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Heimische Musher sind zufrieden – Über 10 000 Besucher bei der viertägigen Veranstaltung

Schlittenhunde-EM der Extraklasse in Inzell

Es war eine perfekte EM! Auch wenn statt der 250 angekündigten nur 180 Teams den Weg nach Inzell fanden, um an vier Tagen die Sprint- und Mitteldistanz-Europameister des Weltverbands WSA zu ermitteln. Das störte Organisator Robert Öttl nicht: »Somit war ein bisschen mehr Platz.« Rund 1500 Hunde tummelten sich im Musher-Lager, das am Campingplatz Lindlbauer aufgebaut war. Begleitet von Traumwetter – mitunter war es zu warm für diesen Sport – waren es eindrucksvolle Tage mit fantastischem Sport über die bestens präparierten Trails.

Die Weißbacherin Sabine Steinbacher belegte in der Vier-Hunde-Kategorie Rang 18. (Foto: Bittner)

17 Nationen waren vertreten: Neben den Gastgebern in Schwarz-Rot-Gold reisten Teams aus Belgien, Tschechien, Spanien, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Polen, Russland, der Schweiz und der Slowakei sowie mit Mary und John Carter sogar ein schottisches Paar in den Chiemgau. Zudem bestaunten über 10 000 Besucher die Musher mit ihren Hunden.

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»Es war wieder ein Traum, hier zu laufen«

Die Sieger am EM-Wochenende hießen einmal mehr Stepan Krkoska aus Tschechien, der in zwei Klassen mit sechs und acht Hunden antrat und jeweils gewann, sowie Waldemar Stawowczyk aus Polen, der mit zwei Hunden Gold und mit deren vier Silber gewann. »Es war wieder ein Traum, hier zu laufen«, lobte Bronzemedaillengewinner Andreas Kraft. »Inzell ist einfach phänomenal«, meinte Jürgen Stolz, ebenfalls EM-Dritter.

Pino Dufter moderierte die Rennen und sorgte für eine gute Stimmung im Start-Ziel-Bereich. Das Helfer-Team koordinierte Wolfgang Fehringer. Manuela und Arnold Petutschnig kümmerten sich um die Zeitnahme, Chris Helm betreute das Medienzentrum.

Und heimische Erfolge gab es auch noch. Als die deutsche Hymne erklang, strahlte sie übers ganze Gesicht: Kathi Demmelbauer, neue Europameisterin im Skijöring mit einem Hund, genoss den Augenblick auf der EM-Bühne (wir berichteten bereits). Sie holte sich mit ihrem dreijährigen Isko nach drei harten Sprint-Durchgängen über je zwölf Kilometer Gold vor ihrer Landsfrau Susanne Noppe-Haller und der Russin Elizaveta Odaeva. Am Ende hatte Kathi Demmelbauer 45 Sekunden Vorsprung auf Rang 2.

Gejubelt wurde auch in Anger: Bernd Kirstein fügte seiner bereits umfangreichen Medaillensammlung Bronze mit seinem 3. Platz in der Zwei-Hunde-Klasse mit seinen Grönländern Ragna und Lemmy hinzu. Zusammen mit dem Polen Waldemar Stawowczyk (1.) und dem Russen Sergey Mishin stand der 52-Jährige auf dem Podest und erhielt von WSC-Präsident Arno Steichler Pokal und Urkunde. Teamkollegin Sabine Klein von den »Bavarian Trail Devils« wurde in der gleichen Kategorie Achte. Sie ließ es mit ihren schon älteren Hunden Arina und Dream etwas gemächlicher angehen und nahm auf der Schlussrunde Sohn Tobias genauso wie eine bayerische Fahne mit auf den Schlitten, da der letzte Zwei-Hunde-Durchgang nicht mehr gewertet wurde.

Kein Fortune hatte der mit Ambitionen in diese EM gegangene Lokalmatador Andi Birkel: Nach zwei Durchgängen auf Rang 4 der Sechs-Hunde-Klasse liegend arbeitete er sich im dritten Lauf auf Rang 3 vor, stürzte jedoch in einer Kurve auf einer Eisplatte und büßte so alle Chancen auf Bronze ein.

Platz 4 am Ende ließ den 52-Jährigen ein wenig enttäuscht zurück: Denn womöglich war das die letzte EM vor der Haustüre für den Vize-Weltmeister von 2011. »Ich hätte es drauf gehabt und ärgere mich über mich selbst, weil ich seit zehn Jahren nicht gestürzt bin«, sagt er. Birkels Lebensgefährtin Sabine Steinbacher erreichte ihr Ziel eines Mittelfeldplatzes in der Vier-Hunde-Kategorie: Rang 18 in einem großen 33-Teilnehmer-Feld, mit nur sieben Minuten Rückstand auf Sieger Damien Langlois aus Frankreich.

Jonas Öttl befand sich am EM-Wochenende in einem echten Wellental der Gefühle: Im ersten Lauf der Skijöring-Konkurrenz war sein Duke in eine Rauferei verwickelt und hatte danach keine rechte Lust mehr zu laufen. Der Junioren-Weltmeister von 2015 verlor viel Zeit, holte am zweiten Tag bei Traumbedingungen jedoch auf.

Zum Abschluss kehrte dann jedoch das Pech zurück, Duke verletzte sich an der Schulter und auf einer am frühen Morgen noch eisigen Piste an einer Pfote. Das heimische Team fiel auf Rang 7 zurück – für den 16-Jährigen, der das erste Mal bei den Großen ran musste, war es dennoch ein schöner Erfolg und eine wertvolle Erfahrung: »Aufgrund der großen Probleme bin ich schon zufrieden«, sagte Jonas Öttl. bit