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»Meine Arbeit über den Sommer hat sich gelohnt«

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Markus Eisenbichler ließ im Sommer mit guten Ergebnissen aufhorchen. Jetzt will der Siegsdorfer Skispringer auch in der Wintersaison angreifen. (Fotos: Julia Robel/Sprungbild, Foto Winkler/Portraitbild)
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In diesem Sommer lief es richtig gut für Markus Eisenbichler. Der Skispringer des TSV Siegsdorf präsentierte sich in einer ausgezeichneten Verfassung und gewann die Gesamtwertung des Continentalcups. Diesen Erfolg honorierte jetzt auch der Bundestrainer der Skispringer, Werner Schuster. Er nominierte den 25-Jährigen zum Weltcupauftakt für das deutsche Team. Im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt spricht Markus Eisenbichler nun über seine Anfänge als Skispringer, seinen großen Erfolg im Sommer und über seine Ziele im Winter.


Hallo Herr Eisenbichler, wo bereiten Sie sich denn gerade auf die neue Wintersaison vor?

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Markus Eisenbichler: Ich bin ja bei der Bundespolizei in Bad Endorf und dort trainiere ich natürlich auch sehr viel. Dort bin ich auch sehr gut aufgehoben, hier habe ich alles – vom Arzt über den Physio bis hin zu meinen Trainern. Aber natürlich bin ich auch immer wieder auf Lehrgängen unterwegs.

Und kommen Sie ab und an auch noch nach Siegsdorf?

Klar, ich wohne ja noch immer dort. Zwei oder drei Tage in der Woche bin ich meistens auch noch daheim. Im Winter wird das natürlich immer weniger, da bin ich ja viel unterwegs. Mir gefällt es aber einfach daheim. Ich muss wirklich nirgends anders hin. In unserer Region kann man es sehr gut aushalten.

»Dass es so weit reicht, hätte ich mir nie gedacht«

Wie sind Sie eigentlich zum Skispringen gekommen?

Ich habe früher alles gemacht – Fußball, Eishockey, Skifahren, und ich war auch beim Kindertraining des TSV Siegsdorf. Irgendwann wurde dann beim Kindertraining mal das Skispringen vorgestellt, das hat mich gleich fasziniert. Denn ich wollte schon immer beim Skifahren auch springen – und zwar weit. Irgendwann musste ich mich dann zwischen den ganzen Sportarten entscheiden. Das Skispringen hat es mir am meisten angetan und deshalb habe ich diesen Weg eingeschlagen. Dass es so weit reicht, hätte ich mir nie gedacht.

Wie bereitet man sich denn als Skispringer in den Sommermonaten auf die Saison vor?

Im Frühjahr und im Sommer trainiert man sehr viel Kraft. Dann geht's aber auch zum Mattentraining – etwa nach Stams, Innsbruck, Bischofshofen oder Oberhof. Der Unterschied zum Springen im Winter ist mittlerweile übrigens sehr gering geworden. Skispringen ist mittlerweile nämlich eine Ganzjahressportart. Im Sommer gibt es auch Wettkämpfe. Es sind natürlich wesentlich weniger Springen als im Winter. Im Sommer wird vor allem die Form für den Winter gemacht.

Mit Ihrer Form können Sie ja schon recht zufrieden sein. Sie sorgten zuletzt beim Sommerspringen im Continentalcup für hervorragende Ergebnisse und haben sogar die Gesamtwertung gewonnen...

Ja, es läuft bisher ganz gut. Es geht auf jeden Fall in die richtige Richtung. Aber man muss natürlich bedenken: Die anderen Springer sind noch nicht in Topform. Aber mit meiner jetzigen Form bin ich schon sehr zufrieden. Ich habe wirklich eine gute Basis – und mit diesem Wissen lässt es sich natürlich auch etwas entspannter trainieren. Aber es gibt immer Sachen, an denen man dran bleiben muss.

Was bedeutet Ihnen denn dieser Erfolg im Continentalcup?

Sehr viel. In der heutigen Zeit kann man diesen Wettbewerb nämlich nicht so einfach gewinnen. Das Niveau ist mittlerweile sehr hoch. Es sind ja auch Topspringer – wie etwa Stefan Kraft – am Start. Zudem muss man über einen relativ langen Zeitraum ein gutes Niveau haben und die anderen Springer schlafen ja auch nicht. Der Erfolg war schon extrem wichtig für mich.

