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»Noch mitten im Lernprozess drin«

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Für ihn geht es in gut einer Woche im alpinen Ski-Weltcup los: Josef Ferstl vom SC Hammer.

Neues Material - neue Trainer - neue Teamkollegen: Für den Traunsteiner Josef Ferstl gibt es zur neuen Saison im alpinen Ski-Weltcup einige Änderungen. Und diese sollen sich positiv auswirken, war das Abschneiden der Speedfahrer innerhalb des Deutschen Skiverbandes (DSV) in der vergangenen Saison doch unter den Erwartungen geblieben.


»Wir haben letztes Jahr als gesamtes Team immer alles gegeben, aber es lief einfach nicht richtig«, erinnert sich der 25-Jährige. Das Verletzungspech beutelte die ohnehin kleine Mannschaft gewaltig. Andreas Sander (SG Ennepetal), Tobias Stechert (SC Oberstdorf) und auch der inzwischen zurückgetretene Stefan Keppler (WSV Ebingen) wurden durch langwierige Verletzungen zurückgeworfen. »Da war ich dann bei den Rennen oft allein«, so Ferstl.

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Das sei jetzt besser, denn in der Vorbereitung kamen zum etablierten Trio Ferstl, Sander und Stechert auch der ins Weltcupteam aufgerückte Klaus Brandner (SK Berchtesgaden) sowie das Europacupteam (unter anderem mit Ferstls Bruder Christian) hinzu. Bei den Wettkämpfen sind Weltcup- und Europacup-Athleten zwar getrennt unterwegs, aber im Training »war das ein gutes Team, das macht richtig Spaß.«

Dass der DSV wieder Erfolgstrainer Mathias Berthold als Cheftrainer hat und die Speedfahrer den ehemaligen Trainer von Maria Höfl-Riesch, Christian Schwaiger, dabei haben, beflügelt zusätzlich. »Der Christian Schwaiger gibt sehr viel weiter«, freut sich der 25-Jährige.

Er selbst war zwar von der vergangenen Saison enttäuscht, weil es »nur« zweimal – jeweils im Super-G – zu Plätzen unter den besten 30 und damit Weltcuppunkten gereicht hatte, doch es gab auch viel Positives. So konnte er erstmals eine komplette Weltcup-Saison gesund bestreiten und damit auch einige Strecken neu kennenlernen, zum anderen hatte er in den Trainings oft gut mitgehalten.

»Nicht weit weg von den Spitzenleuten«

»Ich habe gesehen, dass es grundsätzlich geht und ich skifahrerisch nicht weit weg von den Spitzenleuten war.« In Kitzbühel – auf seinem Haushang, wo sein Vater Sepp Ferstl 1978 und 1979 gewonnen hatte – hatte er im vorigen Winter sogar bis zur vorletzten Zwischenzeit ein Top-10-Resultat in Reichweite. Doch dort musste eine Variante gefahren werden »und genau dort habe ich dann einen Fehler gemacht.«

So gab es statt Rang 10 den 40. Platz, und im Super-G fehlten Ferstl als 47. nicht mal eine halbe Sekunde zu Stephan Keppler (25. Platz). »Die Top 30 waren da innerhalb von 0,9 Sekunden , das ist schon eine brutale Leistungsdichte«, verdeutlicht er.

Im Umkehrschluss heißt das: Es sind oft »nur« Kleinigkeiten, die zu einem Top-30-Resultat fehlen – und genau die versucht man herauszufinden. Ferstl selbst setzt auf neues Material, daher war er zum Start der Vorbereitungen (Mai/Juni) ausgiebig beim Testen.

Mit der Mannschaft ging es unter anderem nach Chile, wo man heuer aber zu viel Wind und zu wenig Schnee hatte. »Das ist eigentlich das perfekte Speed-Gelände, aber wir konnten dort fast nur Riesenslalom und Slalom üben.« Ausgeglichen wurde dies im Herbst durch »traumhafte Verhältnisse« im Pitztal und Sölden, »da haben wir wieder alles aufgeholt, das war sensationell.«

Zur Vorbereitung gehörte auch das Sommertraining mit gut zehn Einheiten pro Woche. Hier wird sehr vielseitig trainiert, zu Übungen im Kraftraum, Einheiten mit dem Rad, Übungen für das Gleichgewicht kommt unter anderem ein ausgiebiges Oberkörper-Rumpftraining, »und natürlich ist auch die richtige Regeneration wichtig«, erläutert Ferstl. Häufig übte er auch im Olympia-Stützpunkt in Berchtesgaden (Rodlerhalle) sowie Gleichgewicht und Ausdauer bei Traunmed (Josef Schadhauser) in Traunreut.

Diese Anstrengungen sollen sich nun auszahlen, wenn es für die Speedfahrer am 29. November in Lake Louise (Kanada) erstmals um Punkte geht. Am 5. Dezember steht in Beaver Creek (USA) die nächste Abfahrt an, ehe die Rückkehr nach Europa erfolgt, wo es am 19. Dezember in Gröden (Italien) erstmals zur Sache geht.

»Geniale Streckenführung in Kitzbühel«

Für die Strecken gelte: »Alles macht Spaß«. Wobei Gröden »schon noch mehr Spaß« mache, der vielen Sprünge wegen. Und Kitzbühel kenne er von klein auf, »die Streckenführung ist einfach genial« schwärmt er, »da möchte ich endlich mal gut fahren.«

Nahziel ist es, im Rennen »ein Ergebnis unter den Top 30 zu schaffen.« Gelingt dies, soll als nächstes Ziel möglichst ein Startplatz unter den Besten 30 erreicht werden. Und man wolle als Team bei der WM in Beaver Creek (2. bis 15. Februar 2015) mehrere Teilnehmer stellen, um möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. Gerade in den Speed-Disziplinen sei Routine sehr wichtig, weiß Ferstl. Er selbst sei da mit seinen 25 Jahren »noch mitten im Lernprozess drin.« Nun hofft er darauf, dass dieser Lernprozess durch gute Resultate belohnt und beschleunigt wird – dann rückt auch sein Fernziel, die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2018, ein Stück näher ... Walter Hohler