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Leon Windisch träumt vom Profifußball

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Leon Windisch hat zum zweiten Mal an einem Fußballcamp für Kinder mit Hörverlust teilgenommen. Sein Traum ist es, Profifußballer zu werden. (Foto: Phonak)

Einen Tag ohne Fußball kann sich Leon Windisch nicht vorstellen. Der 13-Jährige spielt in der U 14 des Sportbunds Chiemgau Traunstein und hat einen Traum: Profifußballer zu werden. Um diesem ein Stückchen näher zu kommen, hat er gerade erst wieder ein Fußballcamp besucht – für Kinder mit Hörverlust.


Mit 16 Monaten hat Leon ein Cochlea-Implantat bekommen und kann hören. »Ich hatte nie Probleme, im Training mitzumachen«, sagt er. Trotzdem ist das Camp für Kinder mit Hörverlust, das von Simon Ollert veranstaltet wird, auch für den Traunsteiner etwas Besonderes: »Es fühlt sich ein bisschen so an, als wären wir alle für eine WM nominiert«, sagt der Siebtklässler, der auch schon ein Fußballcamp von Red Bull Salzburg besucht hat. »Beim Camp von Simon Ollert trifft man Freunde, die Welt der Gehörlosen ist nicht so groß. Da ist der Umgang miteinander viel wärmer.« Außerdem können sich die Teilnehmer gut in die Lage der anderen hineinversetzen – genauso wie es der Trainer kann.

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Simon Ollert hat trotz seines hochgradigen Hörverlusts bereits für die SpVgg Unterhaching in der III. Liga und für den FC Ingolstadt II sowie den FC Memmingen in der Regionalliga gespielt. Der 21-Jährige will Kindern mit den Fußballcamps »Mut machen, an Talente und Träume zu glauben und selbstbewusst und ohne Einschränkungen den eigenen Weg zu gehen«. Bei Leon hat das auf jeden Fall geklappt: »Ich habe mich nach dem Camp auch innerlich besser gefühlt«, erklärt der Mittelschüler. »Ich fühle mich jetzt sicherer.« Dass sein Selbstvertrauen durch das Camp größer geworden ist, hat auch seine Mutter bemerkt, die zufällig im Internet auf die Ausschreibung gestoßen ist und ihren Sohn angemeldet hat – er war nun bereits zum zweiten Mal dabei.

Weil Leon nicht nur sprechen kann, sondern auch die Gebärdensprache beherrscht – seine Eltern sind beide gehörlos – war der Traunsteiner im Camp nicht nur mit dem Ball gefordert: »Das ist ein Vorteil, dass ich zwei Sprachen kann«, sagt der 13-Jährige. »Ich musste ein paar mal als Übersetzer einspringen.« Das funktioniere gut, auch wenn er seinen Mitspielern schnell Anweisungen auf dem Platz geben musste.

Für Leon war das Camp ein voller Erfolg. Es hat nicht nur sein Selbstvertrauen gestärkt, sondern ihn auch fußballerisch weitergebracht: »Ich bin schneller geworden«, freut sich der 13-Jährige. »Beim Laufen und im Spiel.« Das hat er nach seiner Rückkehr nach Traunstein besonders gemerkt: »Nach unserem letzten Spiel haben mich auch die Trainer gelobt«, erzählt er stolz.

Um sich weiter zu verbessern, hat er Übungen für zu Hause mitbekommen – und die Ankündigung, dass Simon Ollert zwei- bis dreimal im Monat individuell mit dem Traunsteiner trainieren will. Das freut Leon besonders: »Simon Ollert ist auf jeden Fall ein Vorbild für mich«, sagt er.

Deshalb hat er auch dessen Karriere verfolgt und will ihm ein bisschen nacheifern: Leon Windisch kann sich gut vorstellen, mit 16 seinen Traum von der Profikarriere noch intensiver zu verfolgen. Ein Probetraining hat er bisher aber noch nicht absolviert. »Das ist noch viel zu früh für mich«, meint er. Erst mal will der Siebtklässler seinen Schulabschluss machen. Beim SBC fühlt er sich mit dem Nachwuchsleistungszentrum momentan »sehr gut aufgehoben«.

So macht sich der Fan des FC Bayern München auch noch keine Gedanken darüber, zu welchem Verein ihn seine Profikarriere einmal führen soll. »Hauptsache, ich spiele in der I., II. oder III. Liga«, sagt Leon. Weil es bis dahin aber noch ein weiter Weg ist, will der 13-Jährige auch zukünftig nicht nur im Verein, sondern auch in den Fußballcamps an seinem Können arbeiten. »Für das nächste Camp bin ich schon angemeldet«, verrät er.

Bis dahin soll aber trotzdem kein Tag ohne Fußball vergehen: Wenn Leon nicht beim SBC trainiert, spielt er mit Freunden oder mit seinem Vater im Garten. »Einen Tag ohne Fußball gibt es nur, wenn ich verletzt wäre«, meint der 13-Jährige. »Aber das würde ich nicht aushalten.« jom