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»Konstanter in die vorderen Plätze reinfahren«

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Er freut sich auf die Saison im alpinen Ski-Weltcup: Skirennfahrer Josef »Pepi« Ferstl. (Foto: Hohler)

Die Vorfreude ist groß: Für Skirennfahrer Josef »Pepi« Ferstl vom SC Hammer beginnt am heutigen Samstag (20.15 Uhr/MEZ/Eurosport und Livestream bei sportschau.de) in Lake Louise (Kanada) die neue Saison im alpinen Ski-Weltcup. Nach der starken vorigen Saison, in der er im Weltcup den Super-G in Kitzbühel gewonnen hatte, will er schon in Kanada einen ordentlichen Einstand geben – auch wenn die letzte Vorbereitungsphase durch seine Handverletzung doch beeinträchtigt war.


Die Verletzung an der linken Hand hatte er sich beim Riesenslalom-Training in Sölden zugezogen. Es war laut DSV-Mannschaftsarzt Dr. Manuel Köhne »eine kleine, knöcherne Absprengung am äußeren linken Handgelenk.« Die Verletzung wurde durch Ruhigstellung mittels einer Schiene behandelt.

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So musste der 30-Jährige gut zwei Wochen lang im Training langsamer machen. »Aber die Physios haben sich mächtig ins Zeug gelegt, und in der Praxis bei Rauch und Hilker haben sie sogar wegen mir Überstunden gemacht. Es ist top, wenn man so unterstützt wird«, freut er sich.

Bis zu seiner Verletzung war die Vorbereitung ohnehin gut verlaufen. »Wir sind viel zum Skifahren gekommen, das hat gepasst.« Dass dabei »die Pisten manchmal zu weich und das Wetter zu warm« gewesen seien, sei zwar nicht so schön, »aber man weiß nicht, wofür es gut war.« Denn: Auch bei seinem Weltcupsieg in Kitzbühel hatten schwierige Bedingungen immer wieder zu Verschiebungen geführt – »und dann musst du halt bereit sein und dich gut darauf einstellen.«

So gesehen können also schwierige Verhältnisse im Training sogar etwas Gutes haben. Ansonsten gelte es, sich »nicht drausbringen zu lassen. Das wird im Laufe der Jahre immer besser«, hat er festgestellt. Zumal »man auch als Papa manche Dinge anders sieht«, so der Vater von Hannes (zweieinhalb Jahre) und Leni (viereinhalb Jahre).

Dass er für seinen Sieg in Kitzbühel dort eine eigene Gondel erhalten hatte, »war ein Riesenerlebnis, das war legendär.« Ferstl hatte sich gewünscht, dass Freunde, Familie – darunter sein Vater Sepp Ferstl, der für seien Abfahrtssiege 1978 und 1979 ebenfalls eine Gondel in Kitzbühel hat –, Fans, Trainer und Betreuer »und alle, die mich immer unterstützt haben«, bei der Feier dabei sein konnten.

Das gelang – und beeindruckte den gebürtigen Traunsteiner: »Da hat man noch einmal gesehen, was es heißt, Kitzbühel zu gewinnen.« Und das Rennen auf der »Streif« sei einfach »das schwierigste und härteste Rennen« im Weltcup, »wobei auch zum Beispiel die Lauberhorn-Abfahrt extrem schwer ist.«

Solche Rennen zu gewinnen, sei manchmal sogar wichtiger als WM-Medaillen, erinnert er an die vergangenen Titelkämpfe in Are (Schweden). »Wenn im Weltcup mal die Bedingungen zu schlecht sind, fällt das Rennen eben aus. Bei der WM müssen die Wettkämpfe durchgeführt werden.« Die Folge: Bei der letzten WM war die Abfahrt nur ca. 1:15 Minuten lang, bei traditionsreichen Strecken wie Kitzbühel, Lauberhorn (Wengen) und Gröden sind es gut 2:30 Minuten – da ist die sportliche Wertigkeit eine ganz andere.

Überhaupt stört es Ferstl, dass oft Sportpolitik vor sportlichem Wert geht. »Wir gehen zu den nächsten Winter-Olympiaspielen wieder nach China, das muss man schon in Frage stellen. In Europa und den USA ist eigentlich alles da, da sind die Leute, der Sport und die Berge. Der Sport soll zu den Menschen kommen – und nicht andersherum«, betont der 30-Jährige. Schließlich gehe es darum, dass die zahlreichen Fans den Sport vor Ort erleben könnten, »da kommt der immense Aufwand der Sportler noch viel besser rüber als im Fernsehen.« Und man könne seine Vorbildfunktion wirkungsvoller ausüben: »Es macht einen schon stolz, wenn jemand wegen einem das Skifahren beginnt. Bei mir war es ja auch so, dass ich meine Vorbilder gesehen habe und ihnen nacheifern wollte.«

Auch seine Anerkennung bei den Kollegen ist groß: So wurde Ferstl heuer mit dem »Goldenen Ski« als bester deutscher Alpinfahrer des vergangenen Winters geehrt. »Das Technikteam war auch gut, aber durch die jüngsten Erfolge von Thomas (Dreßen), Andreas (Sander) und mir geht es jetzt auch im Speedteam vorwärts«, freut er sich.

Einen großen Anteil daran, dass es mit dem Tam nach vorne ging, hatte Trainer Mathias Berthold. Dieser hat zwar nun aufgehört, aber in Christian Schwaiger und Andreas Evers (dieser hatte unter anderem Hermann Maier trainiert) habe man wieder sehr gute Betreuer. Bei Ferstl kommt auch noch als neuer Servicemann Heinz Hämmerle hinzu, der unter anderem Lindsey Vonn betreut hatte.

Die guten Betreuer braucht man auch, denn nun haben Trainer, Athleten und Serviceleute mit der höheren Erwartungshaltung gut umzugehen. »Aber das ist auch cool, sich in so einer Situation zu befinden, da sieht man, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat.« Aber: »Es ist noch schwerer, solche Erfolge wie zuletzt zu bestätigen, zumal Thomas und Andi ja erst von längeren Verletzungen zurückkommen.« Versuchen wolle man das zumindest. »Mir ist klar, dass wir keine Seriensieger sind. Aber wir wollen nach Möglichkeit konstanter in die vorderen Plätze reinfahren.«

Ferstl ist zwar in Traunstein aufgewachsen und hat dort weiter sehr guten Kontakt zu seinen früheren Freunden, aber er fühlt sich inzwischen in Tengling und am Waginger See mit Frau und Kindern sehr heimisch. »Dort ist meine Familie, und als ich da hingezogen bin, bin ich vom ganzen Dorf sehr herzlich aufgenommen worden.«

Daher werden – neben zahlreichen anderen Fans – ganz besonders auch die Tenglinger ab heute wieder mitfiebern, wenn »ihr« »Pepi« Ferstl bei den Weltcup-Wettkämpfen wieder kräftig Gas gibt. Möglicherweise kann Ferstl in Lake Louise noch nicht ganz an seine Topleistungen anknüpfen – aber bis zum Rennen in Kitzbühel (Woche 21. bis 26. Januar 2020) ist ja noch etwas Zeit ... who

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