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»Saisonstart anders vorgestellt«

Zu einer Reise in die Vergangenheit wird für den 35-jährigen Ronald Schmidt das heutige Gastspiel des Fußball-Drittligisten SV Wacker Burghausen bei Alemannia Aachen (Anstoß um 14 Uhr). Als einziger Kicker der aktuellen Wacker-Truppe kennt er das Gefühl, mit Burghausen auf dem Tivoli zu siegen. Das war in der Zweitliga-Saison 2003/2004.

Heute sind die Rollen klar verteilt: Die Platzherren um den Ex-»Löwen« Sascha Rösler sind Favorit, zumal sie mit dem 1:1-Remis bei Arminia Bielefeld einen besseren Start erwischten als die Donkov-Truppe (enttäuschendes 0:2 gegen Münster). Nicht allein das Ergebnis, sondern vor allem die Art und Weise, wie der SVW gegen die Preußen die Punkte liegen ließ, rief die Skeptiker und Pessimisten auf den Plan.

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Im VIP-Raum, in dem unter anderem die drei ehemaligen Wacker-Trainer Rainer Hörgl, Jürgen Press und Reinhard Stumpf anzutreffen waren, wurde schon ziemlich offen darüber diskutiert, wie lange wohl der Bulgare Georgi Donkov das Zepter in der Hand haben wird. Der zum Chef aufgestiegene bisherige Co-Trainer genießt offenbar nicht das allergrößte Vertrauen diverser Fachleute.

Mit einem Punkt (oder gar Sieg) in Aachen könnte der 42-Jährige diese »Experten« Lügen Strafen. Donkov selbst hat den Ernst der Lage sofort erkannt. In der Pressekonferenz unmittelbar nach dem Münster-Spiel sagte er in aller Deutlichkeit: »Ich bin zum Handeln gezwungen. In Aachen müssen wir ganz anders auftreten. Gegen Münster hat die letzte Konsequenz gefehlt.«

Vor allem das Fehlen eines Christoph Burkhard (Hüftödem/Zeitpunkt seines Comebacks fraglich) war zu spüren. Der frühere »Löwe« absolviert gerade in Bad Endorf seine Reha. »Natürlich hatten wir uns den Saisonstart anders vorgestellt«, meinte auch Wacker-Manager Florian Hahn. »Aber wir wissen, dass unsere Jungs wesentlich mehr leisten können.« Am Tivoli werde das Team um Alexander Eberlein und Youssef Mokhtari »ein anderes Gesicht zeigen«, schätzt er die Lage nicht aussichtslos ein.

Beim gastgebenden Zweitliga-Absteiger gehört neben Rösler auch der frühere Frankfurter und Schalker Albert Streit zu den bekannteren Namen und somit zu den erfahrenen Kräften, die den sofortigen Wiederaufstieg realisieren sollen.

Übrigens: Auch wenn Ronald Schmidt schon mit Wacker in Aachen gespielt hat, so kennt er das aktuelle Stadion noch nicht. Der neue Tivoli wurde nämlich erst im Jahr 2009 eröffnet und bietet insgesamt Platz für gut 33 000 Zuschauer. Bei der heutigen Alemannia-Heimpremiere wird er zwar nicht rappelvoll, aber doch ganz gut gefüllt sein. Im gelb-schwarzen Lager herrscht jedenfalls große Zuversicht: »Zuletzt in Bielefeld waren wir über 90 Minuten die bessere Mannschaft«, meinte Alemannia-Trainer Ralf Aussem, »wir sind definitiv auf einem guten Weg, auch wenn sicher hier und da noch Luft nach oben ist.« Gleiches gilt erst recht für den SV Wacker. cs