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Mehr Grip auf der Wiese als auf der Strecke

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Da sah noch alles gut aus: Christopher Haase in flotter Fahrt am Nürburgring vor einigen Konkurrenten. (Foto: Audi Communications Motorsport)

Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ist jedes Jahr eine riesige Herausforderung für die Autorennfahrer. Doch in diesem Jahr wurde die »Grüne Hölle« ihrem Namen in noch stärkerer Weise als sonst gerecht: Aufgrund von Wetterkapriolen war das Rennen mehrere Stunden unterbrochen, auch die Regelung bei der »Balance of Performance« sorgte für Diskussionen.


Der Kirchanschöringer Audi-Pilot Christopher Haase ließ sich davon nicht irritieren und fuhr ein tolles Rennen für das Audi Sport Team Phoenix, blieb am Ende aber unbelohnt. Im Feld der rund 160 Fahrzeuge, von denen 57 ausfielen, kam für Haase mit seinem Team ebenso das Aus wie für Martin Tomczyk (Rosenheim).

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Für Haase im Audi R8 LMS war nach 67 Runden Schluss, Martin Tomczyk im BMW M6 GT3 von Schubert Motorsport fiel nach 93 Runden aus. Das Schubert-Quartett war mit John Edwards (USA), Jens Klingmann, Lucas Luhr und Martin Tomczyk ohne Probleme durch die Nacht gekommen und kämpfte sogar um einen Podestplatz. Doch um kurz nach 9 Uhr morgens wurde Luhr völlig unverschuldet von einem anderen Fahrzeug getroffen, schlug in die Streckenbegrenzung ein und musste das Rennen aufgeben.

Im Qualifying fuhr Haases Teamkollege René Rast mit Platz 16 klar in die Top-30 – eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Rennen, denn nur die schnellsten 30 Fahrzeuge bekommen die blaue Signallampe, die das Überrunden vor allem in der Nacht einfacher (und sicherer) macht. Den Rennstart fuhr Christopher Haase: »Das Auto war richtig gut abgestimmt, ein großes Kompliment an das gesamte Team dafür. So konnte ich zügig fahren und die Position langsam verbessern.«

Nach drei Runden kam per Funk die Ankündigung »leichter Regen in zehn Minuten.« Davon ließ sich der Kirchanschöringer nicht aus der Ruhe bringen: »Es sah alles halb so wild aus, also hab’ ich weiter gepusht.« Doch am Schwedenkreuz hörte sich der Teamfunk nicht mehr sonderlich entspannt an: »Bei Aremberg fliegen reihenweise Autos ab!« Eine Warnung in letzter Sekunde: »Ich habe sofort Tempo rausgenommen und in diesem Moment auch schon eine Wolkenwand auf mich zukommen sehen. Mit einer Vollbremsung auf 25 km/h konnte ich zwar einen Abflug vermeiden, aber wir waren jetzt mit Slicks im Wolkenbruch unterwegs …«

Beim Adenauer Forst im Hagel steckengeblieben

»Es war spiegelglatt. Die Wiese bei Aremberg war meine Rettung, dort gab’s mehr Grip als auf dem Asphalt … Doch danach wurde es noch schlimmer.« Als es zu hageln begann, wurde es schwierig, auf der anderen Seite der Fuchsröhre wieder hochzukommen. »Das ging mit viel Gefühl beim Gasgeben gerade so, aber beim Adenauer Forst sind wir dann im wahrsten Sinne des Wortes steckengeblieben. Wenn man Gas gegeben hat, begann das Auto rückwärts zu rutschen«, schildert Christopher Haase diese unglaublichen Szenen, aufgrund derer das Rennen dann unterbrochen wurde.

Nach einer Stunde Stillstand an ein und derselben Stelle konnte der 28-Jährige endlich in Richtung Boxen fahren. Beim Re-Start »hat es geschüttet, wir hatten Aquaplaning und es war ziemlich gefährlich. Da hätte man vielleicht noch etwas länger warten können, aber hinterher ist man immer gescheiter«, so Haase. Er war trotzdem am Limit unterwegs: »Das Auto fühlte sich schnell an und ich konnte viele Positionen gutmachen.«

Zeitverlust durch Probleme mit der Schaltung

Doch traten dann plötzlich Schwierigkeiten mit der Schaltung auf. Deshalb beschloss die Mannschaft, beim Boxenstopp mit Fahrerwechsel auch einen Sensor am Getriebe zu tauschen. »Durch den Tausch haben wir sechs Minuten verloren, aber damit haben wir das Problem in den Griff bekommen«, schildert Christopher Haase diese Minuten.

Das Team wurde dadurch bis auf Rang 31 zurückgereicht, konnte aber mit Markus Winkelhock am Steuer eine beeindruckende Aufholjagd starten und bis in die Region um Platz sieben nach vorne fahren.

In der Nacht bei Regen und Nebel spulten Haase und seine Fahrerkollegen Runde um Runde fehlerlos ab – bis zu jener verhängnisvollen und unübersichtlichen Phase, in der Markus Winkelhock ausgerechnet einen weiteren Audi unglücklich am Heck traf: »Das war eine richtig blöde Situation, die kaum vermeidbar war. Das hätte jedem von uns passieren können«, so Christopher Haase. Der Kirchanschöringer war enttäuscht: »Auch wenn die Balance of Performance in diesem Jahr für andere Hersteller deutlich besser war, hätten wir die Chance gehabt, weiter nach vorne zu fahren.« Doch von diesem Rückschlag wollen er und seine Teamkollegen sich nicht beeindrucken lassen: »Jetzt müssen wir im nächsten Jahr den nächsten Versuch starten«, zeigt er sich kämpferisch.

Haase selbst kann seinen nächsten Versuch, einen Spitzenplatz zu erringen, bereits an diesem Wochenende unternehmen. Da ist er mit seinem Teamkollegen Christiaan Frankenhout (Niederlande) für das Audi-Team Car Collection Motorsport auf dem Lausitzring im ADAC GT Masters unterwegs. In der hart umkämpften Serie hat das Duo bislang einen fünften Platz als beste Platzierung stehen. Am Samstag (Lauf I) und Sonntag (Lauf II) könnten weitere vordere Ränge hinzukommen. who