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Nach dem Daumenbruch nochmal ordentlich durchstarten

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Tanja Wolfertstetter und die Bretter, die für sie die Welt bedeuten: Sechs Paar Ski braucht die Skirennläuferin vom TSV Tengling in einem Winter. (Foto: Aßmann)

Es sind die letzten großen Skirennen im Schülerbereich in diesem Winter – und da will Tanja Wolfertstetter noch einmal ordentlich Gas geben. An diesem Wochenende startet die 15-Jährige vom TSV Tengling beim Deutschen Schülercup-Finale am Feldberg; zwei Wochen später steht am Sudelfeld die Deutsche Schülermeisterschaft auf dem Programm. Dann möchte die Speedspezialistin ihre erfolgreichste Skisaison mit weiteren Topplatzierungen krönen.


Nordcup gleich fünfmal in Folge gewonnen

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Dabei lässt sich die schnelle Skirennläuferin auch von einem Daumenbruch nicht stoppen. Den zog sich Tanja ausgerechnet unmittelbar vor ihrem ersten internationalen Einsatz beim Sieben-Nationen-Ländervergleich am Oberjoch zu. »Mir ist eine Slalomstange an den Daumen geschlagen«, erzählt der Teenager. Der Splitterbruch musste operiert werden. Doch schon zwei Wochen später stand Tanja – ausgerüstet mit einer Spezialmanschette – wieder auf den Brettern.

Mit dreieinhalb Jahren stand Tanja Wolfertstetter erstmals auf Ski. »Sie hatte gerade einen Skikurs absolviert und fuhr den Wolfsberg hinunter. Da hat es sie gleich ordentlich zerlegt. Der eine Ski fuhr einfach ohne sie weiter«, erinnert sich Mama Helga Wolfertstetter, die die Abteilung Ski im TSV Tengling leitet. Doch danach bremste Tanja so schnell nichts mehr aus. Ob Pumuckl-Cup, Kids-Trophy, Genocup oder Sparkassenpokal – überall trug sie sich in die Siegerlisten ein. Die Gesamtwertung im Nordcup entschied die junge Skirennläuferin gleich fünfmal in Folge für sich und auch bei den Wettkämpfen um den Deutschen Schülercup war die Slalom- und Riesenslalom-Spezialistin immer vorne dabei.

Aufgrund ihrer beständig guten Leistungen schaffte die Tenglingerin vor zwei Jahren den Sprung in die Gaumannschaft. »Das jahrelange Training im eigenen Verein, die Trainingsgemeinschaft mit Taching, aber vor allem die Trainingsgruppe von Beppo Hofmann beim TSV Waging haben Tanja weit vorangebracht«, bilanziert Helga Wolfertstetter.

Seit vergangenem Winter bildet die Gaumannschaft mit der Christophorusschule Berchtesgaden eine Trainingsgemeinschaft. Betreut werden die acht Mädchen und acht Burschen federführend von dem ehemaligen Weltcuptrainer Thomas Aschauer.

»Wir sind eine tolle Trainingsgruppe«

»Wir sind eine tolle Trainingsgruppe«, schwärmt Tanja. Das lässt sich auch an ihren besten Rennergebnissen in diesem Winter ablesen: Beim Deutschen Schülercup am Oberjoch stürmte sie im Riesenslalom nach Rang neun im ersten Durchgang auf den zweiten Platz vor. Im Slalom von Oberjoch legte sie eine ähnlich furiose Aufholjagd hin. Nach dem ersten Durchgang noch Fünfte fuhr sie am Ende auf den dritten Platz.

Zeit zum Verschnaufen bleibt ihr kaum. Seit April steht fünfmal pro Woche Konditionstraining auf dem Programm, im September werden zusätzlich in den verschiedenen Gletschergebieten Lehrgänge absolviert und seit November trainiert Tanja täglich am Jenner oder Götschen auf Schnee. Dazu kommen die zahlreichen Wettkämpfe, die Tanja fast jedes Wochenende in ein anderes Skigebiet führen. »Seit September war ich lediglich an drei Wochenenden zu Hause«, erzählt Tanja. Trotz der Entbehrungen liebt die 15-Jährige, die seit ihrer Kindheit an Asthma leidet, den Skisport. Sechs Paar Ski braucht die junge Tenglingerin in einer Wintersaison – und einen eigenen »Chauffeur« und »Servicemann«. Helga Wolfertstetter fährt Tanja zu den täglichen Übungseinheiten, richtet nach jedem Training und vor jedem Rennen die Ski her und begleitet ihre Tochter so oft es geht zu den Wettbewerben.

Vorfreude auf die Schüler-DM am Sudelfeld

Bisheriger Höhepunkt war für beide die Deutsche Schülermeisterschaft im vergangenen Winter. Helga Wolfertstetter und ihre Tochter sind bereits wieder voller Vorfreude auf den Ende März am Sudelfeld stattfindenden Bewerb. Für die Qualifikation zur Deutschen Schülermeisterschaft muss man sich einmal unter den besten 15 platzieren; das gelang Tanja gleich im ersten Rennen des Winters mit Rang sieben.

Viel Unterstützung erfährt die talentierte Skirennläuferin von ihrem Heimatverein und von ihrer Schule. Der TSV Tengling übernimmt jeweils die Kosten für die Saisonkarte und die Mittelschule Waging am See stellt Tanja vom Unterricht frei, wann immer es nötig ist. In Waging besucht die 15-Jährige die 9. Klasse des M-Zugs. Auch Tanja trägt ihr Scherflein dazu bei: Sie hat sehr gute Noten und holt den versäumten Stoff umgehend nach.

»Aber es gibt auch ein Leben nach dem Skifahren«

In den kommenden Monaten stehen Tanja Wolfertstetter einschneidende Veränderungen bevor. Sie wechselt altersbedingt in die Jugend und beendet die Schule. Ob sie eine Ausbildung beginnt oder ihre sportliche Laufbahn im Landeskader fortsetzt, ist noch ungewiss. Tanja sieht die Situation entspannt: »Wenn ich weitermache, dann werde ich nach wie vor mein Bestes geben. Und wenn nicht, dann habe ich eine tolle Zeit verlebt und viele interessante Erfahrungen gemacht«, sagt sie und grinst: »Aber es gibt auch ein Leben nach dem Skifahren.« Soll heißen: Endlich mal ausschlafen und viel Zeit mit den Freundinnen verbringen. mia