 2012 habe man darauf reagiert und vor dem Schießstand eine lange Gerade mit leichter Steigung angelegt, auf der die Athleten das Tempo dosieren und so ihren Puls regeln können, berichtet Feil.

Der technische Fortschritt im Biathlon ist groß. So kann sich Feil noch an Zeiten erinnern, als »mit Großkaliber aus 300 Meter Entfernung auf Luftballons geschossen wurde«. Heute zielen die Athleten mit Kleinkalibergewehren (5,62 mm) auf 50 Meter entfernte Metallscheiben, die einen Durchmesser von 4,5 bzw. 11,5 cm haben. Doch auch bei einem kleineren Kaliber bleibt das Sportgerät nach wie vor eine gefährliche Waffe, mit der es im schlimmsten Fall auch zu tödlichen Unfällen kommen könnte. »Sicherheit ist das A und O«, betont Feil. Darum sind am Schießstand ebenso wie in der Loipe einige Vorsichtsmaßnahmen Pflicht. So darf der Sportler beispielsweise das Gewehr nur auf der Matte vor seiner Schießbahn von den Schultern nehmen. Zudem darf er auf nichts anderes als die Scheiben zielen. »Wer sich einen Sicherheitsverstoß leistet, wird disqualifiziert«, bekräftigt Christofori. Das gilt auch, wenn das Vergehen unbewusst geschieht, wie bei Florian Graf, der 2013 in Oberhof ohne Nachzudenken in den Lauf seiner Waffe pustete. Absoluter Sperrbereich während des Wettkampfs und des Trainings ist der Gang, auf dem die Scheibenkästen stehen. »Das Fernsehen wollte dort schon einmal hinein. Aber die Tür bleibt zu«, sagt Feil.

Zwischen den Wettkämpfen herrscht in diesem Gang aber reger Betrieb, denn dann werden die Scheibenkästen und die Scheiben vom Schießstandpersonal mit weißer beziehungsweise schwarzer Farbe nachgestrichen und mögliche Einschusslöcher in der Wand dahinter verspachtelt. Das diene dazu, um im Zweifelsfall oder bei einer technischen Panne genau nachvollziehen zu können, wo ein Schuss eingeschlagen habe, so Christofori. Außerdem sei es eine optische Sache, da das Fernsehen den Schießkasten oft in Nahaufnahme zeigt.

Eigene Verbesserungsideen

Um den Schießstand in der Chiemgau-Arena weiter zu verbessern, lässt man sich immer wieder etwas einfallen. So werden in diesem Jahr die Matten vor jeder Schießbahn mit Hilfe von Holzklötzen im Boden befestigt. Damit wolle man verhindern, dass die Matten bei Wind hochflattern, wie es in dieser Saison an anderen Weltcup-Orten schon vorgekommen sei, so Christofori. Selbst entwickelt habe man die Schießstandbegrenzer (»Ts«), berichtet Feil. Diese seien bereits von einigen anderen Ausrichtern abgekupfert worden. Die Bemühungen der Helfer haben ein Ziel: »Der Athlet soll sich während des Wettkampfs zu 100 Prozent auf seinen Sport konzentrieren können«, betont Feil. max