Schwarz und Azizsir haben Olympia im Visier

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Bundestrainer Michael Carl (rechts) nutzte die Zeit im Trainingslager auch, um Gespräche mit seinen Athleten zu führen. Für den Burghauser Roland Schwarz war der Aufenthalt in Porec der erste richtige Einsatz nach seiner Bandscheiben-OP. (Foto: Kas)

Sieben harte Tage mit zwei Trainingseinheiten täglich haben die deutschen Elite-Ringer im klassischen Stil hinter sich. Bundestrainer Michael Carl hat seinen 15er-Kader im Vier-Sterne-Haus Valamar Diamant Residence in Porec/Istrien in Kroatien zusammengezogen. Mit dabei waren sechs Meister-Ringer des SV Wacker Burghausen.


Unter einem strengen Hygiene-Konzept arbeiteten die 150 Ringer aus 16 Nationen auf sechs Matten in drei 50er-Gruppen. Schauplatz war bei täglichen Corona-Tests die große Valamar-Sporthalle, die sich direkt an den Hotelkomplex anschließt. Ergebnis: kein einziger positiver Fall, aber acht Verletzte, darunter zwei Schwerverletzte. Alle Burghauser kehrten am Samstagabend gesund nach Hause. »Es war der Feinschliff für die anstehenden Europameisterschaften in Polen und die Olympia-Qualifikation im Mai in Sofia«, sagte Bundestrainer Michael Carl.

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»Wir waren begeistert von der Unterkunft, von der Verpflegung, von den Trainingsbedingungen, der Startschuss zu den internationalen Aufgaben ist vollauf gelungen«, lautete das Fazit von Carl. Und: »Wir setzen uns vor jedem Trainingslehrgang Ziele und die hat hier jeder Athlet erfüllt.« Der große Vorteil: Die deutschen Ringer im griechisch-römisch Stil hatten es mit absoluten Weltklasse-Athleten zu tun, auch mit Welt- und Europameistern und Olympiasiegern. Es wurde mit ihnen und gegen sie gerungen auf höchstem Niveau. Aus der Meistermannschaft des SV Wacker dabei waren Fabian Schmitt (55 kg), Witali Lazowski (67 kg), Idris Ibaev (72 kg), Michael Widmayer (80 kg), Roland Schwarz (82 kg) und Ramsin Azizsir (98 kg).

Unsere Zeitung hat einen Formcheck der sechs Wacker-Ringer vorgenommen und die Meinung des Bundestrainers mit eingeholt:

Fabian Schmitt: Der Leichteste des Sextetts war schon Opfer der Pandemie-Zeiten und musste in eine 14-tägige Quarantäne. Vom Trainingslager aber war er begeistert, genoss nach harten Einheiten auch immer die Erholungsphase. »Die vielen verschiedenen Trainingspartner bringen dich hier schon weiter, das ist klasse«, strahlte der 55-Kilogramm-Mann, der in Nürnberg wohnt und dort am Bundesstützpunkt auch beste Bedingungen vorfindet. Olympische Spiele kommen für ihn nicht in Frage, da seine Klasse nicht olympisch ist. Umso mehr will er jetzt bei den Europameisterschaften angreifen. »Fabian hat mir in dieser Woche sehr gut gefallen, er hat sich hier in einer guten Verfassung präsentiert«, bilanziert der Bundestrainer.

Witali Lazowski: Der Trostberger will bei den Europameisterschaften in Polen in der Klasse bis 67 kg alles geben. Ziel ist eine Medaille. Zweites großes Ziel sind die Weltmeisterschaften im Oktober, da Olympia nicht in Frage kommt. In seiner Klasse ist Frank Stäbler bereits für Tokio gesetzt. Begeistert war Witali von den vielen verschiedenen Trainingspartnern in Porec. »Da konnte man nochmal die Spitze setzen«, sagt er. Man kenne sich natürlich von vielen Meisterschaften und Trainingslagern, jetzt sei es aber etwas Besonderes gewesen.

