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Markus Eisenbichler: »Ich sehe mich in einer Lauerstellung«

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Der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler ist diese Saison durchgestartet. Aktuell ist er in der Weltcup-Gesamtwertung bester Deutscher. Nun fiebert er der Weltmeisterschaft entgegen und möchte dort mit der Mannschaft eine Medaille holen. (Fotos: dpa/DSV)
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Der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler ist diese Saison durchgestartet. Aktuell ist er in der Weltcup-Gesamtwertung bester Deutscher. Nun fiebert er der Weltmeisterschaft entgegen und möchte dort mit der Mannschaft eine Medaille holen. (Fotos: dpa/DSV)

Für Markus Eisenbichler läuft es in dieser Saison bisher hervorragend. Der Skispringer des TSV Siegsdorf ist aktuell in der Weltcup-Gesamtwertung als Achtplatzierter der beste Deutsche, mit dem 7. Gesamtplatz bei der Vierschanzentournee schaffte er sein bislang bestes Tournee-Ergebnis und er qualifizierte sich problemlos für die Weltmeisterschaft. Diese steht nun in wenigen Wochen im finnischen Lahti auf dem Programm – und dafür hat sich der 25-Jährige vor allem mit der Mannschaft hohe Ziele gesteckt, wie er im Interview mit dem Traunsteiner Tagblatt verrät. Zuvor stehen für die Skispringer aber noch die Weltcupspringen in Oberstdorf an diesem Wochenende, im japanischen Sapporo (11. und 12. Februar) sowie im südkoreanischen Pyeongchang (15. und 16. Februar) an, ehe es zur WM nach Finnland geht.


Hallo Herr Eisenbichler, wie sind Sie mit der bisherigen Saison zufrieden?

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Markus Eisenbichler: Ich bin sehr zufrieden mit meinen bisherigen Leistungen.

Sie standen in dieser Saison bisher einmal in Lillehammer als Dritter auf dem Podest. Haben Sie also auf ein paar mehr Treppchenplätze gehofft?

Ja, natürlich. Aber die anderen schlafen halt auch nicht. Es ist eine große Konkurrenz da. Wenn man sich nur einen kleinen Fehler erlaubt, dann steht man halt nicht auf dem Podest. Aber wenn ich jetzt weiter dran bleibe, dann schaffe ich es sicher wieder aufs Treppchen.

»Der Druck ist deswegen auf mich nicht größer geworden«

Aktuell sind Sie in der Weltcup-Gesamtwertung ja als Achter bester Deutscher. Ist der Druck auf Sie in dieser Saison größer geworden?

Es ist sehr schön, dass ich gerade der beste Deutsche bin. Aber der Druck ist deswegen auf mich nicht größer geworden. Ich gehe meine Aufgabe immer mit 100 Prozent an. Das Skispringen ist einfach meine Leidenschaft.

Wo wollen Sie in der Gesamtwertung am Ende stehen?

Ich möchte einfach weiterhin gute Sprünge zeigen, dann wird man sehen, wo ich am Ende stehe.

Ihr Teamkollege Andreas Wellinger hat mittlerweile ja fast zu ihnen aufgeschlossen. Wie schwer wird es werden, auch am Ende bester Deutscher zu bleiben?

Mir ist es nicht so wichtig, ob ein anderer Deutscher am Ende vor mir steht. Ich finde es einfach cool, dass Andi gerade auf einem sehr guten Weg ist. Das freut mich sehr.

Andreas Wellinger kommt ja ebenfalls aus der Region. Haben Sie zu ihm mehr Kontakt als zu den anderen Kollegen?

Ja, wir verstehen uns sehr gut und machen auch ab und an in der Freizeit etwas zusammen.

An welchen Moment im bisherigen Saisonverlauf erinnern Sie sich denn gerne zurück?

Da war natürlich bei der Vierschanzentournee der 6. Platz in Oberstdorf zum Auftakt. Die Sprünge haben gepasst. Da habe ich gemerkt, dass ich in einer guten Form bin. Garmisch-Partenkirchen im Anschluss mit dem 4. Platz war natürlich auch super. Aber schon der Gesamtsieg im Continentalcup im Sommer war sehr zufriedenstellend. Ich schaue aber eigentlich ungern zurück. Ich möchte mich lieber auf die Aufgaben konzentrieren, die vor mir liegen. Es gibt noch viel zu tun.

Trotzdem kommt jetzt natürlich noch die Frage an welchen Moment Sie sich nicht so gerne zurückerinnern?

Innsbruck natürlich.

Das dortige Windchaos hat Sie den durchaus möglichen Podestplatz bei der Vierschanzentournee gekostet…

Unser Sport ist einfach eine Freiluftsportart. Fünf Minuten später habe ich darüber auch schon wieder lachen können. Natürlich wäre, wenn Innsbruck nicht gewesen wäre, ein Podestplatz drin gewesen. Aber das sind Spekulationen. Für mich war es bislang mein bestes Tournee-Ergebnis. Man muss manchmal einfach auch mit den kleinen Schritten zufrieden sein.

Und nächstes Jahr gibt es ja wieder eine Tournee.

Eben. Und da werden die Karten neu gemischt.

Jetzt steht vom 22. Februar bis 5. März die WM in Lahti vor der Tür. Was nehmen Sie sich dafür vor?

Zunächst einmal freue ich mich extrem darüber, dass ich zur WM mitfahren darf. Und: Ich nehme mir, ehrlich gesagt, nichts vor. Um so eine WM wird ein zu großer Hype gemacht. Ich versuche einfach, optimale Sprünge zu machen. Ich rechne mir im Einzel auch nicht zu große Chancen auf eine Medaille aus. Wir haben im Weltcup einfach eine extrem große Leistungsdichte. Ich sehe mich aber in einer Lauerstellung. Ich muss jetzt einfach die nächsten Wochen hellwach bleiben. Es kann noch so viel passieren. Ich möchte auf jeden Fall verletzungsfrei bleiben.

»Der Blick muss einfach nach vorne gerichtet sein«

Wie schwer wiegt eigentlich der Ausfall von Severin Freund für die Mannschaft?

Das war natürlich keine schöne Nachricht, als ich gehört habe, dass er mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Ich durfte ja vor einigen Jahren in Oberstdorf mit ihm trainieren, da habe ich extrem gut gesehen, wo die Weltspitze ist. Ich habe mir von ihm sehr viel abgeschaut. Severin wird hoffentlich nächstes Jahr zu Olympia wieder fit sein und unser Team verstärken. Wir haben ein gutes Team und der Blick sollte nach vorne gerichtet sein.

Trotz seines Ausfalls ist mit der Mannschaft bei der WM aber einiges drin, oder? Zuletzt gab's ja in Zakopane einen Sieg.

Mit der Mannschaft ist sicherlich eine Medaille drin, ja.

Nach der WM geht's im Weltcup noch einige Wochen weiter. Erst am 26. März steht in Planica der letzte Wettkampf für diese Saison an. Was machen Sie danach?

Dann ist erst einmal zwei bis drei Wochen ein reduziertes Sportprogramm angesagt. Ich mache dann auch meine Ausbildung bei der Bundespolizei weiter. Da habe ich viel zu tun, viel zu lernen. Das ist ein schöner Ausgleich zum Training. Da habe ich dann auch ein bisschen meine Ruhe und darauf freue ich mich sehr.

Das Interview führte: Stephanie Brenninger