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Schulsport und Schwimmen als Sorgenkinder

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Dass es im gesamten Achental kein Schwimmbad mehr gibt und dass der Sport in den Schulen oft zu kurz kommt, sind nur zwei der vielen Themen, die bei den Sportvereinen im Kreis Traunstein auf den Nägeln brennen. Beim »Kreistag« des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV) diskutierten die Delegierten angeregt über die Zukunftsaufgaben der Vereine, von der Mitgestaltung der Ganztagsbetreuung an den Schulen bis hin zur Gesundheitsvorsorge für jedes Lebensalter. Zugleich stellten sie fest, dass die Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement immer schwieriger werden.


Rainer Trapp, im Kreisverband Referent für den Schulsport und das Sportabzeichen, bedauerte, bei Stundenausfällen an den Schulen fielen oft als erstes Sportstunden aus. Dabei wären diese, so der einmütige Tenor der Versammelten, angesichts des, auch durch die neuen Medien bedingten Bewegungsmangels und der Fettleibigkeit vieler Kinder so wichtig. Trapp regte an, dass – ähnlich wie die Bundesjugendspiele – auch das »Deutsche Sportabzeichen«, zu dem die Disziplin Schwimmen gehört, fest in den Lehrplan der Schulen aufgenommen wird. Große Sorge macht ihm, dass heute 40 Prozent der Grundschüler nicht schwimmen können.

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In den Vereinen wurden 2011 insgesamt 750 Sportabzeichen abgelegt, fast 100 mehr als im Vorjahr. Nur fünf Schulen beteiligten sich 2010 mit insgesamt 585 Sportabzeichen: Die Mädchenrealschule Sparz (328), die Volksschulen Tacherting (98), Petting (72) und Otting-Wonneberg (49) sowie die Grundschule Palling (38). 2011 war nur Sparz mit 20 Abzeichen aktiv. Der Süden des Landkreises sei insgesamt »schwach bestückt«, bemängelte Trapp.

»Das ganze Achental hat keine Möglichkeit mehr, den Kindern Schwimmen zu lernen«, beklagte Andrea Klughardt (SG Katek Grassau). Scharf kritisierte sie die Schließung des Hallenbads Unterwössen. Neben den Schulen hingen auch die Vereine in der Luft: Sie könnten eine Triathlon-Disziplin nicht mehr trainieren. Dazu stellte Philipp Weißenbacher als Vorsitzender des SV Unterwössen klar, man dürfe nicht nur die Gemeinde tadeln. Es habe sich ein Unterstützerverein für das Bad gegründet, jedoch Insolvenz anmelden müssen. Die Probleme ausgelöst hatte der fehlerhafte Einbau des Blockheizkraftwerks. Gespräche mit allen umliegenden Gemeinden seien geführt worden; keine sei jedoch bereit gewesen, sich an den Unkosten für das Bad zu beteiligen. »Anscheinend war der Druck der Schulen noch nicht stark genug«, resümierte Weißenbacher.

Bezirksvorsitzender Otto Marchner appellierte an die Vereine: »Gehen sie rein in die Ganztagsbetreuung.«. Zur Unterstützung gebe es eine Zusatzausbildung für Übungsleiter. Das Problem, dass nicht jeder Verein hierfür Übungsleiter zur Verfügung hat, wie Roman Metzner vom TSV Grabenstätt zu bedenken gab, sei bekannt, so Marchner. Es gebe jedoch Geld dafür: Der Verein bekomme 15 Euro pro Stunde.

Trapp macht es zudem »Bauchschmerzen, wir die Verantwortlichkeit für den Schulsport auf die Vereine verlagert wird.« Dabei nehme der Gesundheitssport dem Staat große Kosten ab, da die Leute sonst früher krank und pflegebedürftig würden. Um die heutige Jugend anzusprechen, setzt Frauenreferentin Claudia Daxenberger auf neue Sportarten: Von 2008 bis 2012 bot sie acht Workshops für Übungsleiter zu Themen wie Einrad, Kinderakrobatik, Slackline oder »Zumba-Fitness« an.

Roman Metzner lobte den BLSV für die Unterstützung beim Bau der Grabenstätter Turnhalle gemeinsam mit der Gemeinde. »Wir werden schauen, dass wir in die Nachmittagsbetreuung reinkommen«, kündigte er an. Sonja Brunner vom TSV Bergen hat die Erfahrung gemacht, dass die Schule auf Angebote ihres Vereins nicht reagierte. Der finanzielle Anreiz sei so gering, dass kaum etwas bleibe, ergänzte eine andere Delegierte. »Ich kann nicht verlangen, dass ein ausgebildeter Übungsleiter als Ein-Euro-Jobber an die Schule geht.« vm

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