Lazowski, der auch schon für den TSV Trostberg auf der Matte stand, bedauert, dass zwar er als Profi-Ringer in die Hallen darf, nicht aber seine vielen Partner, die Amateurstatus genießen. »Man trainiert in Burghausen immer mit demselben, das ist schade, wenn die Partner abgehen.« Michael Carl sagte über den 24-Jährigen: »Witali ist nach seinem Rippenbruch gut zurückgekommen. Die Rippe hat gehalten, das wird ihm Selbstvertrauen geben.«

Idris Ibaev: Der Jüngste des Wacker-Teams bedauert, dass wegen der Pandemie doch viele Turniere abgesagt wurden. Ibaev lebt und trainiert in Burghausen. Sein großes Ziel ist der U-23-Weltmeistertitel in diesem Jahr. Einen Titel hat er schon – und zwar den Thor Masters 2020. »Idris hat sich innerhalb eines Jahres richtig gut entwickelt. Er hat mir hier im Lehrgang gut gefallen, er hat gezeigt, dass er einen Schritt vorangegangen ist«, sagt der Bundestrainer. Für die EM werde es aber sehr schwer, da gerade in seiner Klasse die internationale Konkurrenz enorm groß sei. Aber: »Der Junge gefällt mir!«

Michael Widmayer: Der Stuttgarter ist von der 72-Kilogramm-Klasse in die 77er gewechselt und will bei der EM in 14 Tagen voll angreifen. Der Schwabe genoss sichtlich das Trainingslager. Immer wieder suchte er in der Freizeit das Meer auf, das vom Hotel nur 500 Meter entfernt ist. Er freut sich einfach nur, im Lockdown seinem Sport nachgehen zu können. »Die Einheiten waren hier kurz, aber sehr anstrengend«, so der 26-Jährige, der über Ehningen und Untergriesbach zum SV Wacker kam und hier alle drei Meisterschaften mitfeierte. Als Deutscher Meister und WM-Fünfter von 2019 kennt er natürlich den internationalen Zirkus bestens.

Über die harten Maßnahmen im Lockdown gibt es bei ihm keine Beschwerden. »Klar, wir werden oft getestet, aber wir dürfen unserem Sport nachgehen. Ich bin froh, mit so vielen verschiedenen Trainingspartnern das Niveau hochhalten zu können.« Der Bundestrainer war sehr zufrieden: »Michael kommt aus einer Sprunggelenkverletzung, er hat aber alle Einheiten durchgezogen.«

Roland Schwarz: Für den Burghauser war Porec der erste richtige Einsatz nach seiner Bandscheiben-OP im Januar. »Es war wichtig, dass ich wieder reinkomme, das ist gelungen«, freut sich der Vize-Europameister von 2019. Es war seine erste richtige Belastung nach der Reha. Ziel sind die Olympischen Spiele, wobei Anfang Mai die Qualifikation stattfindet. In den Trainingswettkämpfen war er schon wieder ganz der Alte, gewann seine Duelle. Er bedauert, dass die vielen Trainingspartner in Burghausen wegen der Corona-Regeln wegfallen. »Da haben wir viele in Burghausen, die auf hohem Level ringen, aber keine Profis sind und jetzt nicht ringen dürfen.« Umso wichtiger sei Porec gewesen. Die EM kommt für Schwarz noch zu früh. »Das Wichtigste ist, dass Roland schmerzfrei ist. Seine Gewichtsklasse ist in Deutschland großartig besetzt, ich wäre froh, ich hätte in allen anderen Gewichtsklassen auch so gute Ringer«, so der Bundestrainer.

Ramsin Azizsir: Der Schwerste des Wacker-Sextetts kämpft mit gesundheitlichen Problemen, konnte beim Qualifikationsturnier in Budapest seine Leistung nicht abrufen und startet auch nicht bei der EM, wohl aber bei der Olympia-Qualifikation in Sofia. »Die Chancen für Tokio stehen 50:50, da muss alles passen, auch die Auslosung und die Gesundheit« sagt der Schwergewichtler, der aus Hof kommt. Bei ihm wurde ein Gleitwirbel festgestellt, deshalb steckte er in Porec auch etwas zurück, machte viel Stabilitätstraining. Mit einer Vorwölbung schlägt er sich seit Jahren herum, konnte die Verletzung aber stets kompensieren. Und was sagt der Bundestrainer? »Ich hoffe, er kann seine Belastung steigern. Da müssen wir jetzt abwarten, ich bin aber positiv!«

kk

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