Schwarze Stunde für Serge Michel

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Viel zu selten gelang es dem Traunreuter Serge Michel (links), Ricards Bolotniks im Finale des Golden-Contract-Turniers unter Druck zu setzen. (Foto: Scott Rawsthorne)

Schwarze Stunde für den Traunreuter Profiboxer Serge Michel (32): Der »Bavarian Sniper« hat am Mittwochabend in Wakefield bei Leeds das Golden-Contract-Finale gegen Ricards Bolotniks (Lettland) deutlich vergeigt. Der 30-jährige »Löwe« aus Riga gewann das phasenweise sehr einseitige Duell durch technischen K.o. in Runde zehn.

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»Wir müssen das jetzt alles erst einmal in Ruhe aufarbeiten. Es war sicher nicht das Karriereende von Serge«, resümierte sein Manager Johann Wilhelm aus Trostberg. »Doch keiner von uns hatte damit gerechnet, dass es so klar wird. Ich bin erschüttert.«

Nur in den ersten beiden der zehn dreiminütigen Runden gelang es dem »Sniper«, dem Titelverteidiger in der Halbschwergewichts-Europameisterschaft der World Boxing Organization (WBO) Paroli zu bieten beziehungsweise ihn sogar unter Druck zu setzen, dann drehte sich das Blatt mehr und mehr zu Gunsten von Bolotniks. »Ich muss das erst mal verdauen, die Niederlage abhaken und den Blick nach vorne richten«, konstatiert Michel, der sich trotz der riesigen Enttäuschung als fairer Sportsmann erwies: »Auf alle Fälle hat Bolotniks verdient gewonnen, weil er deutlich besser war. Respekt und Gratulation!«, würdigt der Traunreuter seinen konditions- und schlagstarken Kontrahenten. Bitter sei die Niederlage vor allem deshalb, so Michel, »weil ich ja schon so weit gekommen bin und kurz davor war, den Vertrag zu kriegen«. Dieser »Traum« sei nun geplatzt, klagt auch Wilhelm, den lukrativen Fünf-Kämpfe-Kontrakt mit dem US-amerikanischen Promoter Top Rank hat nun der Lette in der Tasche. »Für mich ist das kein schönes Gefühl«, hadert Michel mit seiner Situation, »aber so ist es halt mal im Boxen: Einer muss verlieren, Kampfsport ist ein sehr hartes Geschäft.« Das sieht auch sein Manager Wilhelm so, der das Niveau des Kampfs hervorhob (»das kann man durchaus mit einem WM-Kampf vergleichen«) und auch Michel ein Lob zollte: »Auch wenn er viele schwere Treffer einstecken musste, hat er bis zur letzten Sekunde gekämpft und alles versucht. Jeder andere hätte wohl schon nach vier Runden aufgegeben«, behauptet der Trostberger.

Froh war man im Lager von Serge Michel, der von Vater und Trainer Eduard sowie Bruder Fedor auf die Insel begleitet worden war, »dass es ihm gesundheitlich soweit gut geht«, meint der Manager, »auch wenn er einen komischen Husten hat, was man auch schon in den Pausen gesehen hat«. Insgesamt sei dieser Abend »ein harter Schlag für das gesamte Team« gewesen, stellt Wilhelm klar, Serge sei komplett am Boden. »Ja«, stöhnt Wilhelm, »das ist nicht einfach, wenn du dich so lange und hart auf dieses Ziel vorbereitet hast.«

Imponierend sei die Ausdauer von Bolotniks gewesen, erklärt Wilhelm. »Serge hat sich gut bewegt, doch jeweils am Rundenende konnte Ricards zulegen. Er war eine Maschine.« Der Manager gibt zu, »dass wir einfach keinen Weg gefunden haben, ihn zu besiegen«. Die endgültige Entscheidung fiel erst in der Schlussrunde: Nach diversen Schlagsalven, die Michel nicht mehr kontern konnte, ging der »Sniper« auf die Knie. Sein Vater Eduard hielt das Handtuch zum Zeichen der Aufgabe bereit, was auch von Ringrichter Michael Alexander registriert wurde. So wurde der Kampf wenige Sekunden vor Ende mit einem technischen K.o.-Sieg für Bolotniks gewertet. Der Lette zeigte sich anschließend im Interview überglücklich: »Ich bin total happy – jetzt gibt es auch mal wieder Bier und Pizza.« cs

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