weather-image
21°

Ruhpoldinger Ski-Pionier hat noch viel vor

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Der Ruhpoldinger Anton Plenk ist nach wie vor in seiner Firma aktiv. An seinem Geburtstag – der Ski-Pionier wird heute 85 Jahre alt – will er es aber mal etwas ruhiger angehen lassen.

In drei Jahren feiert der SC Ruhpolding sein 100-jähriges Bestehen, da will er dabei sein. Heute feiert Anton Plenk seinen 85. Geburtstag und das mit einer erstaunlichen Fitness. Zuletzt ist er beim Biathlon-Weltcup in der Chiemgau-Arena wieder als freiwilliger Helfer dabei gewesen. Über 40 Jahre begleitet der Mann mit dem markanten »Stoaklopfa-Huat« in verschiedenen Funktionen die Biathlon-Wettkämpfe. Er hat auch den kometenhaften Aufstieg der Sportart miterlebt.


Am Anfang hat er geholfen, Hunderte von Luftballons vor den Rennen aufzublasen. Damals haben die Skijäger mit ihren großkalibrigen Waffen noch auf Luftballons geschossen. Seit ein paar Jahren ist er Kampfrichter in der Wechselzone bei den Staffelbewerben und Starter beim Einzel. Dabei hat er ganze Generationen von Biathleten kennengelernt.

Anzeige

»Das ist heute nicht mehr möglich«

»Früher hat man mit den Sportlern oft noch kurz vor den Rennen einen Witz gemacht. Das ist heute nicht mehr möglich, da sind sie zu konzentriert. Nach dem Rennen zupfen die Reporter an ihnen herum. Früher ist es etwas gemütlicher zugegangen«, erinnert er sich. Neben seinem Geburtstag feiert Anton Plenk in diesem Jahr auch sein 70-jähriges Berufsjubiläum als Zimmerer.

Anfang der 60er Jahre hat er zusammen mit seinem Bruder Jochen an der Entwicklung von Langlaufskiern getüftelt. Die ersten Bretter wurden aus Eschenholz gefertigt. 1964 brachte Plenk den sogenannten Wanderski heraus. Nach einigen Versuchen mit PK-Schaum gelang es den Plenks, den ersten Langlaufski mit Kunststoff für den Rennbereich zu bauen. Damals ist auch die Idee des Skiwanderns in Ruhpolding entstanden. »Die Teilnehmer hatten ihren Spaß und haben im Ziel eine Urkunde mit Foto erhalten«, erinnert sich der Ski-Pionier. Höhepunkt ist der Silvesterlauf gewesen. 25 Jahre ist dieser ein fester Bestandteil im Sportkalender der Gemeinde gewesen. Bis zu 1200 Teilnehmer sind dabei gewesen.

Anton Plenk besitzt auch einen außergewöhnlichen Schatz. Er hat alles gesammelt, was in den vergangenen 100 Jahren in Ruhpolding los gewesen ist. Fotos und Filme aus den Bereichen Sport, Brauchtum, Tourismus und Kultur, alles ist feinsäuberlich in Kartons in seinem Büro aufbewahrt. Daneben hat er auch alte Schriftstücke und Urkunden in Klarsichthüllen abgeheftet. »Ich hoffe, es findet sich jemand, der das alles verarbeitet.«

Der Jubilar ist auch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Fernseh- und Radio-Stationen haben den Anton gerne vor dem Mikrofon. Zum Beispiel die Geschichte über den legendären »Zeller Sepp«. Der erste Animateur im Tourismus, bevor überhaupt jemand diesen Ausdruck gekannt hat. Auch wie Ruhpolding zum Ruf des »Sündigen Dorfes« gekommen ist, hat er miterlebt. »Im Fasching sind in den 50er Jahren mal Go-Go-Girls aus Salzburg »Oben Ohne« aufgetreten. Die Verantwortlichen haben danach beim Pfarrer zum Rapport deswegen antreten müssen«, meint er schmunzelnd.

Mittlerweile ist es Anton Plenk im Dorf zu ruhig geworden. »Es hat sich vieles gewandelt und nicht nur zum Vorteil«, sagt er, der noch täglich in seiner Firma ist. Nur heute, da will er es ruhiger angehen lassen und seinen Ehrentag genießen. Traditionell feiert er wieder – wie seit Jahren – mit Biathlontrainer Wolfgang Pichler, der feiert heute nämlich auch – und zwar seinen 62. Geburtstag. SHu