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»Letztendlich lebe ich meinen Traum«

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Pause vom Radrennfahren vor beeindruckender Kulisse: Daniel Bichlmann bei der »Tour of Quinghai Lake« in China.

Noch zwei Rennen in Afrika, dann ist die Saison beendet: Doch der Traunsteiner Radprofi Daniel Bichlmann zieht schon jetzt eine positive Bilanz seines Sportjahres 2014. Dieses bot unter anderem einen Etappensieg und einen letzten Gesamtplatz, »sportlich war es durchwachsen«, weiß der 26-Jährige.


Aber der Radprofi des Kontinentalteams »Bike-Aid Ride for Help« strampelt nicht ausschließlich für gute Ergebnisse: Er sei »wirklich sehr dankbar für alles, was ich erleben durfte, wen ich kennenlernen durfte und was ich dazugelernt habe«, betont er. Denn bei rund 200 Reisetagen (und etwas über 100 Renntagen) in 24 verschiedenen Ländern »erlebt man so einiges«, betont der Sportler.

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Da gebe es Kuriositäten und Ärgernisse ebenso wie viele unterschiedliche sportliche Erfahrungen. Dazu gehörte sein Etappensieg in Kamerun, im Vordergrund stand dort jedoch der Gesamtsieg seines Teamkollegen Dan Craven (der zur Saisonmitte zum französischen Pro-Tour-Team Europcar wechselte). Ebenso erfolgreich verlief für ihn die fünftägige »Fleche de Sud« in Luxemburg, wo er Gesamtzweiter in der Sprintwertung wurde. Dabei »hatten wir auch eine wahnsinnig gute Zeit als Team«, betont der 26-Jährige.

Bitterer, aber dennoch wichtig war für ihn die Erfahrung bei der elftägigen »Vuelta a Columbia«, bei der er Gesamtletzter wurde. Hier trotzdem im Rennen zu bleiben, sei schon ein »täglicher Kampf ums Überleben« gewesen. Und »das lässt seither das Klettertempo in Europa sehr relativ erscheinen«, schmunzelt er und zeigt sich beeindruckt von den Kletterkünsten der Kolumbianer.

Interessant seien auch die »Tour de Beauce« in Kanada und die »Tour of Quinghai Lake« in China gewesen.

Zu den verschiedenen Rennen, an denen er teilnahm, gehörten »Windkantenschlachten« in der Wüste Sahara oder Kopfsteinpflasterrennen in Belgien und Frankreich, lange Bergetappen in Südamerika, Kriterien in den USA, Hitzeschlachten am Äquator oder ein Wettbewerb auf einer gesperrten Autobahn in Kasachstan. Sofern möglich, tritt der Traunsteiner auch in Bayern an, denn »ich schätze diese Veranstaltungen wirklich sehr.«

Der in Siegsdorf wohnende Sportler ärgert sich im Nachhinein über zwei verpasste Chancen. Auf der 4. Etappe der »Tour de Beauce« war er im Schlusssprint ebenso zu zögerlich wie eineinhalb Wochen darauf bei der Deutschen Meisterschaft der Berufsradfahrer im Baunatal. Beide Male wäre deutlich mehr drin gewesen als das letztendlich herausgeholte Top-20-Ergebnis.

Erfreulich dagegen war, dass er in dieser Saison weitgehend – bis auf eine langwierige Erkältung im Frühjahr – von Krankheiten verschont blieb. 2013 noch war er bei der »Tour de Kosova« am Balkan bei einer Abfahrt bei Tempo 70 schwer gestürzt und hatte sich drei Lendenwirbel gebrochen. »Ein solches Erlebnis blieb mir 2014 erspart«, freut sich Bichlmann.

Zu den kuriosen Erlebnissen zählten heuer unter anderem verlorene Gepäckstücke oder Teammitglieder, fehlendes oder unpassendes Ersatzmaterial, verpasste Flüge, Mangel an Schlaf oder Verpflegung, sowie das generell oft sehr gewöhnungsbedürftige Essen, gestohlene Wertgegenstände oder Dopingkontrollen zu unpassendsten Zeitpunkten sowie Sprach- und Kommunikationsprobleme. Und nicht zuletzt auch die Sehnsucht nach der Heimat. Doch ihm ist klar: »Das sind alles Dinge, die bei einem solchen Rennkalender mehr oder weniger so zu erwarten sind.« Zudem sehe er dies meist humorvoll, und seine große Begeisterung für Sport und Reisen bleibe die treibende Kraft.

Auch die Saison 2015 wird Bichlmann im Trikot des deutschen Kontinentalteams »Bike-Aid Ride for Help« bestreiten. Dabei beginnt das Radsportjahr 2015 für ihn bereits am 30. Dezember mit der »Tour de Winiarz« in Neuseeland. Er wird voraussichtlich wieder Wettkämpfe auf allen Kontinenten bestreiten und hat diesmal einen Start bei der Bayern-Rundfahrt in Aussicht. Sportlich will er sich noch weiterentwickeln sowie ein Teil der Entwicklung des Teams sein. Beim Team steht die Förderung und Entwicklung von Radsporttalenten aus strukturschwachen Ländern im Vordergrund.

Neben den Rennen freut sich der Traunsteiner wieder auf herausragende Erlebnisse. Dazu gehörten 2014 ein Sternenhimmel südlich des Äquators, die Skyline New Yorks, die Altstädte Belgiens, die Küste Kaliforniens, die Vielfältigkeit Chinas, der Eiffelturm bei Nacht, ein Sonnenuntergang in den Bergen Andalusiens, die Gastfreundschaft vieler Völker, eine kalte Cola nach einer Bergankunft bei 40 Grad oder eine heiße Dusche nach einem Ritt im Schneeregen an der chinesisch-tibetischen Grenze. Daher gelte trotz aller Entbehrungen: »Das zeigt mir, welch privilegiertes Leben ich führe. Letztendlich lebe ich meinen Traum.« who