Olympia-Premiere nach einer Saison ohne Wettkämpfe?

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Gut in Schwung: Karolin Horchler vom Stützpunkt Ruhpolding hatte 2020 bei der WM in Antholz mit der deutschen Staffel Silber geholt. Nun greift sie nach einem Jahr ohne Wettkampf-Einsätze wieder an. Foto: dpa

Trotz aller bevorstehenden Anstrengungen: Die deutschen Biathletinnen freuen sich auf die Saisonvorbereitung, die seit dieser Woche im Gange ist. Besonders groß ist die Vorfreude bei Karolin Horchler (WSV Clausthal-Zellerfeld): Die Sportlerin des Stützpunkts Ruhpolding hatte in der vergangenen Saison keinen einzigen Wettkampf bestreiten können.


Anfang Juni 2020 hatte sie sich beim Krafttraining – wohl wegen einer Überbelastung – einen Rippenbruch zugezogen. Im Juli folgte bei einem Lehrgang mit der Mannschaft der abermalige Rippenbruch – und eine längere Ruhephase. Im November ging's zumindest wieder auf die Skier, dennoch musste sich die 31-Jährige zunächst voll darauf konzentrieren, erst einmal richtig ins Training einsteigen zu können. Das klappte gut.

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Ihre Schienbeine, die sie sich in der trainingsfreien Phase im April 2020 wegen Schmerzen bei den Muskeln (Kompartmentsyndrom) operieren hatte lassen, kann sie problemlos belasten, »das ist richtig gut.«

Auch die Rippe ist gut verheilt. Zwar »reagiert das Gewebe drumherum bei hohen Belastungen schneller, auch die Muskulatur, aber es schränkt mich nicht ein«, freut sich die 31-Jährige. »Langweilig« wurde es ihr auch nicht: »Das war immer abwechslungsreich, ich hatte immer wieder andere Pläne und hatte nie das Gefühl, dass das eintönig wird.«

Heuer pausierte sie – wie ihre Teamkolleginnen auch – im April für einige Zeit. »Ja, das war für mich auch wichtig. Schließlich hatte ich sehr, sehr viel trainiert«, berichtet Horchler.

Nun sollte sie mit gleich guten Voraussetzungen wie ihre Teamkolleginnen in die Vorbereitung starten können. »Ja, davon gehe ich aus«, bestätigt sie – und gewinnt dem Ausfall der vergangenen Wettkampfsaison für sie auch noch etwas Gutes ab: »Mir kommt zugute, dass ich die stressige Wettkampf- und Reisephase nicht hinter mir habe.« Im Gegenzug »fehlt mir aber halt die Wettkampfhärte.«

Die will sie sich nun erarbeiten. Dabei ist ihr Trainingsplan insofern leicht abgeändert, »weil es ja zuletzt ein komplett anderer Winter für mich war. Wir haben bei den Intensitäten etwas umgestellt, aber ansonsten kaum. Wir wissen ja, was bei mir gut anschlägt«, setzt sie mit dem Trainerteam vorwiegend auf Bewährtes. »Natürlich wird da immer noch etwas feinjustiert.« Weil Horchler bei den Wettkämpfen in der vergangenen Saison nicht dabei war, sah sie auch ihre Teamkolleginnen wesentlich seltener als üblich. »Deshalb habe ich mich zuletzt besonders gefreut, als wir zusammen in der Schießhalle waren« – und sie sich fast schon wie ein »Neuling« gefühlt habe.

In den ersten gemeinsamen Übungseinheiten wurden schon Einheiten in Grundlagenausdauer, aber auch Krafttraining und teilweise intensive Einheiten absolviert. Am heutigen Freitag geht's für das Team zu einem zehntägigen Radtrainingslager auf Mallorca.

Auch darauf freut sich Horchler. Natürlich gelten auch bei diesem Lehrgang wieder die Hygieneregeln im Zeichen der Corona-Pandemie, auch zahlreiche Corona-Tests gehören zum Programm.

Dieses beinhaltet auch Ende Mai eine sportärztliche Untersuchung in Leipzig. Insgesamt gebe es bei der Vorbereitung im Sommer laut Trainingsplan »viel zu tun.« Die Ziele sind hoch, schließlich hofft Horchler darauf, sich möglichst bald im kommenden Winter in die Weltcup-Mannschaft kämpfen zu können. Dort gilt es dann, gute Leistungen zu zeigen – denn im Februar 2022 finden in Peking (China) die Olympischen Winterspiele statt – und dafür will sie sich qualifizieren.

Ein erster Formtest werden dann die Deutschen Meisterschaften (Ende August oder Anfang September) sein. Es sind ihre ersten Wettkämpfe seit März 2020. Die Entscheidung über die Plätze in den internationalen Wettkämpfen (Weltcup und IBU-Cup) fällt aber voraussichtlich erst beim Schneelehrgang im November kurz vor Saisonbeginn.

Horchler will sich dabei gut präsentieren. Schließlich will die Vizeweltmeisterin 2020 (mit der Staffel) ihren Traum von der ersten Olympia-Teilnahme verwirklichen. Es wäre ein weiterer Meilenstein in ihrer Karriere: In der Saison 2017/18 hatte sie den IBU-Cup-Gesamtsieg gefeiert, sich 2019 erstmals für eine WM qualifiziert (in Östersund/Schweden wurde sie jedoch nicht eingesetzt) und 2020 in Antholz (Italien) ihre erste WM-Medaille geholt. 2022 möchte sie in China ihre Olympia-Premiere feiern – und hätte sicher auch dort nichts gegen eine Medaillen-Premiere einzuwenden ...

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