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Gabi Hirschbichler (links) und Hubert Hirschbichler (rechts) unterstützen die ukrainische Trainerin Natalia Khochyna (Zweite von rechts) mit Rat und Tat. Sie kann mit ihren Kindern und Jugendlichen aus einem Shorttrack- und Rollsport-Verein aus Sumy im Osten der Ukraine auch in der Max-Aicher-Arena trainieren. Die Geflüchteten (vorne, von links): Volodymyr Zaporozhets, Anna Hryhorenko, Matvei Sporysh, Viktoriia Zaporozhets, Nazar Zadyraka; Mitte, von links: Hlib Khochyna, Sofiia Khochyna, Mariia Sydorko, Sofia Schelekhova, Ulyana Khochyna, Danylo Nesvit; hinten, von links Suprun Dmytro, Ksenya Potapova und Daria Suprun sind überaus dankbar für die Hilfe. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Nach der Flucht den Weltcup im Visier

Sport verbindet und bringt die Menschen über die Grenzen hinaus zusammen! Das zeigt sich jetzt auch wieder beim DEC Inzell auf schöne Art und Weise. Dort trainieren seit einigen Wochen 16 Sportler aus der Ukraine im Alter zwischen vier und 21 Jahren mit. Sie kommen hauptsächlich aus dem Bereich Shorttrack, haben aber vereinzelt auch schon Erfahrung im Longtrack. 


Den Kontakt stellte unter anderem Rudi Kreiner vom Inzeller Flüchtlingshelferkreis her. Der ehemalige Eishockeyspieler des DEC kennt die dramatischen Umstände der Flucht der Gruppe bestens. »Bei der ersten russischen Angriffswelle auf Kiew marschierten die Russen durch Sumy und trieben die Bewohner in die Keller«, erzählt er. »Die Gruppe hatte dann Gelegenheit zur Flucht in komplett überfüllten Kleinbussen – mit nur 30 Minuten Vorankündigung und minimalem Gepäck.«

Insgesamt kamen rund 70 ukrainische Flüchtlinge im März im Chiemgau an. Darunter war eben auch die Gruppe der Sportler aus einem Shorttrack- und Rollsport-Verein in Sumy imOsten der Ukraine sowie ihre Trainerin Natalia Khochyna und acht Mütter.

Weil Sportler untereinander sich bisweilen aber eben auch gut kennen, funkte Natalia Khochyna ihre ehemalige ukrainische Eisschnelllauf-Teamkollegin Inna Demydeko an. Diese wiederum ist mittlerweile Dolmetscherin und lebt mit ihrem Mann in Traunreut. Demydeko war bis 2002 als Eisschnellläuferin in Inzell aktiv und ließ sofort ihre nach wie vor guten Kontakte in die Eisschnelllauf-Metropole spielen.

Der 2. Bürgermeister der Gemeinde, Michael Lorenz, war ebenfalls sofort helfend zur Stelle. Er besorgte unter anderem Unterkünfte und beschäftigt in seinem Autohaus auch einen Mechaniker aus der Ukraine. Zunächst kamen die Geflüchteten teilweise in vorübergehend zur Verfügung gestellten Ferienwohnungen unter, inzwischen konnten sie aber alle langfristig in verschiedene Unterkünfte untergebracht werden – unter anderen auch bei der Familie Hirschbichler, die ja beste Kontakte zum DEC Inzell und zur Max-Aicher-Arena pflegt.

»Von Anfang an trafen sie sich täglich zum Training«, erzählt Rudi Kreiner weiter. »Zunächst war das nur im Freien am Sportplatz möglich, aber inzwischen trainieren sie auch im Inzeller Eisstadion, nachdem ihre Sportausrüstung nachgeliefert werden konnte.« Aber auch die Hilfsbereitschaft in Inzell ist groß: Die ehemalige Eisschnellläuferin Gabi Hirschbichler etwa stellte den Sportlern Fahrräder und Ausrüstung zur Verfügung. Herbert Hochreiter, der in Inzell ein Sportgeschäft und eine Skischule betreibt, besorgte ihnen Kleidung und Schuhe.

Bestens ausgerüstet können die ukrainischen Sportler nun also in ihrer neuen Heimat trainieren. »Sie nutzen zweimal pro Woche den Kraftraum und die Sporthalle und seitdem ihre Inliner nachgeschickt worden sind, gehen sie auch zweimal pro Woche in die Arena zum Inlinetraining«, erzählt Heike Kogler. »Sie trainieren fast täglich in und um das Areal der Max-Aicher-Arena«, ergänzt die Abteilungsleiterin Eisschnelllauf im DEC Inzell.

Und die Sportler sind bereits bestens integriert, wie Heike Kogler weiter zu berichten weiß. »Sofia Khochyna hat sich teilweise der Gruppe von Andreas Kraus angeschlossen. Sie ist ein sehr fleißiges und motiviertes Mädchen, die jetzt mit den Möglichkeiten hier vor Ort den Umstieg von Shorttrack auf Longtrack wagen möchte.« Die 21 Jahre alte Athletin hat dabei zum Ziel, am Neo-Weltcup für die Ukraine teilzunehmen.

Auch die Gruppe der Pinguine um Monika Gawenus hat Zuwachs bekommen. »Ein achtjähriger Bub, der ursprünglich vom Karate kommt, hat bereits geschnuppert und ist mit viel Spaß dabei«, berichtet Kogler weiter. Nun wolle man versuchen, die Kinder weiter zu integrieren, damit sie bald auch Anschluss zu den Inzeller Kindern bekommen.

Helfend zur Hand geht den Geflüchteten auch weiterhin der Helferkreis. »Wir unterstützen sie auch in organisatorischen Angelegenheiten«, betont Rudi Kreiner. Man habe aber auch schon Ausflüge angeboten, »um ihr Leben wieder mit etwas Positivem zu füllen«. Inzwischen sind die Kinder und Jugendlichen übrigens alle in Willkommensklassen in der Schule untergebracht und ihre Mütter lernen fleißig deutsch in den vom Helferkreis organisierten Klassen. Zudem gibt es in Inzell jetzt auch eine Essensausgabe und eine Kleiderkammer.

SHu/SB

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