»Ohne die Verlagerung gäbe es dieses Stadion nicht«

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Altbürgermeister Herbert Ohl und Anton Plenk (rechts), zwei Urgesteine des Skiclubs Ruhpolding, freuen sich über die neue Info-Tafel, die dem Skisprung-Kapitel der Großschanze am Zirmberg und damit dem Entstehen der Chiemgau Arena gewidmet ist. Das Unterschriftenbuch mit vielen Skisprung-Stars aus der glorreichen Zeit zeugt von vielen hochkarätigen Wettkämpfen. (Foto: Schick)

Vor 60 Jahren gab es innerhalb des 1920 gegründeten Skiclubs und der Gemeinde richtungsweisende Entscheidungen, die auf die Bedeutung Ruhpoldings zu einem der führenden Wintersportorte in Deutschland großen Einfluss hatten: Es war der Bau der Großschanze am Zirmberg. Diesem sollte später noch die Grundsteinlegung für die Chiemgau-Arena folgen, dem heutigen Olympiastützpunkt und publikumsträchtigen Austragungsort hochkarätiger Biathlon-Wettkämpfe.


Bis es allerdings so weit war, gehörte das schneesichere Gelände an der Bundesstraße 305 ausschließlich und allein den Skispringern, die auf der imposanten Anlage mit Naturanlauf – ähnlich wie in Bischofshofen – ihre Weitenjagden in den Schnee setzten und mit sensationellen Sprüngen aufhorchen ließen. Schanzenrekord 2003: 131,5 Meter durch den Österreicher Reinhard Schwarzenberger; weitester Trainingssprung sogar 138 Meter. An dieses nordische Wintersportkapitel und wie alles Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann, erinnert seit Kurzem eine neu gestaltete Info-Tafel. Sie bildet nun den Auftakt zur bisherigen, 18-teiligen Info-Serie, die sich in komprimierter Form mit dem Werdegang der Chiemgau-Arena beschäftigt. Die gut lesbaren Tafeln sind weitgehend chronologisch angelegt und, vom Stadion-Ausgang kommend, mit Blick auf die imposanten Schanzenanlagen am Staketenzaun angebracht und für jeden Betrachter lohnend. Dass nach sechs Jahrzehnten auch das Anfangskapitel im Nachhinein gewürdigt wird, war das Anliegen von Anton Plenk, dessen Vater und langjähriger Sportwart nordisch maßgeblich die Planung sowie den Bau der Zirmbergschanze vorangetrieben hatte. »Den meisten Zuschauern ist heute nämlich gar nicht bewusst, dass es ohne die Verlagerung der Sportstätten von Maiergschwendt hinüber zum Zirmberg dieses Stadion gar nicht gäbe, jedenfalls nicht in dieser Form«, gibt Anton Plenk zu bedenken. Er, Jahrgang 1932 und Millionen von TV-Zuschauern bekannt als der Mann mit dem grauen Filzhut am Start jedes Biathlon-Rennens, zählt ebenso wie Altbürgermeister Herbert Ohl (Vorsitzender von 1959 bis 1966) zu den absoluten Urgesteinen und Wegbereitern des SCR.

Beide können sich noch gut an die Anfangszeiten erinnern, waren sie doch in verschiedenen Funktionen in den Prozess mit eingebunden. Nachdem bereits 1949 seitens der Athleten der Wunsch nach einer 140-Meter-Sprungschanze laut wurde, bewarben sich Oberstdorf und Ruhpolding um den Zuschlag. Dass die Wahl schließlich auf das Allgäu fiel, war nach Plenks Einschätzung ausgemachte Sache: »Die dortigen Springerlegenden Sepp Weiler, Toni Brutscher und Heini Klopfer waren eben zu populär.« Als jedoch der SCR mit der Ausrichtung der Deutschen Nordischen Skimeisterschaft für das Jahr 1963 beauftragt wurde, ließ Plenks Vater auf der Suche nach einem geeigneten Standort für das Unternehmen Großschanze nicht mehr locker, studierte am Zirmberg-Gelände akribisch genau grundlegende Kriterien wie Wind- und Witterungsverhältnisse, Schattenwurf und Schneesicherheit. Denn mit der altehrwürdigen Adler-Schanze in Maiergschwendt war aufgrund der modernen Anforderungen kein Staat mehr zu machen.

Nun ging es Schlag auf Schlag. Bereits zwei Tage nach Plangenehmigung erfolgte am 8. Dezember 1961 der Spatenstich und nach einer winterlichen Rekordbauzeit von nur zwei Monaten war das Mammutprojekt am 14. Februar 1962 fertiggestellt, das drei Wochen darauf bereits mit dem Internationalen Eröffnungsspringen seinen Wettkampfbetrieb aufnehmen konnte. Im Februar 1963 dann präsentierte sich die neue Großschanze bestens präpariert einer gigantischen Zuschauerzahl, wie auf der Tafel festgehalten ist.

Umjubelte Stars damals waren Georg (Jörgli) Thoma, Franz Keller und aus heimischer Sicht Helmuth Wegscheider, der zehn Jahre den Schanzenrekord mit seinem 101-Meter-Sprung hielt. All diese Höhepunkte, die der Wintersportort Ruhpolding in dieser Zeit erlebte, waren eben nur durch die Visionen und das unermüdliche Engagement der damaligen Protagonisten Realität geworden. Einer Realität, der man nach dem jetzigen Stand der Dinge nur eine ungewisse Zukunft bescheinigen kann.

ls

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