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Olympische Spiele: Der Traum von Rio 2016

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Die Olympischen Spiele 2016 in Brasilien hat Serge Michel im Visier. Der Traunreuter hat durchaus realistische Chancen auf die Teilnahme in Rio.

Einmal an Olympischen Spielen teilnehmen, einmal mit der deutschen Mannschaft bei der Eröffnungsfeier ins Stadion einlaufen, einmal das unvergleichliche Flair bei der bedeutendsten Sportveranstaltung der Welt genießen. Dies dürfte das große Ziel der meisten Sportler sein – für viele bleibt es aber nur ein Traum. Einer, der sich diesen Traum bereits 2016 erfüllen kann, ist Serge Michel aus Traunreut. »Vor ein paar Jahren war es nur ein Traum, jetzt ist es mein großes Ziel. Ich arbeite akribisch darauf hin und werde alles daran setzen, in Rio für Deutschland starten zu dürfen«, sagt der Boxer.


Die Grundlage dafür, dass er für eine Nominierung infrage kommt, hat der 26-Jährige im zurückliegenden Jahr gelegt. Platz drei beim renommierten Chemie-Pokal in Halle, Einsätze in der deutschen Mannschaft in der internationalen Box-Liga WSB (World Series of Boxing) und als Höhepunkt der Sieg bei der deutschen Meisterschaft in der Klasse bis 81 Kilogramm.

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Erste Profikämpfe in der AIBA-Pro-Boxing-Serie

»Im Vergleich zu 2013, als ich lange verletzt war, verlief 2014 sensationell«, blickt Michel zufrieden zurück. Unter anderem absolvierte er seine ersten beiden Profikämpfe in der vom olympischen Box-Weltverband neu installierten AIBA-Pro-Boxing-Serie (APB). In dieser sind die besten Boxer der olympischen Gewichtsklassen vereint und kämpfen um die Startberechtigung für Rio 2016. Verlief die Premiere mit einem Sieg gegen Joseph St. Pierre (Mauritius) erfolgreich, musste Serge Michel Mitte Dezember eine Niederlage gegen Ex-Europameister Joseph Ward aus Irland hinnehmen. Dadurch lässt sich Michel jedoch nicht von seinem Weg abbringen.

Spezielle Vorbereitung am Stützpunkt in Heidelberg

Über die Weihnachtsfeiertage verbrachte er einige geruhsame Tage im Kreise der Familie. Dazu gehören seine Frau und drei Söhne im Alter von sieben, drei und einem Jahr. Anfang Januar wird der Sportsoldat bei der Bundeswehr wieder an den Stützpunkt in Heidelberg gehen, wo er sich auf ein für ihn sportlich eminent wichtiges Jahr vorbereiten wird. »Da ich in der Spitzensportförderung bin, kann ich mit meiner Familie gut leben. Am Stützpunkt in Heidelberg absolviere ich die spezielle Vorbereitung auf die Kämpfe. In Traunreut mache ich zwischendurch immer Konditions- und Krafttraining«, beschreibt Michel seinen hohen Aufwand.

Ab Februar bestreitet er jeden Monat einen Profikampf in der APB-Serie. »Dort habe ich die besten Möglichkeiten, mich durch möglichst viele Kämpfe und Siege für Olympia 2016 zu qualifizieren, da es die höchstmögliche Boxserie ist und dort die Besten boxen«, so Michel. Sollte ihm die Qualifikation über diesen Weg nicht gelingen, kann er die Verantwortlichen über weitere Wege von seinen Fähigkeiten überzeugen: »Es gäbe dann noch ein spezielles Qualifikationsturnier. Außerdem muss ich weiter zeigen, dass ich in Deutschland in meiner Gewichtsklasse die Nummer eins bin.«

Schnell stellten sich die ersten Erfolge ein

Viel Unterstützung sein Vorhaben, die Teilnahme in Rio, in die Tat umzusetzen erfährt er bei seinem Heimatverein TuS Traunreut. Dort begann er vor 14 Jahren zu boxen. Die Begeisterung für diesen Sport wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Eduard gründete im Dezember 1998 beim TuS die Box-Abteilung. »Ich bin als Kind immer in der Trainingshalle dabei gewesen. Es war so etwas wie mein Spielplatz, ich bin mit diesem Sport groß geworden. Mir blieb quasi nichts anderes übrig, als auch zu boxen«, sagt Michel.

Sehr schnell stellten sich erste Erfolge ein. Seinen ersten Kampf absolvierte er mit zwölf Jahren, es folgten bis 2004 viele Titel auf südbayerischer und bayerischer Ebene, ehe eine Phase in seinem Leben begann, auf die Serge Michel alles andere als stolz ist. »Als ich 15 war, habe ich die Schule nicht mehr ernst genommen, bin viel auf der Straße herumgehangen und habe viel Mist gebaut. Die Strafe dafür habe ich auch bekommen«, so Michel heute.

Johann Wilhelm: »Er ist ein boxerisches Naturtalent«

Erst 2010 fand er wieder den Weg ins normale Leben zurück. Dabei war ihm das Boxen ein hilfreicher Weggefährte. »Ich habe dadurch Disziplin, Durchhaltevermögen und Willen gelernt«, so Michel. Nach seiner Rückkehr in den Ring kamen schnell Erfolge zurück. Dies gipfelte im deutschen Meistertitel in diesem Jahr. Dass Serge Michel wirklich auf den richtigen Pfad zurückgefunden hat, wird auch dadurch dokumentiert, dass er inzwischen die Mittlere Reife erlangt hat.

Einer, der Serge Michel schon lange kennt, ist Johann Wilhelm, Abteilungsleiter der Boxer beim TuS Traunreut. »Schon in frühen Jahren hat man gesehen, dass Serge großes Potenzial hat. Er ist ein boxerisches Naturtalent«, sagt Wilhelm. Daran, dass Serge Michel die Olympia-Qualifikation schafft und somit der TuS Traunreut einen Olympioniken stellen wird, hat Wilhelm keinen Zweifel: »Wenn Serge verletzungsfrei bleibt, wird er es schaffen.« apf

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