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Mit »Fingerspitzengefühl« und Erfahrung

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Hans Standl sorgt dafür, dass es bei der Weltmeisterschaft genügend Essen und Getränke für rund 600 Personen gibt. (Foto: Müller)

Hans Standl vertraut bei dieser Einzelstrecken-Weltmeisterschaft im Eisschnelllaufen nicht nur auf sein »Fingerspitzengefühl«, sondern auch auf seine Erfahrung: Der 64-Jährige ist verantwortlich für die Verpflegung der Sportler, Helfer, Journalisten und Ehrengäste in Inzell – insgesamt rund 600 Personen.


Erfahrung hat Hans Standl ausreichend gesammelt, schließlich kümmert er sich seit 1993 um die Verpflegung. »Das ist meine 6. Weltmeisterschaft, die Weltcups kann ich schon gar nicht mehr zählen«, sagt er. Für einen Weltcup ist nicht nur der Zeitaufwand größer, sondern eben auch mehr Verpflegung notwendig.

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Weil der gesamte Aufwand mit den Jahren zugenommen hat, kümmert sich der 64-Jährige inzwischen nur noch um die Verpflegung. Früher übernahm er neben seiner Arbeit beim Arbeitsamt und später beim Zoll mehrere Aufgaben bei Wettkämpfen, half bei der Dopingkontrolle, der Eröffnungsfeier oder beim Bahndienst. »Das war zu viel«, sagt Hans Standl selbst, der inzwischen in Rente ist. »Ich wollte mich auf eine Sache konzentrieren. Wenn ich etwas mache, will ich es richtig machen.«

Und die Rückmeldungen, die Hans Standl bekommt, zeigen, dass er Vieles richtig macht. »Die Läufer sind zufrieden, genauso wie die Trainer und Betreuer.« Auch bei den ausländischen Sportlern und Journalisten kommt das bayerische Essen gut an. Auf dem Speiseplan stehen Schweinsbraten, Leberkäse und verschiedene Würste, aber auch Obst, belegte Brote und Kuchen. »Weißwürste am Sonntag sind ein Muss«, weiß Hans Standl, der auch dafür sorgt, dass genügend Getränke zur Verfügung stehen.

Änderungen im Vergleich zu den vergangenen Eisschnelllauf-Wettkämpfen in Inzell gebe es kaum. »Ich bin offen, wenn es Vorschläge gibt«, meint Hans Standl. »Aber es läuft alles problemlos. Und solange es keine gravierende Kritik gibt, gehen wir nicht weg davon.«

Bei den Mengen verlässt er sich auf die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren und sein »Fingerspitzengefühl«. So werden während der Weltmeisterschaft wieder 70 bis 80 Kilogramm Braten, 30 bis 40 Kilogramm Leberkäse, 300 bis 400 Paar Würste oder 1000 Brezen und 85 Nusszöpfe zur Verfügung stehen. Dabei kalkuliert Hans Standl so, dass nicht nur genügend Essen da ist, sondern auch am Ende nicht zu viel übrig bleibt. »Bis jetzt habe ich immer richtig gelegen«, erklärt er.

Sollte an einer der vier Verpflegungsstationen – insgesamt kümmern sich dort 25 ehrenamtliche Helfer um die Sportler, Helfer, Journalisten und Ehrengäste – doch mal etwas ausgehen, helfen sich die Stationen auch untereinander aus. Deshalb muss Hans Standl während der Wettkämpfe immer wieder kontrollieren, ob irgendwo etwas fehlt. Notfalls wird nachbestellt – durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Metzgereien und regionalen Lieferanten sind auch kurzfristige Bestellungen kein Problem.

Mit den Planungen für die Verpflegung hat Hans Standl schon im November begonnen. »Zum Ende des Jahres musste das meiste feststehen«, sagt der 64-Jährige. »Das kann man nicht auf den letzten Drücker machen.« Obwohl also ein Großteil Arbeit bereits vor der Weltmeisterschaft ansteht, hat Hans Standl auch während der Wettkämpfe viel zu tun. Ab 8 Uhr ist er in der Max-Aicher-Arena, morgens kommen die ersten Lieferungen für den Tag. Gekocht wird in der Arena nicht – das Essen wird bereits warm angeliefert und nur ausgegeben. Hans Standl selbst hat dabei kaum Zeit, etwas von dem Essen zu genießen. »Vielleicht mal eine Wurst im Vorbeigehen« gibt es für ihn.

Die Wettkämpfe kann sich Hans Standl ebenfalls selten in Ruhe anschauen. »Es gab schon Weltmeisterschaften, da habe ich keinen Wettkampf mitbekommen«, erinnert er sich. Trotzdem will er versuchen, das 1000-Meter-Rennen der Herren anzuschauen. »Darauf freue ich mich.«

Schließlich gibt es für Hans Standl »wenige Sportarten, die mich nicht interessieren«. Und zum Eisschnelllauf hat er auch eine persönliche Verbindung. Bis er 20 Jahre alt war, stand er selbst auf den Kufen. Nach einer zwölfjährigen Pause ging es für ihn aber erst wieder mit dem Eisschnelllauf weiter, als seine Tochter 1987 auch damit anfing.

Inzwischen steht Hans Standl zwar nicht mehr selbst auf dem Eis, in der Max-Aicher-Arena ist er aber in dieser Woche täglich, um Lieferungen anzunehmen und weil die Verpflegungsstationen aufgebaut werden müssen. »Am Dienstagabend muss alles stehen, am Mittwochmorgen geht es bei der Presseverpflegung los.«

Dabei verlässt sich Hans Standl auch auf die Helfer an den Stationen. »Mit den meisten arbeite ich seit Jahren zusammen, da geht alles Hand in Hand«, sagt er. »Ohne die gute Zusammenarbeit hätte ich keine Chance.« Um Kleinigkeiten wie Kaffee oder Tee, Milch und Zucker kümmern sich die Stationen selbst. »Es wäre schwierig, wenn ich mich darum auch noch kümmern müsste«, meint der 64-Jährige. »Das ist einfach ein gutes Miteinander.« Er weiß zu schätzen, dass sich viele Helfer sogar extra Urlaub nehmen, um zu helfen.

Er selbst muss das nun nicht mehr – schließlich erlebt er gerade seine erste Weltmeisterschaft als Rentner. Einen Unterschied mach das für ihn aber nicht. »Es macht Spaß«, betont Hans Standl. »Sonst würde ich das sowieso nicht machen.« Jonas Müller

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