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Rundfahrt in China ist Daniel Bichlmanns nächstes Ziel

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In Gullegem mischte er weit vorne mit: Der Traunsteiner Daniel Bichlmann (links) verfolgt hier Philip Gilbert, einen der Favoriten des Rennens.

Eine starke Leistung bot der Traunsteiner Radrennfahrer Daniel Bichlmann zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften in Baunatal. Dort war die Konkurrenz sehr stark. So trat das Team Giant-Shimano mit sieben Fahrern an, um die deutschen Tour-Hoffnungen Marcel Kittel und John Degenkolb in eine gute Position zu bringen.


Gutes Resultat

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Rund 45 Mann waren nach fast 210 Kilometern noch im Hauptfeld dabei – darunter auch Bichlmann: »In einer sehr guten Position habe ich den letzten Kilometer erreicht, aber ein kleiner Fehler, ein kurzes Zögern 400 Meter vor dem Ziel hat mich alle Hoffnungen auf einen Top-Ten-Platz gekostet«, bedauert der mittlerweile in Siegsdorf wohnende Traunsteiner. So kam er – zeitgleich mit dem neuen Deutschen Meister Andre Greipel, der ebenfalls bei der Tour de France dabei ist – auf Rang 18. »Das ist dennoch ein zufriedenstellendes Resultat für mich und mein Team Bike Aid - Ride for help«, bilanziert der 25-Jährige.

Somit konnte er sich darüber freuen, dass er inzwischen wieder sehr gut in Form ist. Dies war bei seinen diversen Einsätzen zuvor nicht immer so.

Nach den starken Leistungen bei der Kamerun-Rundfahrt (wir berichteten) flog er im Anschluss nach Marokko zur »Tour de Marocc«, dem längsten und härtesten Etappenrennen des afrikanischen Kontinents. Aber trotz der hervorragenden Organisation habe er dort nie den »richtigen Tritt« gefunden, beklagt er. »Ich konnte außer meinen Helferarbeiten für unseren Rundfahrtskapitän Dan Craven keine besonderen Akzente setzen.«

Es folgte eine beschwerliche Heimreise von Casablanca über Paris und Berlin bis nach Salzburg, welche über 35 Stunden dauerte. Die folgenden vier Wochen waren von Pech und Krankheit geprägt.

Bei »Rund um Köln« war er früh in einen Massensturz verwickelt und konnte nicht mehr den Anschluss an das Hauptfeld herstellen. Erkältet und nicht vollständig regeneriert kam er als Vorjahressieger beim »Rosenheimer Straßenpreis« auf Rang vier, »das war für mich vor heimischer Kulisse eine riesige Enttäuschung.«

Beim deutschen Traditionsrennen »Finanzplatz Eschborn Cityloop« (früher »Rund um den Henninger Turm«) musste er einer offensiven, starken Anfangsphase im Finale Tribut zollen und das Rennen vorzeitig – wie viele namhafte Profis – 20 km vor dem Ziel beenden.

Allein gegen starke Teams

Als Favorit bei der Bayerischen Meisterschaft in Buch am Erlbach gelang es ihm nicht, die zahlenmäßig weit überlegenen Teams abzuschütteln. So gab er die Verfolgung einer sieben Mann starken Spitzengruppe auf und wurde Achter. Krank gab er beim Schweizer Eintagesrennen »Tour de Bern« nach ca. 150 km auf. Beim Rundstreckenrennen in Neuötting zwang ihn frühzeitig ein irreparabler Defekt zur Aufgabe. Beim »Fleche de Sud« (Luxenburg) ging es endlich wieder besser. Bei der fünftägigen Rundfahrt durch Luxemburg war er der Fahrer mit den meisten »Fluchtkilometern« und wurde knapp geschlagen Zweiter der Sprintgesamtwertung.

In Belgien folgten zwei bedeutende Eintagesrennen. Beim »Kirmes-Rennen« in Gullegem standen unter anderem Tom Boonen, Fabian Cancellara, Philip Gilbert, Marc Cavendish, Nici Terpstra am Start. Bichlmann kam nach 190 km auf den 17. Platz, »was angesichts der Weltklassebesetzung doch ein sehr anständiges Ergebnis ist«, freut er sich.

Sieg für Boonen

Drei Tage später war der Übermacht von Omega-Pharma/Quick Step auf einem windanfälligen Kurs in Heist op ten Berg bei Antwerpen nichts entgegenzusetzen. Nur 17 Fahrer (er nicht) kamen ins Ziel, es siegte Tom Boonen. In der siebenköpfigen Spitzengruppe waren ausschließlich Pro-Tour-Fahrer dabei.

Tags darauf ging es für den Traunsteiner und seinen Teamkollegen Yanick Maier in das kanadische Québec. In der französischsprachigen Region findet mit der »Tour de Beauce« die älteste nordamerikanische Rundfahrt statt. »Auf den sechs Etappen war alles dabei, was eine richtige Rundfahrt ausmacht. Eine 220 km lange Flachetappe, drei mittelschwere Etappen, eine 8-km-Bergankunft nach einer 160 km langen schweren Bergetappe und ein 30 km langes Einzelzeitfahren«, zeigt er sich begeistert.

Die vierte Etappe wurde auf einen 14 km langen Rundkurs durch Québec ausgetragen. »Das war eine der schönsten Etappen, die ich jemals gefahren bin«, freut sich Bichlmann. Mit einem 16. Platz sprang hier auch sein bestes Ergebnis bei dieser Rundfahrt heraus.

Aus der wunderschönen Stadt Québec ging es über New York – wo er seinen Anschlussflug verpasste – nach Amsterdam und auf dem Heimweg nach Stuttgart zum »Hohenheimer Schlossrennen«. Als Vorjahreszweiter hatte er dort die versammelte deutsche Elite, allen voran Danilo Hondo und Jens Voigt, als Gegner.

Wieder in guter Form

Hondo spielte seine Erfahrung voll aus und gewann. Der Traunsteiner war bei diesem schweren Rennen (über 2000 Höhenmeter auf 95 km) in der Sechs-Mann-Spitzengruppe um Hondo und Voigt, musste aber 8 km vor dem Ziel mit muskulären Problemen aufgeben. Die unzähligen Stunden im Flugzeug und im Auto, das mangelnde Training und der Jetlag waren zu viel. Jedoch erkannte er, dass er in grundsätzlich guter Form war – und bestätigte dies bei den Deutschen Meisterschaften.

Nun ist er für drei Wochen in China. Dort findet im Hochland die 15-tägige »Tour of Quinghai Lake« statt. Die Rundfahrt – mit etwa dem gleiche Niveau wie die Bayern-Rundfahrt – über 2700 Kilometer »ist die wohl größte sportliche Herausforderung 2014 für mich.« Er scheint dafür gut gerüstet. who