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Rückreise statt Training in Russland

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Er will sich – trotz aller Widrigkeiten – gut auf die kommende Saison vorbereiten: Eisspeedway-Pilot Stefan Pletschacher. (Foto: Wukits)

Der Ruhpoldinger Stefan Pletschacher geht in seine 20. Saison als Eisspeedway-Pilot – doch was er jetzt erlebte, war selbst für ihn neu. An der weißrussischen Grenze hätte er eine Kaution von 3000 Euro hinterlegen sollen. Das wollte er nicht tun – und nach gut zehnstündigen Verhandlungen ging es wieder zurück in die Heimat, statt ins Trainingslager nach Russland.


»Ich wollte nach Kamensk-Uralsky in Russland, wo ich ja schon öfter zur Vorbereitung war. Aber die weißrussischen Grenzer wollten mich nicht weiterfahren lassen, obwohl ich alle offiziellen Dokumente dabei hatte«, schimpft der 37-Jährige. Da half nicht einmal die Fürsprache von Ex-Weltmeister Anatoli Bondarenko, der als Pletschachers Trainer wieder dabei war. »Sogar der war entnervt, und auch an einem anderen Grenzübergang wurden wir zurückgewiesen«, ärgert sich der WM-Pilot. »Dabei hätten die Weißrussen ja als Transitland sogar die Autobahngebühren von uns kassieren können.« Er ist sich sicher: »Die 3000 Euro hätte ich nie wieder gesehen. Ich hätte sogar das Essen wegschmeißen sollen.«

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Für alternative Strecken wäre es zu spät gewesen, und so blieb – nach 24 Stunden Fahrt und gut 10 Stunden Stillstand – nur die Rückkehr. »Ich bin 3500 Kilometer umsonst gefahren, jetzt hoffe ich, dass ich für nächste Woche noch kurzfristig ein Training organisieren kann«, so Pletschacher.

Denn der Pilot des Teams Stahlwerk Annahütte will sich möglichst gut auf die kommende Saison vorbereiten. Bei der Kondition ist ihm dies schon gelungen – auch dank der Motivationskünste seines Sohnes Luca (14 Jahre). »Wenn ich abends gegen 20 Uhr von der Arbeit heimgekommen bin, war ich oft müde und wollte nichts mehr machen. Aber er hat gesagt: Papa, geh in den Keller.« Denn da stehen die Fitnessgeräte herum, »und dann habe ich wirklich fleißig trainiert«, berichtet der 37-Jährige.

Auch technisch sieht er sich gut gerüstet für die kommende Saison. »Mein Papa hat wieder die Motoren vorbereitet, und Sepp Pfeffer (Zupin Motorsport) hat das Fahrwerk gemacht.«

Unabhängig davon, ob es in der kommenden Woche mit einem Trainingslager klappt: Auf jeden Fall wird Pletschacher Anfang Januar in Oulu (Finnland) üben. »Dort richtet ein Freund die Bahn für mich her.« Daher hofft er auch, dass er für die erste WM-Qualifikation am 7. Januar 2017 in Ylitornio (Finnland) nominiert wird, »weil das nur gut 200 Kilometer von Oulu entfernt ist.« Dem Deutschen Motorsport Bund (DMSB) stehen in Finnland zwei Startplätze zu, für die zweite WM-Qualifikation (14. Januar 2017) in Strömsund (Schweden) drei Startplätze.

Dort geht es um die Qualifikation für die Einzel-WM (Grand Prix), aber natürlich auch darum, sich einen der drei Teamplätze für die Team-WM zu sichern – schließlich wird diese am 11./12. März 2017 in der heimischen Max-Aicher-Arena in Inzell ausgetragen.

Je sechs Piloten pro WM-Qualifikation schaffen den Sprung in den Grand Prix, hinzu kommen zwei permanente Wildcards, die der Weltverband FIM vergibt, sowie eine Wildcard je Veranstalter. Weltmeister Dimitri Khomisewitsch ist der einzige Fahrer, der für den GP von vorneherein gesetzt ist.

»Ich will auf jeden Fall wieder in den Grand Prix. Für die Team-WM sind derzeit Günther und Luca Bauer, ich, Max Niedermaier, Helmut Weber und Markus Jell beim Weltverband genannt. Die besten Drei nominiert dann der DMSB für Inzell – und da will ich dazugehören«, betont der Ruhpoldinger.

Angesichts seiner Leistungen in den vergangenen Jahren erscheint das auch realistisch. Die ersten zwei Grand-Prix-Veranstaltungen sind dann in Russland angesetzt: Am 4./5. Februar 2017 der GP 1 und 2 in Togliatti, am 11./12. der GP 3 und 4 Februar in Schadrinsk, am Wochenende 18./19. Februar dann im kasachischen Almaty. Da hofft Pletschacher dann darauf, dass er nicht wieder an einer Grenze umkehren muss ... who