Ranggler in ihrem Element

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Mit diesem perfekten »Stierer« legte Hubert Holzner aus Weißbach seinen Gegner beim Almranggeln in der Schwarzachen bei Ruhpolding aufs Kreuz. Die begeisterten Zuschauer erlebten Brauchtumssport vom Feinsten. (Foto: Schick)

Eine erfrischende Portion Sport und gelebtes Brauchtum erlebten die Zuschauer beim Almranggeln in der Schwarzachen bei Ruhpolding, das der Chiemgauer Ranggler- und Haklerverein im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Herbstfest der Berge« durchführte.


Im Mittelpunkt des Nachmittags stand der ausgemähte Platz vor dem Zellerbauern-Kaser, das sogenannte Drähd, das mit Sägespänen markiert und umgrenzt als Kampfarena für die Ranggler diente. Dabei holte sich Thomas Plenk (Inzell) den Gesamtsieg.

War noch vor kurzem beim Alpencup in Inzell die alpenländische Elite am Start, so gaben sich nun die heimischen Ranggler nochmal zum Saisonabschluss ein kräftezehrendes Stelldichein, bevor es endgültig in die Winterpause geht. Damit die Kontrahenten mehr Gelegenheit hatten, ihr Können zu zeigen, wurde nicht wie üblich im K.o.-System gekämpft, sondern im Modus jeder gegen jeden.

Diese Maßnahme zahlte sich nicht zuletzt für die Zuschauer aus, denn sie sahen im Verlauf des Kräftemessens viele mitreißende Aktionen, sowohl aus Standsituationen mit Hüftwürfen, Knüpfern, Armzügen und Schleuderern, oder die Duellanten versuchten sich gegenseitig im Bodenkampf mit rasanten Aufdrehern oder raffinierten »Stierern« (Abzwicken) auf die Schultern zu zwingen. Paul Sieber, selbst mehrere Jahre lang erprobter Klasse-I-Kämpfer, begleitete am Mikrofon mit fachmännischen Kommentaren den Verlauf und gab den Zuschauern wichtige Informationen zur Kampftechnik und den einzelnen Griffen und Würfen.

Schon bei den kleinsten Rangglern zeigte sich die konsequente Nachwuchsarbeit innerhalb des Chiemgauer Rangglervereins, der mittlerweile seit über 60 Jahren besteht und sich seither um den Erhalt der traditionellen Brauchtumssportarten bemüht. Ihr Auftritt rief immer wieder lautstarken Beifall hervor, vor allem, wenn die Schwabl-Brüder Tobi und Maxi zu Werke gingen. Dank ihrer zahlreichen Einsätze in Österreich und Südtirol überzeugten sie mit Kampfroutine. Letztlich siegte Tobi vor Maxi Schwabl, Dritter wurde Seppi Kress vor Florian Stief (alle Inzell).

Bei den Erwachsenen beherrschte einmal mehr Thomas Plenk aus Inzell das Geschehen. Der amtierende Bayerische Meister legte alle Gegner vorzeitig auf Kreuz und sicherte sich so den Tagessieg vor dem überraschend starken Michael Gstatter jun., der drei Siege verbuchte, und dem Weißbacher Hubert Holzner mit zwei Schultersiegen. Hier folgten: 4. Philipp Mittermeier, Chieming, 5. Florian Schmidberger, Weißbach, 6. David Stöberl, Inzell.

Zwischen den Kämpfen sorgten die Musikanten aus den Rangglerkreisen für lockere Stimmung am Fuße des Sonntagshorns, wobei auch Schiedsrichter Michael Gstatter auf der Steirischen mitspielte.

Als touristische Marketingaktion gab es im Anschluss an die Ranggelkämpfe noch Vorführungen in weiteren traditionellen Disziplinen. Dazu gehörten Finger- und Boahakln sowie das Strängkatznziagn, bei dem die Kontrahenten in Liegestützstellung und mit einem Tuch verbunden versuchen, sich rückwärts über eine Linie zu ziehen. ls

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