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»Nur durch strenge Kontrollen kann man sauberen Sport gewährleisten«

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Magnus Schuhbeck fungiert während des Weltcups in der Chiemgau Arena als Chef Dopingkontrolle.

Biathlon ist mittlerweile in vielen Ländern eine solch populäre Sportart, dass der Weg in die Weltspitze nur noch sehr wenigen Athleten vergönnt und mit jahrelanger, harter Trainingsarbeit verbunden ist. Als Ausdauersportart ist die Disziplin aber nicht gefeit vor Betrügern, die mit Hilfe von Doping versuchen, sich Vorteile gegenüber der fair agierenden Konkurrenz zu verschaffen. Um Doping zu bekämpfen sowie Dopingsünder zu entlarven und damit das Ansehen der Sportart zu schützen und einen fairen Wettkampf zu garantieren, unternimmt der Biathlon-Weltverband IBU große Anstrengungen. Unterstützt wird er dabei von freiwilligen Helfern an den jeweiligen Weltcup-Stationen. Beim Weltcup in Ruhpolding übernehmen diese Aufgaben Magnus Schuhbeck und seine Mitarbeiter.


»Nur durch strenge Kontrollen kann man sauberen Sport gewährleisten«, sagt Schuhbeck. Der 61-jährige Geschäftsmann ist seit 1989 Chef der Dopingkontrolle beim Weltcup in der Chiemgau Arena. Zuvor war Schuhbeck zehn Jahre lang als Sportphysiotherapeut beim Biathlon-Kader der BRD beschäftigt und betreute dabei Größen wie Fritz Fischer, Peter Angerer oder Herbert Fritzenwenger. Schuhbeck erinnert sich, dass zu Beginn seiner Zeit bei der Dopingkontrolle »vielleicht 1000 oder 1500 Leute« zum Weltcup nach Ruhpolding gekommen seien und dass auch »die Dopingkontrolle noch in den Kinderschuhen steckte. Damals wurden während des Weltcups zwei, drei Urinproben genommen.« Über die Jahre habe sich viel geändert. »Wie sich der Sport entwickelt hat, hat sich auch das Drumherum entwickelt und eben auch die Dopinggeschichte«, erzählt der gebürtige Ruhpoldinger.

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Heute bildet Schuhbeck während der Weltcup-Woche gemeinsam mit einem italienischen Arzt und einer medizinischen Assistentin aus Frankreich, die beide von der IBU beschäftigt werden, ein Team. »Die Obhut für die Dopingkontrolle liegt bei der IBU, nicht beim Veranstalter«, betont Schuhbeck. »Wir unterstützen die IBU.«

Blutkontrollen vor und Urintests nach dem Rennen

Eine von Schuhbecks Hauptaufgaben ist die Koordinierung der 20 Chaperones. Diese ehrenamtlichen Helfer begleiten die Sportler zu den Dopingkontrollen. Bei den Blutkontrollen, die vor dem Wettkampf genommen werden, holen die Chaperones die ausgelosten Sportler im jeweiligen Mannschaftsquartier ab und bringen sie zu den Räumen der Dopingkontrolle im Haupthaus der Chiemgau Arena. Dort wird ihnen eine geringe Menge Blut abgenommen, die dann unmittelbar von einem speziellen Gerät vor Ort ausgewertet wird. Überschreitet der gemessene Hämoglobinwert einen von der IBU festgelegten Grenzwert, erhält der Sportler keine Starterlaubnis für den Wettkampf.

»Der zweite Schritt«, so Schuhbeck, erfolgt nach dem Rennen. Dann müssen die drei Erstplatzierten sowie zwei oder drei ausgeloste Biathleten Urinproben abgeben. Chaperones informieren die betreffenden Sportler im Zielbereich und nach der Bekanntgabe haben diese Biathleten maximal eine Stunde Zeit, um bei der Dopingkontrolle zu erscheinen. In dieser Zeit weicht der Chaperone nicht von der Seite des ihm zugeordneten Sportlers – und in aller Regel auch umgekehrt. »Die Athleten achten immer darauf, wo der Chaperone ist, sogar während Interviews. Sie wollen keinen Dopingverstoß riskieren«, erklärt Schuhbeck.

»Teilweise ist im Stadion schon das Licht ausgegangen«

Ist der Sportler in den Räumen der Anti-Dopingstation angekommen, muss er unter Aufsicht einen Becher mit Urin befüllen. Dies kann manchmal eine Weile dauern. »Stunden um Stunden. Teilweise ist im Stadion schon das Licht ausgegangen«, erinnert sich Schuhbeck an Härtefälle. Vor allem jüngere Sportler, die zum ersten Mal eine Urinprobe abgeben müssen, seien oft nervös und hätten dann Probleme mit dem Wasserlassen. Als Hilfsmittel stehen Getränke in rauen Mengen und ein Ergometer zur Verfügung.

Ist der Becher befüllt, nimmt der Athlet gemeinsam mit Schuhbeck und dem IBU-Arzt an einem Tisch Platz. Dort füllt der Sportler den Inhalt in zwei nummerierte Fläschchen (A- und B-Probe), die er selbst auswählen kann. Diese Fläschchen werden beim Schließen automatisch versiegelt und dann zur Auswertung an ein Labor geschickt. Nur wenn die Probe positiv ausfällt, wird die Nummer später mit dem Namen des Sportlers in Verbindung gebracht. Zudem kann der Biathlet nun gegenüber Schuhbeck und dem Mediziner Angaben zu eingenommenen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln machen. Zum Abschluss unterschreibt er ein Formular und versichert dadurch, dass er während der Dopingkontrolle anständig behandelt wurde und alles korrekt vonstatten gegangen ist.

»Der Prozess muss ganz sauber ablaufen. Man darf keinen Fehler machen. Sonst kann der Athlet im Nachhinein behaupten, dass nicht alles korrekt abgelaufen sei und die Probe wäre ungültig«, betont Schuhbeck. Für erfahrene Athleten sei die Abgabe einer Dopingkontrolle aber meist Routine. Dann herrsche oftmals eine »lockere Atmosphäre. Schließlich kenne ich manche Herren schon ewig«, so Schuhbeck. Wird eine Biathletin getestet, nimmt Schuhbecks Tochter Julia seinen Platz am Tisch ein.

Noch kein Dopingfall in Ruhpolding

Von negativen Nachrichten blieb Schuhbeck in seiner langjährigen Tätigkeit während des Weltcups bislang verschont. »In Ruhpolding hatten wir noch nie einen positiven Fall«, berichtet er. Dies sei auch dem Vorgehen des Weltverbands zu verdanken. »Die IBU unternimmt sehr strenge Maßnahmen«, berichtet Schuhbeck. »Wenn einer standardmäßig dopt, wird er auf kurz oder lang auch erwischt.« Zwar gebe es immer einen »Wettlauf« zwischen Betrügern und Dopingjägern, doch über die Jahre bleibe auch wegen der neuen Nachweisverfahren kaum ein Dopingsünder unentdeckt. Das habe man nicht zuletzt am prominenten Fall Lance Armstrong gesehen, meint Schuhbeck.

Auch zwischen den Weltcups werden die Biathleten immer wieder kontrolliert. Dies übernehmen dann die nationalen Anti-Dopingagenturen, in Deutschland die NADA. Dabei werden die Sportler durchaus vor Herausforderungen gestellt. »Die Athleten müssen für sechs oder acht Wochen im Voraus angeben, wo sie sich wann befinden«, berichtet Schuhbeck. Dies sei nicht immer einfach, aber notwendig, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen. max