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»Mit der nötigen Ruhe wird auch der Erfolg wieder kommen«

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Der Vorsitzende des SB Chiemgau Traunstein, Prof. Dr. Engelbert Thaler (links), freute sich, dass Andreas Stitzl, der Disziplintrainer der deutschen Biathlon-Herren, den Sportlern Rede und Antwort stand. (Foto: S. Huber)

»Biathlon trifft Fußball«: Unter diesem Motto ist beim SB Chiemgau Traunstein ein unterhaltsamer Abend verlaufen. Zu Gast war Biathlon-Bundestrainer Andreas Stitzl. Im gut besuchten Sportlerbräu erklärte Stitzl den Anwesenden, wie Biathlon funktioniert und erklärte, dass es durchaus Gemeinsamkeiten der beiden Sportarten gibt.


Eingangs der Veranstaltung stellte SBC-Vorsitzender Prof. Dr. Engelbert Thaler den Gast kurz vor. Seit dem Frühjahr 2014 ist Stitzl Disziplintrainer der deutschen Biathlon-Herren und verantwortlicher Stützpunkttrainer in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena. Zuvor hat er sämtliche Trainerstationen vom Nachwuchs bis zu den Erwachsenen durchlaufen. Sprungbrett für größere Aufgaben war sein Engagement als Trainer von Kati Wilhelm.

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Der 43-Jährige verriet den Anwesenden aber auch, dass er durchaus als Fußballer Karriere machen hätte können. »Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass es im Fußball doch nicht ganz an die Spitze langt und dann habe ich mich für Biathlon entschieden.« In seinen Ausführungen ging Stitzl auch auf die schwierige sportliche Lage des SB Chiemgau in der Fußball-Bayernliga ein. »Zunächst sollte man sich verdeutlichen, was da in kurzer Zeit geschafft worden ist. Hut ab. Mit der nötigen Ruhe und den richtigen Analysen wird auch der Erfolg wieder kommen«, machte Stitzl den Kickern Mut.

Im weiteren Verlauf schilderte Stitzl den Werdegang und den Trainingsalltag eines angehenden Biathleten bis hin in den A-Kader. Mit zehn Jahren schießen die Sportler mit dem Luftgewehr, ab 15 Jahren wird auf das Kleinkaliber umgestellt. Die Trainingsumfänge werden gesteigert: Fünf bis sechs Mal in der Woche sind dann angesagt. Im Alter von 18 bis 19 Jahren trennt sich die »Spreu vom Weizen«.

Die Trainer haben in dieser Phase die schwere Aufgabe zu entscheiden, wer könnte es schaffen und welchen Jugendlichen sollte man nahelegen, einen Beruf zu erlernen oder ein Studium anzufangen. »Da sind wir Trainer gefordert, um mit geschultem Auge die Talente zu erkennen«, verriet Stitzl. Für gestandene Biathleten im Spitzenbereich sind jährlich 900 bis 1000 Trainingsstunden zu absolvieren. Bis zu 180 Tage im Jahr sind Trainer und Athleten unterwegs.

Auf die Frage, welche Gemeinsamkeiten er beim Fußball und Biathlon sieht, meinte er: »Wenn ein Biathlet am Schießstand steht und ein Stürmer beim Torabschluss ist, ist in beiden Fällen die Belastung extrem. Das kann man aber trainieren.« Als Beispiel führte er Simon Schempp an. Dieser hatte immer Probleme beim Schießen mit dem Wind, deshalb setzte Stitzl beim Training am Schießstand einen Laubbläser ein. »Solche Reize müssen sein. Grundsätzlich erwarte ich, dass in jedem Wettkampf gekämpft wird.«

Wichtig ist auch der Umgang mit Niederlagen. »Man sollte immer eine sachliche Analyse machen, egal ob man gewonnen oder verloren hat. Wir Trainer müssen zu den Sportlern ehrlich sein und das Vorleben, was wir von unseren Sportlern erwarten.« So schwört Stitzl auch auf den Einsatz von Mentaltrainern im Biathlon. Zu einem Weltklassesportler gehört aber noch einiges mehr, machte er deutlich: Bewusst leben, Disziplin, Vorbereitung und Nachbereitung – und es braucht immer einen Plan B.

Auf die abschließende Frage, wie es denn bei ihm mit dem Gefühl mit der Sicherheit bei den Olympischen Spielen 2018 in Südkorea sei, meinte Stitzl offen: »Ich habe Familie und Verantwortung, ich habe aber auch eine Verpflichtung gegenüber meinen Sportlern. Das ist eine schwierige Frage. Ich hoffe, dass der DOSB und das IOC uns Trainer und Sportler nicht im Regen stehen lassen.« SHu

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