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Mehr Einsatz für die Ehrensache

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Die neue Führungsriege des Sportvereins Kirchanschöring (von links): 2. Vorstand Lars Zehentner, Vorstand Rudi Gaugler, Schriftführerin Helga Brüderl und Kassier Sebastian Stöwe. (Foto: Caruso)

Die schwierige Suche nach einem Nachfolger hat beim Sportverein Kirchanschöring einen Rollentausch an der Spitze notwendig gemacht: Rudi Gaugler hält den SVK nun auf Kurs, Lars Zehentner unterstützt ihn im Gegenzug als Stellvertreter. Lars Zehentner wollte nach sechs Jahren nicht mehr für das Amt des Vorstands kandidieren, weil er aktuell beruflich und privat sehr eingespannt sei.


Das zwang den Verein auf der Jahreshauptversammlung, die im Saliterwirt mit rund 110 Mitgliedern über die Bühne ging, zu diesem ungewöhnlichen Schritt. Lars Zehentner betonte, dass der SVK ein einzigartiges Gebilde sei, das auf freiwilligem Engagement und Hilfsbereitschaft basiere. Es sei ein wenig enttäuschend, dass diese »Ehrensache« zurückgehe. »Hilfe gibt es immer weniger und auch immer seltener für umsonst«, kritisierte er.

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Mitglieder der Vorstandschaft bestätigt

Die übrigen Mitglieder der Vorstandschaft wurden bei den turnusmäßigen Neuwahlen in ihren Ämtern bestätigt. So bleibt Helga Brüderl Schriftführerin, Sebastian Stöwe Kassier und Sepp Reschberger 2. Kassier. Als Beisitzer fungieren auch weiterhin Bürgermeister Hans-Jörg Birner und Gemeinderatsmitglied Herbert Babinger. Alois Wallner und Ludwig Abfalter jun. vervollständigen die Riege als Kassenprüfer.

Rudi Gaugler machte schon zu Beginn seines Amtsantritts keinen Hehl aus seinem Leitungsverständnis: »Wie bisher geht es nicht weiter.« Er erwarte mehr Engagement von den Mitgliedern. Man müsse es schaffen, dem Vereinsgedanken wieder mehr Leben einzuhauchen, ansonsten welke der Verein, der im Kern auf die verlässliche Verfügbarkeit von Menschen zu festen Zeiten angewiesen ist, langsam vor sich hin. Der SVK sei viel mehr als nur Garant für vielfältiges sportliches Angebot zu einem vernünftigen Preis, das alle Altersklassen anspreche.

Mit 1343 Mitgliedern und steigenden Mitgliederzahlen ist er nicht nur der größte Verein in Kirchanschöring, sondern ist auch fest im lokalen Umfeld verankert und hat damit eine große gesellschaftliche Bedeutung. Daher müsse die Bereitschaft, individuell Verantwortung zu übernehmen und sich dauerhaft zu binden, unbedingt mitwachsen. Öffentlich ausgeschriebene und hauptamtliche Vorstandsposten, wie sie zum Teil andere Sportvereine anstreben, die ähnliche Probleme mit der Besetzung haben, wolle der SVK auf keinen Fall. In Kirchanschöring wolle man das Modell der ehrenamtlichen Führung auf allen Ebenen beibehalten, obwohl der Arbeitsaufwand enorm sei.

Dass Beruf und bürgerschaftliches Engagement kein Gegensatz sein müssen, beweist Helga Brüderl. Seit 20 Jahren ist sie Schriftführerin im SVK-Vorstand, sportlich beim Stockschießen aktiv und auch oft das sogenannte »Mädchen für alles«. Daher wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt. Dies wird mit einer Beitragsfreistellung honoriert. »Sie hat sich ihrem Ehrenamt mit großer Hingabe gewidmet, was allergrößten Respekt verdient«, lobte Rudi Gaugler. Für keine Arbeit sei sie sich zu schade gewesen. Im SVK ist Helga Brüderl die erste Frau, die diesen Ehrentitel tragen darf.

Die Verdienstnadel in Silber samt Urkunde des Bayerischen Landessportverbands BLSV erhielten drei Personen, die 20 Jahre lang an verantwortlicher Stelle in der Volleyball-Sparte des Vereins gewirkt haben oder noch wirken: Bernd Graf leitet nach wie vor die Abteilung und das schon seit 1996. Richard Pichlmaier trainierte die Volleyball-Damen bis zum Ende der Saison 2015/16 zwei Dekaden lang. Und Stefan Franzler fungiert schon ebenso lange als Kassenwart.

Als verdientes Mitglied in der Vereinsvorstandschaft erhielt Rudi Gaugler die BLSV- Verdienstnadel in Bronze – er war 15 Jahre lang Kassier und gehörte auch schon so lange der Vorstandsspitze an.

Seit 60 Jahren Vereinsmitglieder

Mit dem vergoldeten Ehrenzeichen würdigte der Vorstand die beiden Mitglieder, die dem Verein schon besonders lange verbunden sind: Jakob Niedergünzl und Johann Reschberger halten ihm seit 60 Jahren die Treue. Auf ein halbes Jahrhundert Vereinsmitgliedschaft können Liesl Autischer, Barbara Strasser, Georg Wimmer und Siegfried Zehentner blicken. Zudem zeichnete der Verein 26 Mitglieder für 40-jährige und 14 für 25-jährige Vereinsangehörigkeit aus.

Der Vorstand erinnerte in seinem Rückblick auf 2016 unter anderem auf die Verleihung des »Chiemgauer Panther«, dem Ehrenzeichen des Landkreises Traunstein, an den SV Kirchanschöring für den Aufstieg in die Fußball-Bayernliga. Zudem ließ er das gelungene Fest anlässlich des 70. Vereinsjubiläums noch einmal Revue passieren. Besonders die überaus lohnende Fotoausstellung über den Werdegang des SVK, die Helga Brüderl und Gisela Sowa zusammengestellt hatten, habe starkes Echo gefunden.

Wie Lars Zehentner ankündigte, will die Gemeinde als Eigentümerin alle drei Sportplätze sanieren. Dies bestätigte auch Bürgermeister Hans-Jörg Birner. Er zeigte sich angetan vom umfangreichen Leistungsspektrum des Sportvereins, das sich in dieser Jahreshauptversammlung widerspiegelte. Es sei wichtig, dass die Jugend im Umfeld von gut organisierten Vereinen Sport treiben kann und gute Anleitung auf dem Weg zum Erwachsenwerden erfahre.

Bei der Versammlung hatten die Leiter aller Sparten Gelegenheit ihr Angebot und die sportlichen Erfolge darzustellen. Der SVK bietet aktuell 13 verschiedene Sparten. Neu ist die Kricket-Abteilung, die Trainer Ali Raza vorstellte. Eine Mannschaft wird in Zukunft in der Regionalliga Süd antreten. Die Badminton-Abteilung ruht wegen mangelnden Interesses. Spartenleiter Dennis Wojtinowski legte deshalb sein Amt nieder. Vor einem möglichen Aus steht auch das Kinderturnen: Die Nachfrage ist so groß, dass es nicht genügend Übungsleiter gibt. Falls sich niemand melde, müsse man das Kinderturnen aufgeben, warnte Tatjana Gaisreiter. ca

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