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Knapp 860 Kilometer in acht Tagen

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Der Ruhpoldinger Hannes Namberger lief mit weiteren Trail-Läufern beim »AlpFrontTrail« die Alpenfront des Ersten Weltkriegs ab. (Foto: Philipp Reiter)

Zehn Trail-Läufer aus Deutschland, Österreich und Italien haben für ein besonderes Projekt fast 860 Kilometer mit 47.500 Höhenmetern in acht Tagen zurückgelegt: Sie liefen beim »AlpFrontTrail« im Gedenken an die Annexion Südtirols vor 100 Jahren durch Italien die ehemalige Frontlinie zwischen Italien und dem Habsburger Reich ab. Zum Team gehörte neben der früheren Biathletin Laura Dahlmeier auch der Ruhpoldinger Hannes Namberger.


Für die Läufer ging es nicht nur darum, die Strecke möglichst schnell hinter sich zu bringen: An verschiedenen Stationen ließen sie sich bei Führungen auch die geschichtlichen Hintergründe erklären, besuchten Museen, Bunker und Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg. »Es gab einen sportlichen Reiz, aber wir waren ganz raus aus dem Wettkampfgeschehen und haben auch viel Geschichtliches gelernt«, berichtet Hannes Namberger. »Ich habe die Zeit absolut genossen, das war sehr interessant.«

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Gestartet waren die Läufer im italienischen Grado, ihr Ziel war der 2757 Meter hoch gelegene Passübergang Stilfserjoch. Dabei musste das Team mehrmals die Route abändern und in tieferen Lagen laufen, weil es in den Höhen bereits ergiebig geschneit hatte. »Es ist natürlich schade, dass wir nicht die Originalstrecke laufen konnten. Dadurch haben wir einige Stellungen entlang der Gebirgsfront nicht anschauen können. Die Sicherheit der Athleten geht aber natürlich vor«, erklärte Streckenchef Freddy Mair.

Doch auch so wurden den Teilnehmern noch einmal die Schrecken des Krieges bewusst: »Die Soldaten mussten zum Teil zwei Winter in den Dolomiten verbringen, mit 15 Leuten in einer Höhle schlafen und das ohne gute Verpflegung und Versorgung oder passende Kleidung«, sagt Hannes Namberger. »Das waren unmenschliche Voraussetzungen. Die Leute waren verpflichtet, für etwas zu kämpfen, ohne den Grund wirklich zu verstehen. Und die Frontlinie hat sich dabei eigentlich nicht verschoben.«

Der Ruhpoldinger klingt auch nach dem Ende des Trails immer noch schwer beeindruckt – nicht nur von der Natur, den Dolomiten und den Drei Zinnen, sondern auch vom Hintergrundwissen, das die Läufer auf dem Weg vermittelt bekamen. »Die Realität war damals so weit weg von dem, was wir heute genießen können«, sagt er. »Es ist einfach unvorstellbar: Heute bin ich mit den Kollegen, Österreichern und Italienern, so stark verbunden, es gibt keine Barrieren. Und das nur 100 Jahre später.«

Organisiert haben den »AlpFrontTrail« der Bad Reichenhaller Fotograf Philipp Reiter und der Südtiroler Fotograf Harald Wisthaler. »Es war eine geniale Zeit. Die Gruppe hat extrem gut funktioniert und ist in den vergangenen Tagen zu einer eingeschworenen Einheit verschmolzen. Wir haben sehr viele Abenteuer erleben dürfen und sind einfach nur dankbar, dass alles so reibungslos funktioniert hat«, resümieren die Organisatoren. Hannes Namberger ist sich sicher: »Ich habe in diesen Tagen so viel gesehen wie andere in einem ganzen Jahr nicht.«

Das letzte Teilstück führte den Ruhpoldinger zusammen mit Eva Sperger (München), Laura Dahlmeier (Garmisch-Partenkirchen), Martina Valmassoi (Pieve di Cadore), Ina Forchthammer (St. Johann), Daniel Jung (Vinschgau), Hannes Perkmann (Sarntal), Marco de Gasperi (Bormio), Jakob Hermann (Werfenweng) und Tom Wagner (Graz) auf einer Strecke von 66 Kilometern mit 3200 Höhenmetern vom Tonalepass über Ponte di Legno und Bormio hinauf auf das Stilfserjoch. Die letzten drei Kilometer liefen die Teilnehmer gemeinsam mit dem Organisationsteamn. Auf der 2757 Meter hoch gelegenen Anhöhe angekommen, war die Freude über das erfolgreiche Ende der Mission »AlpFrontTrail« groß.

Ein großes Dankeschön richteten Reiter und Wisthaler zum Abschluss deshalb auch an das Team, das hinter den Kulissen mitgewirkt hatte. Das Projekt, das unter der Schirmherrschaft der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino und unter dem Vorsitz des Südtiroler Landeshauptmanns Arno Kompatscher steht, wird offiziell im Frühling 2021 abgeschlossen. Auf öffentlichen Plätzen in Innichen, Riva del Garda sowie den drei Hauptstädten der Europaregion Bozen, Trient und Innsbruck werden dann die schönsten Bilder des »AlpFrontTrails« der Öffentlichkeit bei einer Fotoausstellung präsentiert. jom

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