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Serge Michel darf nach Rio

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Für Serge Michel ist ein großer Traum in Erfüllung gegangen: Der Traunreuter hat am Donnerstagabend das vierte Olympia-Ticket für den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) geholt. Der 27-Jährige gewann bei der vorletzten Olympia-Qualifikation in Baku (Aserbaidschan) seinen Viertelfinalkampf im Halbschwergewicht bis 81 Kilogramm gegen den Bosnier Dzemal Bosjak einstimmig nach Punkten (29:28, 29:28, 29:28) und hat damit das Rio-Ticket sicher. Im für die Olympia-Qualifikation unwichtigen Halbfinale traf Michel am gestrigen Freitag (nach Redaktionsschluss) auf den Weißrussen Michail Dolgolewez.


Michel, der auch den »liebevollen« Namen »Bavarian Sniper« (»Bayerischer Scharfschütze«) trägt, war schon vor der Konkurrenz in Baku überzeugt, dass er es packt, »denn ich kenne ja die meisten meiner Konkurrenten und weiß, dass sie für mich schlagbar sind.«

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Allerdings war es in seinem Leben nicht immer so rund gelaufen wie in den vergangenen Jahren. Denn: Die Schule verließ er ohne Abschluss, auch im Boxsport kam er zunächst nicht recht vorwärts – also hing er mit Freunden ab. Nach ein paar Mal »Mist bauen« stand die Polizei vor der Tür, Michel wurde erwischt und zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt, saß aber nur 18 Monate ab.

Es folgten zwei weitere Strafen, bevor er sich endgültig im Klaren war, dass es nicht nur reicht, wenn man sich vornimmt, sich zu ändern, sondern es auch in die Tat umsetzen muss. »Es gab Leute, die waren in dieser Zeit ganz wichtig, sie haben mir eine zweite Chance gegeben.« Michel denkt zum Beispiel an seine Familie, und die war auch dahinter, dass er seine Mittlere Reife ablegte. Irgendwann kam dann der Moment, »wo sich der Traum von Olympia zu einem echten Ziel entwickelt hat«, so Michel, der sich nun riesig auf das »Sportfest des Jahres« an der Copacabana freut.

Während es in der südostbayerischen Region vor Winter-Olympioniken nur so wimmelt, sieht es im Sommer weitaus bescheidener aus. In der jüngeren Vergangenheit schafften nur Christopher Kas, Nicole Hetzer und Josef Neumaier die Teilnahme. Der Trostberger Tennisspieler Kas unterlag bei Olympia 2012 in London im Herren-Doppel an der Seite von Philipp Petzschner in Runde eins, musste sich jedoch im Mixed mit Sabine Lisicki erst im Spiel um Bronze geschlagen geben. Gleich dreimal konnte sich Schwimmerin Nicole Hetzer für Olympia qualifizieren: Das beste Ergebnis der Lagenspezialistin des SV Wacker Burghausen war Platz 5 über 400 m in Sydney im Jahr 2000.

Auf fünf Paralympics-Teilnahmen zurückblicken kann Sportschütze Sepp Neumaier aus Altötting, dem 1996 in Atlanta sogar ein Gold-Coup gelang. Außerdem holte er in den letzten 20 Jahren noch zweimal Silber und einmal Bronze. Nicht so gut wie Michel machten es in Baku die weiteren deutschen Athleten: Edgar Walth (Straubing) und Abass Baraou (Oberhausen) verloren ihre Viertelfinals.

Beiden bleibt nun nur noch die Hoffnung, dass ihre Gegner das Turnier gewinnen. Dann würden sich die Deutschen noch qualifizieren, da in dem Limit in Baku fünf Plätze für das olympische Boxturnier vergeben werden. cs