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Olympische Spiele 2021 als neues großes Ziel

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Ausdauer- und Krafttraining standen für den dreifachen Deutschen Meister über 800 Meter, Benedikt Huber (vorn) beim DLV-Trainingslager in Südafrika mit rund 50 Mittel- und Langstreckenläufern auf dem Programm. Da der reguläre Rückflug wegen der Corona-Pandemie gefährdet war, endete es einige Tage früher als geplant.

Das Coronavirus hat auch längst die Welt des Sports erfasst und mittlerweile sogar fast vollständig zum Erliegen gebracht. Seit Kurzem steht fest, dass die eigentlich von 24. Juli bis 9. August 2020 geplanten Olympischen Sommerspiele in Tokio ebenfalls erst 2021 stattfinden werden.


Diese Entscheidung war alternativlos, denn die Gesundheit der Athleten und Zuschauer muss immer an oberster Stelle stehen. Dies sieht auch der heimische Ausnahmeläufer Benedikt Huber so, der sich nach seinen Leichtathletik-EM-Teilnahmen 2016 und 2018 heuer seinen Olympia-Traum erfüllen wollte – und nun eben auf die Olympischen Spiele 2021 hofft.

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Nachdem der 800-Meter-Spezialist die Hallensaison aufgrund eines eingeklemmten und später entzündeten Nervs im Oberschenkel streichen hatte müssen, wollte er sich die notwendigen Weltranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation ab Mai bei topbesetzten Leichtathletik-Meetings im In- und Ausland holen. Fünf starke Ergebnisse hätte er gebraucht. Doch angesichts der coronabedingten Absageflut wäre das Unterfangen sowieso immer schwieriger geworden, so der 30-jährige Pallinger, der seit einigen Jahren für die LG Telis Finanz Regensburg läuft. Sein großes Ziel Olympia sei jetzt aber nicht vom Tisch, sondern nur um ein Jahr verschoben.

Zuletzt weilte Huber (von 2. bis 19. März) mit rund 50 anderen deutschen Mittel- und Langstreckenläufern im Höhentrainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Südafrika, um in der malerisch gelegenen Kleinstadt Dullstroom (gut 250 Kilometer östlich von Johannesburg) die Grundlagen für eine harte Saison zu legen. Dauerläufe, Intervallläufe im flachen und bergigen Gelände sowie Krafttraining standen dort auf dem Programm. »Bei der Ausdauer bin ich jetzt bei 100 Prozent, doch man darf natürlich nicht zu früh in Topform sein, denn diese kann man nur etwa sechs Wochen halten«, erklärt Huber. Er wollte bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften Anfang Juni in Braunschweig seinen vierten 800-Meter-Einzeltitel nach 2016, 2017 und 2018 einfahren. Seit der Olympia-Absage ist nun aber klar, dass auch die nationalen Titelkämpfe nicht zum ursprünglich geplanten Zeitpunkt stattfinden werden.

Derzeit wird nach einem Alternativtermin in der zweiten Sommerhälfte gesucht. Ob die Leichtathletik-Europameisterschaft Ende August in Paris planmäßig über die Bühne gehen kann, erscheint ebenfalls fraglich.

Im südafrikanischen Dullstroom waren die Trainingsbedingungen laut Huber optimal. Auch das dortige Spätsommerwetter habe perfekt mitgespielt. »Wir hatten immer 20 Grad plus und nur zweimal hat es kurz geregnet«, so der Pallinger, der meistens mit einer elfköpfigen Gruppe von Mittelstreckenläufern, darunter einige ambitionierte Nachwuchsathleten, um DLV-Disziplintrainer Georg Schmidt trainierte. Täglich standen gewöhnlich zwei Einheiten an, eine vormittags und eine nachmittags. Alle zwei, drei Tage habe man einen Physiotherapeuten aufsuchen können und jeder Tag sei von früh bis Abend durchstrukturiert gewesen, lobt Huber.

Zwei trainingsfreie Nachmittage nutzte man für einen Besuch eines sehenswerten Wasserfalls. Ein Besuch des einige Fahrstunden östlich gelegenen weltberühmten Kruger Nationalparks sei zeitlich und organisatorisch leider nicht möglich gewesen, bedauert Huber, der zu jenem Athleten-Drittel gehörte, das mangels Kaderzugehörigkeit die Flüge und die Unterbringung aus eigener Tasche bezahlen musste. In dem gemütlichen »Guesthouse«, in dem er mit vier anderen Mittelstreckenläufern gewohnt habe, sei manchmal sogar zusammen gekocht worden und auch die gemeinsamen Abende seien sehr lustig gewesen.

Dass das eigentlich dreiwöchige Höhentrainingslager nach 17 Tagen vorzeitig abgebrochen werden musste, habe sich aufgrund der Corona-Entwicklung zunehmend abgezeichnet, berichtet Huber. Wie seine Kollegen habe er sich per Internet und WhatsApp stets über die aktuelle Lage informiert, auch wenn Corona in Südafrika selbst noch kein großes Thema gewesen sei. Man habe aber erfahren, dass der DLV später terminierte Auslandstrainingslager für andere Athleten kurzfristig gecancelt hatte.

Als dann auch noch Gerüchte aufgekommen seien, dass Rückflüge aus Südafrika schon bald nicht mehr möglich sein könnten, hätten die Verantwortlichen die Reißleine gezogen und die vorzeitige Heimreise organisiert, so Huber. »Die U-18-Läufer sind als erstes heimgeflogen, ich war dann am dritten Tag dran«, erzählt der Ingenieur, der nun nach seiner Rückkehr in die Heimat weiterhin zweimal täglich trainiert – vor und nach dem Homeoffice für die BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut.

In engem Kontakt steht Huber dabei mit seinem Regensburger Trainer und Vertrauensmann Kurt Ring, mit dem er auch in Südafrika regelmäßig telefoniert und sich ausgetauscht hatte. Da man derzeit nicht absehen könne, wann die Freiluftsaison beginne und welche Wettkämpfe es überhaupt geben werde, »sind die Spannung und Motivation jetzt schon etwas raus«, räumt Huber ein. Auch deshalb werde er im Training in Palling nun »etwas Gas rausnehmen«. Das Wichtigste sei es sowieso, gesund zu bleiben. mmü

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