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Der Sieger des Waginger See-Pokals, der 19 Jahre alte Noah Schlagenhauf vom TC Reutlingen, hat Großes vor: Er will Profi werden. (Foto: Weitz)

See-Pokal fest in württembergischer Hand

Das Finale bei der 47. Auflage des Tennis-See-Pokals in Waging war am Sonntagmittag fest in württembergischer Hand (wir berichteten bereits). Der Sieger hieß Noah Schlagenhauf, an fünf gesetzt vom TV Reutlingen, der Verlierer Lasse Pörtner, an vier gesetzt vom TC Kirchheim/Teck. Und der hatte eine große Chance vertan, hätte nach 22 Jahren erstmals wieder seit Philipp Kohlschreiber als 16-Jähriger den Pokal holen können. Es sollte aber nicht sein. 


Dabei war die Chance groß für den Youngster. Der hatte im ersten Satz beim 1:6 keine Chance, musste den Durchgang nach 21 Minuten abhaken. Dann aber spielte er so, wie in den Matches zuvor, schlug gut auf, knallte die Vorhand immer wieder rein und zermürbte seinen Gegner auch mit gelegentlichen Stopps. 5:2 führte Pörtner, hatte zwei Satzbälle und sah sich schon im dritten Satz, aber Schlagenhauf ließ nicht locker.

Erst wehrte der 19-Jährige die zwei Satzbälle ab und gab dann kein Spiel mehr ab. Aus einem 2:5 machte er vor 120 Zuschauern ein 7:5, holte sich den Pokal und die Siegprämie von 1400 Euro, außerdem wertvolle Punkte für die deutsche Herren-Rangliste, in der er seit Waging unter den Top 100 zu finden ist. Dabei war Schlagenhauf direkt aus dem Urlaub in der Türkei nach Waging gekommen, der Vater hatte ihn vom Flughafen abgeholt und war dann beim Endspiel natürlich wieder live dabei.

»Ich habe mich hier in Waging die ganze Woche schon sehr gut gefühlt, es war mein größter Erfolg im Herrenbereich«, freute sich der Sieger, der schon zum dritten Mal dabei war. Als 17-Jähriger musste er in die Qualifikation, überstand die, gewann dann ein Match in der Hauptrunde, als 18-Jähriger kam er im letzten Jahr ins Viertelfinale und jetzt beendete er nach 1:40 Stunden das Endspiel mit einem Vorhand-Crossball, den sein Gegner ins Netz schlug.

Wie es weitergeht, weiß der 19-Jährige noch nicht genau. »Ich versuche mich mal in den USA im College, habe mich dort jedenfalls beworben und will Profi werden«, sagte Schlagenhauf, der in Nürtingen wohnt und in der Württemberg-Liga für den TC Reutlingen heuer eine 5:2-Bilanz aufwies. Die Revanche war ihm in jedem Fall gelungen, denn bei den württembergischen Meisterschaften heuer hatte er im Viertelfinale gegen Pörtner 4:6, 2:6 verloren.

Pörtner, der als Finalist 800 Euro bekam, darf man eine große Zukunft prophezeien, immerhin gehört er zu Deutschlands besten Jugendlichen, liegt im Ranking seines Jahrgangs auf Nummer drei und bei der U 17 auf Rang fünf. Für den württembergischen Herren-Meister 2022 geht es jetzt bei großen internationalen Jugend-Turnieren weiter. Sein größtes Match hatte er in Waging im Viertelfinale gezeigt, als er Mark Wallner aus Ismaning in drei Stunden 7:6, 4:6, 7:6 niederringen konnte. »Ein wunderbares Turnier, die Hitze war am Samstag weg, da hatten wir etwas Nieselregen, kamen aber mit den Halbfinals durch und beim Endspiel gab es beste Bedingungen«, strahlte Turnierdirektor Marcus Kleißl, der sich über die Wildcardspieler Mark Wallner und David Weber freute. Der eine (Weber) stand im Halbfinale, der andere kam ins Viertelfinale.

Die top gesetzten Akteure spielten dieses Mal keine Rolle. Sowohl der an eins gesetzte Thomas Jan Dafcik (Blutenburg München) als auch der an zwei gesetzte Michel Hopp (Rot-Weiß Erfurt) mussten in Runde zwei die Segel streichen. »So etwas hab ich auch noch nie erlebt«, sagte Ludwig Kleißl, Gründer des TC Waging und Ehrenmitglied und Erfinder des See-Pokals, der natürlich jeden Tag vorbeischaute. Die Verantwortung hatte er vor einigen Jahren schon in die Hände seines Sohnes Marcus gegeben.

Mit dem Sieg von Noah Schlagenhauf setzt sich der Trend beim See-Pokal fort. Waren es früher oft ausländische Spieler, die hier den Siegerscheck mitnahmen, so sind es in den letzten Jahren deutsche oder österreichische Spieler. Der letzte Nicht-EU-Mann war Andrey Plotniy aus Russland im Jahr 2010. Schlagenhauf ist übrigens der 25. deutsche Sieger am Waginger See und das bei der 47. Auflage. Der letzte Sieg heimischer Cracks ist aber schon lange her: Emil Egerer aus Burghausen war 1993 der Letzte, davor hatten sein Vater (1978), Christian Freimoser (1992) und die Waginger Conny Schmid (1987) sowie Sepp Baumgartner (1981 und 1982) gewinnen können.

See-Pokal in Zahlen

Achtelfinale: Julian Onken (Uhlenhorster Hockeyclub) - Thomas Jan Dafcik (Blutenburg München) 6:3, 1:6, 6:2; Noah Schlagenhauf (TC Reutlingen) - Philipp Schroll (TC Achental Grassau) 6:3, 6:2; Aaron James Williams (TC Bredeney Essen) - Max Pade 1:0 (Aufgabe); Marc Mail (TV Reutlingen) - Moritz Kudernatsch (TC Großhesselohe) 4:6, 6:3, 6:1; Mark Wallner (TC Ismaning) - Joel Link (TC Bad Vilbel) 6:2, 4:6, 6:1; Lasse Pörtner (TC Kirchheim/Teck) - Tobias Seidl (RW Straubing) 6:1, 2:1 (Aufgabe); David Weber (TC Hengersberg) - Michael Sperl (Rot-Weiß Cham) 6:1, 3:0 (Aufgabe); Christian Wedel (TV Reutlingen) - Michel Hopp (RW Erfurt) 3:6, 7:6, 6:2.

Viertelfinale: Schlagenhauf - Onken 6:2, 6:3; Williams - Mail 6:3, 6:4; Pörtner - Wallner 7:6, 4:6, 7:6; Weber - Wedel 2.6, 7:5, 6:2.

Halbfinale: Schlagenhauf - Williams 6:2, 6:1; Pörtner - Weber 6:0, 6:3. – Finale: Schlagenhauf - Pörtner 6:1, 7:5.

kk

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