Haben Sie in diesem Jahr etwas an Ihrem Training verändert oder woran liegt es, dass Ihre Formkurve so steil nach oben zeigt?

Ein bisschen was haben wir schon geändert. Man muss ja auch auf seinen Körper hören. Das Training ist jetzt einfach ein bisschen spezifischer auf mich abgestimmt. Wir haben zudem auch versucht, die Technik umzustellen. Es hat sich gezeigt, dass das der richtige Weg für mich ist. Am Anfang war ich aber sehr skeptisch. Aber ich weiß jetzt, dass es funktioniert. Mehr möchte ich aber gar nicht verraten.

Ihr Erfolg wurde jetzt auch von anderer Stelle gewürdigt. Sie sind fürs Weltcup-Team nominiert...

Das hat mich sehr gefreut. Es ist eine Bestätigung, dass ich über Wochen gut gesprungen bin. Es ist schön, dass ich für mich persönlich jetzt weiß, dass ich Vertrauen bekomme. Ich sehe jetzt, dass sich meine Arbeit über den Sommer gelohnt hat.

Erhöht der Erfolg im Sommer aber nicht den Druck auf Sie, jetzt auch in der Wintersaison gute Ergebnisse zu liefern?

Eigentlich nicht. Ich habe nämlich im Sommer gelernt, mit dem Druck umzugehen. Wenn man sich selber zu viel davon macht, steht man einfach zu sehr unter Strom. Ich gehe die Springen jetzt gelassener an, also mit mehr Ruhe. Wenn es mal nicht läuft, dann muss man einfach akribisch weiterarbeiten. Man muss in manchen Dingen cooler werden. Ich muss zudem auf mich schauen und nicht auf andere.

Sie erwähnten vorhin den österreichischen Skispringer Stefan Kraft. Der sagte zuletzt, dass Sie auch einen Grand Prix gewinnen könnten. Ist so ein Lob gut fürs Selbstvertrauen?

Für mich ist das wirklich ein großes Lob, schließlich kommt es ja auch von einem Top-Springer. Man nimmt das gerne mit. Es geht ja vor allem darum, dass man auch im Winter aufs Podest kommt.

Die erste Möglichkeit dazu gibt's Ende November. Die ersten Weltcup-Springen in dieser Wintersaison stehen am 25. und 26. November im finnischen Kuusamo an. Was nehmen Sie sich dafür vor und was sind Ihre Saisonziele?

Ich setze mir keine Ziele in Form von Platzierungen. Ich möchte einfach das umsetzen, was ich die ganzen Monate jetzt trainiert und beim Continentalcup auch gezeigt habe. Ich möchte einfach immer mein Bestes geben und dann zufrieden vom Wettkampf heimfahren. Das möchte ich natürlich gleich beim Auftakt in Kuusamo schaffen.

»Das hat einfach einen besonderen Nervenkitzel«

Der Höhepunkt der Saison ist die Nordische Ski-WM vom 22. Februar bis 5. März in Lahti. Haben Sie sich dafür schon Ziele gesteckt?

Der erste Schritt muss natürlich erst einmal sein, dass ich mich für die WM qualifiziere. Das geht nur über gute Leistungen. Wenn ich dann dabei bin, muss man sehen, wie an diesem Tag meine Form ist. Das kann man einfach nicht planen. Ich wäre auf alle Fälle gerne dabei. Auch bei der Skiflug-WM im vergangenen Winter wäre ich sehr gerne am Start gewesen. Aber da stimmte die Form nicht. Ich hätte damals dem Team nicht weiterhelfen können und mir selber hätte ich auch keinen Gefallen getan.

Auf welche Schanze freuen Sie sich denn besonders?

Alle Wettbewerbe haben ihren Reiz. Besonders freue ich mich aber immer aufs Skifliegen. Das hat einfach einen besonderen Nervenkitzel. Und mir ist es dann auch egal, wo das Springen ist – Planica, Vikersund, Oberstdorf. Das macht man einfach nicht alle Tage. Natürlich ist auch die Vierschanzentournee immer etwas Besonderes. Wenn man gut in Form ist, ist es einem egal, welche Schanze gerade kommt. Ich freue mich einfach auf den ganzen Weltcup – und darauf, dass ich dabei sein darf.

Das Interview führte: Stephanie Brenninger