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Schützenclub Alzing löst sich nach 63 Jahren auf

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Gemischte Gefühle nach der Vereinsauflösung gab es bei (von links): Gauschützenmeister Kaus Daiber, 1. Schützenmeister Walter Knott, 2. Schützenmeister Ludwig Lederer und Bürgermeister Thomas Kamm. (Fotos: Krammer)

Mit einem fast einstimmigen Votum schlossen sich die Mitglieder des Schützenclubs Alzing dem Vorschlag ihrer Vorstandschaft an und beantragten die Auflösung ihres seit 1952 bestehenden Schützenvereins. Gut die Hälfte der 51 Mitglieder waren zur außerordentlichen Versammlung erschienen und stimmten bei nur zwei Gegenstimmen für die baldige Liquidation ihres Clubs.


Einstimmig wurden zudem unter der Leitung von Gauschützenmeister Klaus Daiber die beiden Vorstände Walter Knott und Ludwig Lederer zu verantwortlichen Liquidatoren bestimmt, die die gesetzlichen Vorgaben zur Vereinsauflösung und die Zweckbestimmung des restlichen Vereinsvermögens bis zum Jahresende abwickeln werden.

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Vorstand Walter Knott stellte zu Beginn des Treffens noch einmal die Beweggründe der Vorstandschaft für eine Auflösung heraus. Nach dem Abriss der langjährigen Vereinsheimat »Gasthof Alzinger Alm« 1996 konnte auch nach intensiver Suche keine zukunftsträchtige Lösung für einen Schießstand im Bereich Alzing gefunden werden. Nach langen Gesprächen nahm man schließlich das Angebot der Schützen aus Eisenärzt an, gemeinsam die Schießanlage im Eisenärzter Mehrzweckgebäude zu nutzen.

Seit 1996 funktioniert der gemeinsame Schießbetrieb reibungslos und harmonisch, und viele Veranstaltungen wie Dorf- oder Gauschießen wurden vereint gemeistert. Der Nachwuchs blieb bei den Alzinger Schützen jedoch aus und so war in den letzten Jahren mit wenigen Ausnahmen meist nur noch ein »harter Kern« rund um die Vorstandschaft aktiv. In der Ausschusssitzung am 26. Januar 2015 beschloss die Vorstandschaft einstimmig, bei den anstehenden Neuwahlen 2016 nicht mehr zu kandidieren und in einer außerordentlichen Versammlung die Auflösung zu beantragen.

Gauschützenmeister Klaus Daiber und Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm sprachen zwar von einem traurigen Tag für den Verein, der aber bedingt durch den fehlenden Nachwuchs durchaus nachvollziehbar sei. Beide wünschten den verbliebenen Schützen des Vereins auch weiterhin eine Heimat bei der SG Eisenärzt und erhofften sich einen letzten öffentlichen Auftritt des Vereins im August beim Schützenfest in Grabenstätt.

Die Gemeinde wird sich um einen repräsentativen Platz für die Aufbewahrung der Schützenkette und einer Tracht des Vereins bemühen und das restliche Vermögen auf Vorschlag der Liquidatoren einem wohltätigen Zweck zuführen.

Kurzer Rückblick in die Vereinsgeschichte

Toni Zett war der erste Schützenmeister bei der Gründung 1952, die von 17 Mitgliedern betrieben wurde. Bei der Übergabe an seinen Nachfolger, Martin Wohlmayer, konnte 1954 der neue Schießstand im Salettl neben der Alzinger Alm eröffnet werden, und ein Jahr später trat mit Herbergsmutter Maria Plösch die erste Frau als bereits 30. Mitglied dem Verein bei. Mit einem fünftägigen Eröffnungsschießen wurde 1962 eine Schießanlage mit Zugständen im Keller des Cafe Aigner eingeweiht, doch bereits zwei Jahre später kehrte man wieder in die Alzinger Alm zurück.

Florian Hamberger hatte 1957 die Vereinsführung übernommen und führte den Club umsichtig bis 1973. Er leitete auch die Arbeiten zum Bau einer Schießanlage unter der Terrasse des Gasthofes, die wesentlich vom Besitzer der »Spaten-Franziskaner Bräu A.G. München« unterstützt wurden und nach vielen freiwilligen Arbeitsstunden im Oktober 1970 eröffnet werden konnte. 1977 konnte Schützenmeister Sepp Meitinger (1973 bis 1986) beim Jubiläumsschießen zum 25-jährigen Bestehen über 200 Sportschützen begrüßen und dank der zehn neuen elektrisch betriebenen Scheiben-Zuganlagen das große Schießen reibungslos abwickeln.

1981 wurde auf Vorschlag einiger Mitglieder eine gemeinsame Schützentracht ins Leben gerufen und bei den Schützenfesten in Grabenstätt und Mietenkam den Mitgliedern vorgestellt. Zur Weihnachtsfeier 1981 präsentierte Rosi Lederer das erste Alzinger Schützendirndl. Die Tracht fand bis heute nicht nur vereinsintern großen Anklang, sie wurde auch bei vielen Umzügen in der Gemeinde und im Schützengau allseits bewundert.

Unter Vorstand Toni Schürf, der den Verein von 1986 bis 2004 leitete, kamen dann 1996 das Aus für den Schießbetrieb in Alzing und der Umzug des Clubs ins Schützenheim der SG Eisenärzt. Die beiden nachfolgenden Vorstände Ludwig Lederer (2004 bis 2007) und Walter Knott (seit 2007) schafften es immer wieder, ihre Mitglieder für öffentliche Auftritte bei Festen und Umzügen zu aktivieren, die aktiven Schützen aber wurden altersbedingt immer weniger.

Auch das Verhältnis zu den Eisenärzter Schützen gestaltete sich nach wie vor freundschaftlich und vertrauensvoll. Bleibt zu hoffen, dass die Alzinger Schützen in der Gemeinde und im Schützengau in guter Erinnerung bewahrt bleiben. FK